. "Sugarfree"

Zuckerfreie Ernährung: Wie sinnvoll ist der neue Trend?

Zu viel Zucker ist ungesund. Doch ist es deswegen nötig, den süßen Stoff komplett vom Speiseplan zu streichen? Und geht das überhaupt? Experten sind skeptisch und halten den neuen Trend oft für übertrieben.
Zuckerfreie Ernährung

Zucker ist in vielen Lebensmitteln enthalten

Zuckerfreie Ernährung kommt immer mehr in Mode und das Stichwort „Sugarfree“ zieht sich durch die sozialen Netzwerke. Der Verzicht auf das Süßungsmittel soll uns nach Ansicht so mancher Blogger, Prominenter und selbsternannter Gesundheitsexperten gesund machen und zu mehr Fitness und Schönheit verhelfen. Allerdings sind die meisten dieser Versprechungen nicht wirklich gut belegt.

Klar ist, dass eine zuckerreiche Ernährung Übergewicht fördert – dies zeigen mittlerweile mehrere Studien. Daher fordern manche Experten auch eine gesonderte Steuer auf stark zuckerhaltige Produkte wie zum Beispiel Softdrinks. Doch ganz auf Zucker zu verzichten, ist nahezu unmöglich und vermutlich auch nicht notwendig.

Problematisch sind vor allem leicht verdauliche Zucker

Im Durchschnitt verbraucht jeder Bundesbürger nach Angaben der Stiftung Warentest täglich 90 Gramm Haushaltszucker. Das sind umgerechnet rund 29 Stück Würfelzucker. Honig, Fruchtsäfte und andere Zuckerquellen kommen noch hinzu. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt hingegen für einen durchschnittlichen Erwachsenen nicht mehr als 60 Gramm Zucker am Tag.

Die meisten Menschen nehmen also zu viel Zucker zu sich. Doch wie so oft hat sich auch hier mittlerweile eine Gegenbewegung entwickelt. Deren Anhänger predigen den vollständigen Verzicht auf Zucker. Dies ist insofern schwierig, da auch viele als gesund geltende Lebensmittel wie Obst Zucker enthalten. Und letzten Endes werden Kohlenhydrate im Körper immer in Zucker umgewandelt - allerdings langsamer, wenn es sich um komplexe Kohlenhydrate handelt, und das macht einen großen Unterschied für unseren Körper.

Als problematisch gelten daher unter Medizinern eigentlich nur die leicht verdaulichen Zucker wie Glukose und Fruktose – besonders dann, wenn sie in Fertiprodukten versteckt sind. So enthalten nicht nur Softdrinks und Süßigkeiten, sondern auch Brotaufstriche, Tütensuppen oder Wurstwaren hohe Mengen an Zucker. Und das schadet vor allem Menschen, die sowieso schon zum Übergewicht neigen.

Vollständiger Zuckerverzicht ist nicht notwendig

Die Zucker-Gegner gehen jedoch viel weiter. Sie sind davon überzeugt, dass der Verzicht auf den süßen Stoff nicht nur Pfunde purzeln lässt, sondern zu weniger Falten, einem strahlenden Teint und mehr Konzentrationsfähigkeit führt. So beschreibt die Moderatorin Anastasia Zampounidis ihre Umstellung auf zuckerfreie Kost so: „Es war ein neues Leben“. Doch liegt das wirklich am Zuckerverzicht? Der Endokrinologe Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam erklärt: "Zucker ist nicht übermäßig gesund, und wenn wir zu viel davon essen, hat er negative Wirkungen auf den Stoffwechsel." Doch Daten zu Wirkungen für die Schönheit gebe es nicht, so Pfeiffer.

Seiner Ansicht nach ist Zucker vor allem für übergewichtige Menschen ein Problem. Bei gesunden Schlanken sei eine schädliche Wirkung sehr schwer nachzuweisen. „Zucker wegzulassen hat im Wesentlichen den Effekt, dass man weniger dick wird, wenn man zum Dicksein neigt“, so der Experte. Ganz ohne Zucker müssen wir also nicht leben. Auch wenn große Mengen problematisch sein können, lässt uns der völlige Verzicht aller Wahrscheinlichkeit nach weder gesünder, noch jünger oder schöner werden.

Foto: © manulito - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Übergewicht , Diabetes

Weitere Nachrichten zum Thema Zucker

| Die Frage, ob von Süßstoffen eine Gesundheitsgefahr ausgeht, wurde bisher unterschiedlich beantwortet. Nun liefert eine Studie Hinweise, dass Süßstoffe das Diabetesrisiko steigern können – also genau das, was viele Menschen durch den Zuckerersatz verhindern wollen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Seit einiger Zeit mehren sich die Hinweise, dass das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin Angststörungen reduzieren kann. Dies haben nun Forscher der Universität Regensburg bestätigt. Demnach kann Oxytocin soziale Phobien wirksam lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.