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03.05.2020

Remdesivir: Studien zeigen keine eindeutigen Ergebnisse

In der Corona-Pandemie ruhen die Hoffnungen darauf, dass bald wirksame Impfstoffe oder Medikamente vorliegen. Als aussichtsreicher Kandidat unter den Medikamenten gilt unter anderem das Ebola-Mittel Remdesivir. Erste Ergebnisse aus drei randomisierten Studien fallen jedoch unterschiedlich aus.
Remdesivir, Corona, Covid-19

Das Medikament Remdesivir galt als hoffnungsvoller Kanditat bei der Behandlung von Covid-19. Erste Studienergebnisse fallen jedoch nur mäßig aus.

Die enttäuschende Nachricht kam aus China. Forscher konnten in einer Studie an Patienten mit schwerer Covid-19-Erkrankung keinen eindeutigen Vorteil für das Medikamente Remdesivir finden. Etwas andere Ergebnisse brachte eine Untersuchung des US-National Institutes of Health mit we­niger schwer erkrankten Corona-Personen. Hier konnte die Zeit bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus durch die Einnahme von Remdesivir verkürzt werden. Erste Ergebnisse einer Studie des Herstellers zeigen wiederum, dass eine 5-tägige Behandlung aus­reichen könnte. Eindeutig scheinen jedoch alle Ergebnisse nicht zu sein.

Chinesische Studie: Keine nennenswerten Vorteile durch Remdesivir

Chinesische Forscher um Bin Cao von der Klinik der chinesisch-japanischen Freundschaft in Peking hatten 237 Patienten, die an Covid-19 erkrankt waren, mit Remdesivir oder einem Placebopräparat behandelt. Einen signifikanten Unterschied konnten die Studienautoren jedoch nicht feststellen.

Eine positive Nachricht schien es dennoch zu geben. Offenbar kann die Behandlung nämlich umso bessere Ergebnisse erzielen, je früher sie begonnen wird. Patienten, die innerhalb von zehn Tagen nach den ersten Symptomen mit Remdesivir behandelt wurden, erholten sich häu­figer. Doch auch hier wurde das Signifikanzniveau verfehlt.

 

US-Studie: Statistische Relevanz fraglich

Etwas positivere Meldungen kamen hingegen vom US-National Institute of Health. Hier hatten Forscher über 1000 Corona-Patienten mit Remdesivir oder Placebo behandelt. In einem ersten Vergleich konnten die Patienten, die Remdesivir erhalten hatten, das Krankenhaus nach 11 Tagen verlassen, die Patienten der Placebogruppe jedoch erst nach 15 Tagen.

Das Kriterium, nach wie viel Tagen Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden, ist jedoch ein kein „harter“ Endpunkt, da hier auch subjektive Beurteilungen mit einfließen können. Wichter wäre, wie viele Covid-19-Patienten mit Remdesivir im Vergleich zur Kontrollgruppe überlebten. Auch dazu macht das NIAID Angaben: Demnach habe die Sterblichkeit in der Remdesivir-Gruppe bei acht Prozent gelegen, in der Placebo-Gruppe dagegen bei 11,6 Prozent. Der Unterschied ist damit aber zu gering, um statistisch signifikant zu sein.

Sonderzulassung in den USA

Eine weitere Studie veröffentlichte nun die Herstellerfirma von Remdesivir, der US-Pharmakonzern Gilead. In einer hauseigenen Untersuchung verglichen sie den Zeitpunkt der Krankenhausentlassung, je nachdem, ob die Patienten fünf oder zehn Tage lang Remdesivir erhalten hatten. Das Ergebnis: Im Verglich hatte die längere Einnahme des Medikaments keinen Vorteil: Nach zwei Wochen waren in der Covid-19-Gruppe, die fünf Tage lang behandelt wurde, zu 60 Prozent aus dem Krankenhaus entlassen, in der Gruppe, die zehn Tage lang Remdesivir bekam, erst 54 Prozent.

Zugelassen war Remdesivir, das ursprünglich gegen Ebola entwickelt wurde, bis vor kurzem noch in keinem Land der Welt. Am gestrigen Freitag hat nun die FDA eine Sonderzulassung für die USA genehmigt. Experten warnen jedoch aufgrund der nicht sehr aussagekräftigen Ergebnisse vor allzu großen Hoffnungen.

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Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik , Corona
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