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16.03.2018

Tausende Verkehrsunfälle durch Schlafapnoe

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie an einer Schlafapnoe leiden. Doch das kann gefährliche Folgen haben: Allein im Jahr 2016 wurden fast 1.900 Verkehrsunfälle mit Personenschaden durch Übermüdung verursacht.
Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, Schlafapnoe

Fast 1.900 Verkehrsunfälle mit Personenschaden wurden im Jahr 2016 durch Übermüdung verursacht

Der Weltschlaftag erinnert jedes Jahr daran, wie wichtig ein guter Schlaf für unsere Gesundheit ist. Doch viele Menschen leiden unter Schlafstörungen und erwachen morgens nicht erholt. Eine der möglichen Ursachen ist eine Schlafapnoe, bei der die Atmung immer wieder aussetzt. Doch viele Menschen wissen gar nichts von ihrer Erkrankung.

Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 13 Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen von Schlafapnoe betroffen sind. Das kann gefährliche Folgen haben, zum Beispiel wenn Tagesschläfrigkeit und Sekundschlaf die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe ein zwei- bis siebenmal so hohes Risiko haben, im Straßenverkehr Unfälle zu verursachen. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) aufmerksam.

Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Schlafapnoe

In Deutschland und der EU dürfen Menschen mit Schlafapnoe und Tagesschläfrigkeit Kraftfahrtzeuge nur dann steuern, wenn sie kontinuierlich erfolgreich behandelt werden. Ähnliches gilt auch für Menschen, die gefährliche Arbeitsgeräte bedienen. Doch viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie an einer Schlafapnoe leiden. Im Vorfeld ihres 59. Kongresses hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) daher vor den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen unbehandelter Schlafstörungen gewarnt.

Eine Schlafapnoe kann sich oft – aber nicht immer – durch lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atemaussetzern bemerkbar machen. „Aber die obstruktive Schlafapnoe ist bei Weitem nicht der einzige Grund für Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf. Ein- und Durchschlafstörungen sowie Atmungsschwächen bei Herz- oder Lungenerkrankungen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Und nicht jeder Patient mit Schlafapnoe zeigt die typischen Symptome“, betont Professor Winfried Randerath, Kongresspräsident der DGP 2018.

 

Wenn der Schlaf keine Erholung bringt

Bei der häufigsten Form der Schlafapnoe kollabieren im Schlaf die Atemwege des Patienten immer wieder. Dies kann von zehn Sekunden bis zu zwei Minuten dauern sowie die Atmung und die Sauerstoffversorgung unterbrechen. Der Körper steigert seine Atmungsanstrengung, erlebt permanente Stressreaktionen. Der Schlaf bringt unter diesen Umständen keine Erholung mehr.

„Wer sich tagsüber häufig – und scheinbar grundlos – müde oder schläfrig fühlt, sich schlecht konzentrieren kann oder gar ungewollt einschläft, sollte seinen Schlaf untersuchen lassen“, rät Randerath, der als Chefarzt am Krankenhaus Bethanien in Solingen tätig ist. Denn bei unbehandelter Schlafapnoe drohen auch Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall.

Experten kritisieren mangelnde Versorgung

Durch die große Zahl der Betroffenen, Arbeitsausfallzeiten, Unfälle und Folgeerkrankungen wird die Schlafapnoe zunehmend zu einem gesundheitlichen und gesellschaftlichen Problem, wie die DGP erklärt. Und die ambulante Versorgung decke nur einen Teil der Diagnostik und Therapie des nicht erholsamen Schlafs ab. Das Versorgungsangebot für Patienten werde hierzulande immer knapper, erklärt Randerath. „Weil die Krankenkassen immer weniger stationäre Behandlungen bezahlen und ambulante Möglichkeiten unterfinanziert werden, stehen schlafmedizinische Angebote nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung.“ Der Experte kritisiert, dass die Wartezeiten für einen Termin im Schlaflabor zurzeit bei mehreren Monaten bis hin zu einem Jahr liegen.

Weltschlaftag informiert über Schlafstörungen und Präventionsmöglichkeiten

Wie wichtig guter Schlaf für verschiedene physische, psychische und kognitive Prozesse ist, ist mittlerweile unumstritten. Dennoch nehmen Schlafstörungen immer weiter zu. Dies wird unter anderem auf moderne Lebensgewohnheiten wie langes abendliches Fernsehen oder Computerspielen zurückgeführt. Selbst der Blick auf das Smartphone kurz vor dem Bettruhe kann Schlafstörungen verursachen.

Um auf die Bedeutung eines gesunden Schlafs aufmerksam zu machen, wurde im Jahr 2008 der Weltschlaftag von der World Association of Sleep Medicine (WASM) ins Leben gerufen. Seitdem wird er traditionell am dritten Freitag im März begangen. Der Weltschlaftag soll auch an mögliche Schlafstörungen erinnern und über Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Foto: © Superingo - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Prävention und Reha
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