Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
19.01.2019

Spahn hält an Erhöhung der Sprechstundenzeiten fest

Seit Monaten wird das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) heftig diskutiert. Unter anderem steht die geplante Erhöhung der Mindestsprechzeiten bei niedergelassenen Ärzten in der Kritik. Das Bundesgesundheitsministerium will jedoch daran festhalten.
TSVG, Jens Spahn, Hausärzte, Sprechstundenzahl, Wartezeiten

Das TSVG soll unter anderem dazu beitragen, Wartezeiten bei Ärzten und Therapeuten zu verkürzen

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ist zu Modifizierungen bestimmter Regelungen im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) bereit. Das hat er beim Neujahrsempfang des Deutschen Hausärzteverbandes bekräftigt, der am Mittwoch in Berlin stattfand. Doch an der Erhöhung der wöchentlichen Sprechstundenzeiten hält er fest. Das berichtet unter anderem das Deutsche Ärzteblatt. Demnach sollen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte ihre Sprechstundenzeiten von mindestens 20 auf 25 Stunden erhöhen, um das Wartezeitenproblem in den Griff zu bekommen. Von der Ärzteschaft wird dies als Eingriff in den Praxisablauf und Gängelung kritisiert.

Veränderungen bei Vergütungsanreizen möglich

Die Ärzte müssten akzeptieren, dass die Wartezeiten von Kassenpatienten ein gesellschaftspolitisches Thema seien, so der Gesundheitsminister. Die Erhöhung der wöchentlichen Sprechstundenzahl stehe im Koalitionsvertrag und sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die von der SPD vorgeschlagene Bürgerversicherung einstweilen kein Thema mehr sei.

Bereit ist Spahn unter anderem zu Modifizierungen bei den Vergütungsanreizen für Vertragsärzte. Eine zusätzliche Versorgung solle auch besonders honoriert werden. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hatte zuvor ein Ungleichgewicht der zusätzlichen Vergütungen für Haus- und Fachärzte kritisiert. Nach dem bisherigen Entwurf des TSVG sollen lediglich Fachärzte extrabudgetär für Leistungen vergütet werden, die sie in offener Sprechstunde anbieten. Auch die Hausärzte, die solche Angebote „selbstverständlich“ täglich für Akutpatienten bereithielten, sollten dafür Honorarzuschläge erhalten, so Weigeldt.

 

Zweite Anhörung im Bundestag geplant

Die Erhöhung der Wochensprechzeiten sieht der Hausärzte-Chef zudem kritisch: „Das Wartezeitenproblem würde besser durch eine strukturierte Behandlung der Patienten gelöst.“ Weigeldt verwies auf die positiven Erfahrungen mit der hausarzt­zentrierten Versorgung. Mehrere Untersuchungen hätten gezeigt, dass diese Form der Versorgung qualitativ gut und wirtschaftlich vernünftig sei. Sie sollte daher stärker gefördert werden.

Dass insgesamt noch weiterer Diskussionsbedarf beim TSVG besteht, zeigte sich auch bei der ersten Anhörung im Bundestag, die erwartungsgemäß kontrovers verlieft. Die parlamentarischen Beratungen zum geplanten Gesetz sollen nun um vier Wochen verlängert werden; dann wird es eine zweite Anhörung geben.  

Foto: © Picture-Factory - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Versorgung

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
In Deutschland gibt es ein weltweit einmaliges System von mehr als 12.000 Betriebsärzten – eine Option, um die schleppend laufende Breitenimpfung gegen COVID-19 in Schwung zu bringen. Eine große Mehrheit der Beschäftigten würde ein Impfangebot ihres Arbeitgebers begrüßen. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV.


Alkohol kann im weiblichen Körper schneller Schäden anrichten als im männlichen. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hin. So kommt es bei Frauen leichter zu alkoholbedingten Leberschäden. Als besonders schädlich gilt auch das Trinken in der Schwangerschaft.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin