Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Depressionen: Antidepressiva wirken besser als Placebo

Eine große Studie untersuchte die Wirksamkeit von 21 häufig verwendeten Antidepressiva. Ergebnis: Alle wirkten besser als Placebo.
antidepressiva, psychische erkrankungen, depressionen, stimmungsaufheller

Antidepressiva wirken - zeigte eine große Studie, die 21 Präparate untersuchte

Eine Meta-Studie untersuchte die Wirksamkeit von 21 häufig verwendeten Antidepressiva. Ergebnis: Alle wirkten besser als Placebo, insbesondere bei der Kurzzeitbehandlung von Erwachsenen. Für die internationale Studie werteten die Forscher 522 doppelblinde, randomisierte kontrollierte Untersuchungen mit insgesamt 116.477 Teilnehmern aus. Die Medikamente wurden zwischen 1979 und 2016 getestet.

Bei Depressionen sind medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungen verfügbar, aber aufgrund unzureichender Ressourcen werden Antidepressiva häufiger als psychotherapeutische Interventionen eingesetzt, schreiben die Autoren.

In den ausgewerteten Studien wurde die akute Behandlung (über 8 Wochen) einer Major Depression von Erwachsenen ab 18 Jahren dokumentiert. Die Mehrzahl der Patienten hatte eine mittelschwere bis schwere Depression. Die primären Ergebnisse waren die Wirksamkeit, das heißt eine Verringerung der depressiven Symptome um mindestens 50 Prozent und die Akzeptanz, also der Anteil der Patienten, die aus irgendeinem Grund aus der Studie ausschieden.

21 Antidepressiva wirksamer als Placebo

Alle 21 Antidepressiva waren wirksamer als Placebo, nur ein Medikament (Clomipramin) weniger akzeptabel als Placebo. Einige Antidepressiva waren wirksamer als andere, wobei Agomelatin, Amitriptylin, Escitalopram, Mirtazapin, Paroxetin, Venlafaxin und Vortioxetin am wirksamsten waren und Fluoxetin, Fluvoxamin, Reboxetin und Trazodon am wenigsten wirksam waren.

Die Antidepressiva unterschieden sich auch hinsichtlich der Akzeptanz, wobei Agomelatin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Sertralin und Vortioxetin am tolerabelsten waren und Amitriptylin, Clomipramin, Duloxetin, Fluvoxamin, Reboxetin, Trazodon und Venlafaxin am wenigsten tolerierbar waren.

 

Längerfristige Anwendung wurde nicht getestet

Die Autoren weisen darauf hin, dass die in der Meta-Analyse enthaltenen Daten eine Behandlungsdauer von acht Wochen abdecken, und damit nicht unbedingt etwas über die längerfristige Anwendung aussagt. Um sicherzustellen, dass die in der Metaanalyse enthaltenen Studien vergleichbar waren, schlossen die Autoren Patienten mit bipolarer Depression, Symptomen von Psychosen oder behandlungsresistenten Depressionen aus, die Ergebnisse treffen für diese Patienten daher möglicherweise nicht zu.

"Unsere Studie vereint die besten verfügbaren Erkenntnisse, um Ärzte und Patienten bei ihren Behandlungs-Entscheidungen zu informieren und zu begleiten", sagte Dr. Andrea Cipriani von der Psychiatrischen Klinik der Universität Oxford. "Wir haben festgestellt, dass die am häufigsten verwendeten Antidepressiva wirksamer sind als Placebo, wobei einige wirksamer sind als andere. Unsere Ergebnisse sind relevant für Erwachsene, die eine erste oder zweite depressive Episode erleben."

Antidepressiva trotzdem nicht das Mittel erster Wahl

Antidepressiva können ein wirksames Mittel zur Behandlung schwerer Depressionen sein, aber das bedeutet nicht unbedingt, dass Antidepressiva immer die erste Behandlungslinie sein sollten. Medikamente sollten immer zusammen mit anderen Therapie-Optionen wie einer Psychotherapie in Betracht gezogen werden, wenn diese verfügbar sind. Die Wirksamkeit oder Akzeptanz von Antidepressiva in Bezug auf Alter, Geschlecht, Schwere der Symptome, Krankheitsdauer oder anderer individueller Merkmale konnte in der Meta-Studie nicht erfasst werden.

Foto: fotomek/fotolia.com

 

Weitere Nachrichten zum Thema Antidepressiva

08.06.2018

Patienten mit Depressionen haben zurzeit die Wahl zwischen einer Vielzahl verschiedener Antidepressiva, die unterschiedlich wirken und unterschiedliche Nebenwirkungsprofile haben. Eine amerikanische Studie hat nun gezeigt, dass ein EEG bereits im Vorfeld der Therapie Hinweise liefern kann, welches Medikament für einen Patienten am besten geeignet ist.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Eine mögliche Nebenwirkung der Covid-19-Impfung mit AstraZeneca ist die Hirnvenen-Thrombose. Geimpfte mit Kopfschmerzen sollten deshalb umgehend einen Augenarzt aufsuchen. Warum? Eine Schwellung des Sehnervs ist das häufigste klinische Anzeichen dieser Impfkomplikation. So lässt sich ein Verdacht am schnellsten bestätigen – oder ausschließen.

Chinin ist ein altes Hausmittel gegen fiebrige Erkältungskrankheiten. Wissenschaftler aus Tübingen wollen die antivirale Wirkung nun im Kampf gegen COVID-19 nutzen. Erste Experimente an Zellkulturen zeigten bereits Erfolge.

Wer einen nachgewiesenen Vitamin D-Mangel hat, sollte sich öfter unter freiem Himmel bewegen oder – wenn das nicht reicht – Vitamin D-Präparate zu sich nehmen. Doch nicht jeder benötigt zusätzliches Vitamin D, selbst im Winter nicht.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin