Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
20.09.2020

Wie Salz der Darmflora schaden kann

Eine Studie zeigt: Zu viel Salz reduziert die Anzahl der Milchsäurebakterien im Darm. Dadurch können verschiedene Krankheiten entstehen. Probiotika hingegen können die Darmflora schützen.
Salz

Salz im Übermaß kann das Mirkrobiom des Darms durcheinanderbringen

Das Mikrobiom des Darms, die sogenannte Darmflora, gerät immer stärker in den Fokus der medizinischen Forschung. In den vergangenen Jahren konnten verschiedene Studien zeigen, dass das Darm-Mikrobiom in Wechselwirkung mit dem gesamten Organismus steht. Gleichzeitig ist bekannt, dass zu viel Kochsalz in der Nahrung Krankheiten wie Bluthochdruck befördern kann. Sogar auf den Verlauf einer Multiplen Sklerose zu viel Salz eine negative Wirkung haben.

„Aber wie Salz die Bakterien im Darm beeinflusst, hat bisher niemand untersucht“, so Professor Dominik Müller vom Berliner Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH), beides gemeinsame Einrichtungen vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Der Forscher untersuchte am Mausmodell, wie sich salzreiche Ernährung auf die Darmflora auswirkt.

Salz reduziert Zahl Laktobazillen im Darm

Dabei zeigte sich, dass ein Übermaß an Salz die Laktobazillen im Darm tatsächlich dezimiert. Gleichzeitig stiegen der Blutdruck und die Zahl von Th17-Helferzellen an, wenn der Salzgehalt in der Nahrung erhöht wurde. Th17-Helferzellen stehen Forschungen zufolge mit der Entstehung von Bluthochdruck und Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose in Verbindung.

Erhielten die Tiere zusätzlich zur salzreichen Nahrung probiotische Laktobazillen, ging die Zahl der Th17-Helferzellen wieder zurück und der Blutdruck sank. Die Probiotika milderten bei den Mäusen auch die neurologischen Symptome einer experimentellen autoimmunen Encephalomyelitis, einem Krankheitsmodell, das der Multiplen Sklerose sehr ähnlich ist. Damit identifizierten die Forscher das Mikrobiom als einen wichtigen Faktor für durch Salz beeinflussbare Erkrankungen.

 

Probiotika können schützen

Neben den Untersuchungen an Mäusen überprüfte das internationale Forscherteam die Bakteriengemeinschaft im Verdauungstrakt von zwölf gesunden Männern, welche 14 Tage lang sechs zusätzliche Gramm Kochsalz täglich erhielten. Da die Probanden ihre normalen Essgewohnheiten ansonsten beibehielten, verdoppelten sie damit in etwa ihre tägliche Salzzufuhr. Auch hier reagierten die Darmbakterien der Gattung Lactobacillus empfindlich: Die meisten waren nach 14 Tagen erhöhter Salzaufnahme nicht mehr nachweisbar. Gleichzeitig ermittelten die Wissenschaftler, dass der Blutdruck und die Zahl Th17-Helferzellen im Blut anstiegen.

Auch wenn die Studien Hinweise ergeben haben, dass die gezielte Gabe von Laktobazillen dem negativen Einfluss durch das Salz entgegenwirken kann, ist eine therapeutische Wirksamkeit der Bakterien damit noch nicht bewiesen. Das therapeutische Potenzial von Probiotika mit Laktobazillen soll daher nun in weiteren Studien überprüft werden. Laktobazillen sind vor allem in fermentierten Speisen wie Sauerkraut, Joghurt oder Käse zu finden und können auch konzentriert in Kapseln eingenommen werden.

Foto: Adobe Stock / HandmadePictures

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Darm
 

Weitere Nachrichten zum Thema Salz

21.09.2020

Die Darmflora ist ein Tummelplatz für Keime, und für Gesundheit wie Immunsystem ist es wichtig, dass hier die guten Keime die Oberhand behalten. Probiotika aus natürlichen Lebensmitteln oder in Form von Präparaten können helfen, das Darmmikrobiom im Gleichgewicht zu halten und bestimmte Krankheiten sanft zu lindern. Doch: Nicht überall, wo „probiotisch“ draufsteht, ist auch eine belegbare Wirkung drin.

20.01.2021

Neben Umwelt- und Ernährungseinflüssen ist offenbar auch die menschliche Genetik ein zentraler Faktor für die Besiedlung des Körpers mit Bakterien. Kieler Wissenschaftler konnten jetzt einen Zusammenhang nachweisen zwischen der genetischen Veranlagung für bestimmte Blutgruppen und der Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms. Das kann bestimmte Krankheiten verhindern helfen oder begünstigen.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Frust-Essen, mehr Alkohol, unfreiwillige Häuslichkeit, weniger Bewegung: Die COVID-19-Pandemie hinterlässt auch bei Gesunden ihre Spuren. 43 Prozent der Verbraucher haben zugenommen – um 5,5 Kilo im Schnitt. Bei jedem Siebten sind es sogar 10 Kilo oder mehr. Das zeigt eine INSA-Umfrage des rbb für sein Sendegebiet Berlin/Brandenburg.

Der sogenannte Bauernhof-Schutz gegen Allergien ist schon länger bekannt. Mit Beta-Laktoglobulin wurde ein Kuhmilch-Protein identifiziert, dass vor allem dafür verantwortlich ist. Das gibt es nun als Lutschtablette.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin