. Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Wochenbettdepressionen sind behandelbar

Etwa 10 bis 15 Prozent der Frauen leiden nach einer Geburt an einer sogenannten Postpartalen Depression oder Wochenbettdepression. Darauf macht die Stiftung Deutsche Depressionshilfe aufmerksam. Doch obwohl die Wochenbettdepression gut behandelbar ist, suchen viele Betroffene keine Hilfe – aus Scham oder weil die Depression nicht erkannt wird.
Wochenbettdepressionen, Postpartale Depression, Postnatale Depression

Eine Wochenbettdepression muss unbedingt ernst genommen werden

Postpartale Depressionen (auch als postnatale oder Wochenbettdepressionen bezeichnet) sind häufiger, als allgemein angenommen wird. Tatsächlich sind sie in Industrieländern sogar eine der der häufigsten Todesursachen für junge Mütter. Eines der großen Probleme dabei: Häufig werden sie nicht erkannt und daher auch nicht behandelt. „Bei der postpartalen Depression besteht die Gefahr, dass betroffene Mütter und Angehörige die Symptome wie Erschöpfung, verminderten Appetit oder Schlafstörungen als Reaktion auf die Geburt und Pflege des Kindes fehlinterpretieren und deshalb keine ärztliche Hilfe suchen“, erläutert Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Hinzu kommt, dass die erkrankte Mutter unter Hoffnungslosigkeit, Scham und Schuldgefühlen leidet. Aufklärung über postpartale Depressionen, beispielsweise in Geburtsvorbereitungskursen, ist deshalb besonders wichtig. „Jede Mutter muss wissen: Die postpartale Depression ist kein persönliches Versagen oder Lieblosigkeit, sondern eine ernsthafte Erkrankung, die einer konsequenten Behandlung bedarf“, so Hegerl weiter.

Medikamente und Psychotherapien helfen

Eine Depression in der Schwangerschaft und nach der Geburt ist, wie in anderen Lebensphasen auch, gekennzeichnet durch eine gedrückte Stimmung, Schlafstörungen, Erschöpfungsgefühl, tiefe Freudlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Weder Trauer noch zärtliche Gefühle gegenüber dem Kind können wahrgenommen werden. Dies ist mit quälenden Selbstvorwürfen, keine gute Mutter zu sein, verbunden.

Wichtig ist es beim Auftreten einer Wochenbettdepression, rasch professionelle Hilfe zu holen. So gelingt es fast immer, die depressive Episode innerhalb weniger Wochen zum Abklingen zu bringen, so die Deutsche Depressionshilfe. Die wichtigsten Säulen der Behandlung sind demnach Medikamente und Psychotherapie. Die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva führt am schnellsten zu einer Besserung der Beschwerden. Stillen ist meist mit einer medikamentösen Behandlung vereinbar.

Unter den Psychotherapieverfahren hat die sogenannte Kognitive Verhaltenstherapie die besten Wirksamkeitsbelege. Ziel der psychotherapeutischen Maßnahmen ist die Bewältigung der Krankheitssymptome durch Aufklärung über die Erkrankung, Unterstützung beim Umgang mit der neuen Situation sowie das Vermeiden von permanentem Grübeln und übertriebenen Selbstvorwürfen. Nach Abklingen der Depression stellen sich dann die positiven Gefühle gegenüber dem Kind von selbst ein.

 

Hilfe von außen ist unverzichtbar

Angehörige spielen oft eine wichtige Rolle dabei, möglichst schnell ärztliche Hilfe für die jungen Mütter zu organisieren, da den Betroffenen Erkrankten selbst meist die nötige Energie und Hoffnung dafür fehlt. „Wissen sollte der Partner aber auch, dass er weder Schuld an der Depression hat, noch für die Heilung verantwortlich ist. Überspitzt formuliert: Eine Depression kann man mit Liebe ebenso wenig heilen wie eine Blinddarmentzündung“, erläutert Hegerl. Trotzdem ist es für die betroffenen Frauen eine große Hilfe, Partner und Familienangehörige an der Seite zu haben, die geduldig Mut machen und liebevoll unterstützen.

In manchen Fällen ist es darüber hinaus hilfreich, eine Hebamme, Sozialarbeiterin oder verschiedene andere Betreuungsdienste (z.B. Haushaltshilfe, Kinderbetreuung über die Krankenkasse) einzubeziehen. Eine erste Anlaufstelle beim Verdacht auf eine postpartale Depression können Hebammen, Frauenärzte und Fachärzte für Psychiatrie sein. Online können sich Betroffene auf der Homepage der Deutschen Depressionshilfe informieren. Ist bei schweren postpartalen Depressionen eine stationäre Behandlung der Mutter nötig, so bieten manche Kliniken auch einen gemeinsamen Klinikaufenthalt der Mutter mit dem Kind an.

Foto: © tiagozr - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Depression , Antidepressiva , Entstigmatisierung , Verhaltenstherapie , Schwangerschaft , Geburt , Stillen , Gynäkologie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Wochenbettdepressionen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Viele Menschen leiden unter Schlafproblemen. Die häufigsten Gründe: Stress und falsche Gewohnheiten. Einige einfache Tricks können dazu beitragen, wieder zu einem besseren Schlafrhythmus zu finden.
Die wegen der Corona-Pandemie nötigen Schutzmasken können Hautirritationen auslösen. Das berichten italienische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Journal of the European Acadamy of Dermatology und Venereology.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.