. Infektionskrankheiten

Neuer Therapieansatz bei chronischer Hepatitis B

Leipziger Forscher haben einen neuen Therapieansatz bei chronischer Hepatitis B getestet. Hierzu setzten sie im Rahmen einer kontrollierten Studie die Medikamente von Patienten ab, die schon seit vielen Jahren eine Dauertherapie erhalten hatten – mit überraschendem Ergebnis.
Hepatitis

Patienten mit Hepatitis B erhalten häufig eine Dauertherapie

Hepatitis B (HBV) ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Nach Angaben der WHO sind rund drei Prozent der Weltbevölkerung chronisch mit HBV infiziert – das sind circa 240 Millionen Menschen. In Deutschland infizieren sich Schätzungen zufolge rund fünf Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mit dem Hepatitis B-Virus, davon sind etwa 0, Prozent chronisch infiziert und somit Virusträger. In vielen Fällen ist eine medikamentöse Therapie inzwischen sehr erfolgreich: Die Virusvermehrung wird dadurch meist komplett unterdrückt und das Risiko für Leberzirrhose und Leberkrebs deutlich gesenkt. Nun haben Forscher der Leipziger Universitätsmedizin einen innovativen Therapieansatz bei chronischer Hepatitis B geprüft.

Die Wissenschaftler setzten im Rahmen einer kontrollierten Studie die Hepatitis B-Medikamente von Patienten ab, die schon seit vielen Jahren eine Dauertherapie erhalten hatten. Das Ergebnis überraschte: Die Hälfte der Teilnehmer wies nach zwei Jahren ohne Therapie normale Leberwerte auf und circa 20 Prozent der Patienten waren sogar geheilt. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im „Journal of Hepatology“ veröffentlicht.

Absetzen der Therapie aktiviert Immunsystem

Für viele Patienten mit Hepatitis B bedeutet es eine Einschränkung ihrer Lebensqualität, dass sie lebenslang Medikamente einnehmen müssen – so war es zumindest bisher. „Bislang traut sich niemand so recht, die Tabletten nach Jahren der Einnahme abzusetzen, weil man Reaktivierungen der Erkrankung fürchtet“, erklärt Thomas Berg, Professor für Innere Medizin an der Universität Leipzig und Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Wir konnten zeigen, dass ein Absetzen der mehrjährigen Hepatitis B-Therapie bei vielen Patienten zu einer vorübergehenden Reaktivierung der Hepatitis führen kann. Das Immunsystem reagiert darauf und behandelt wahrscheinlich die Reaktivierung wie eine Neuinfektion“, so der Studienleiter. Das bietet die Chance, dass der menschliche Organismus den Erreger allein bekämpft und letztendlich auch kontrollieren kann. In der parallel laufenden Kontrollgruppe, in der die Patienten ihre Medikamente unverändert weiter eingenommen hatten, verlor niemand die Viren dauerhaft.

Die Fallzahl der aktuellen Studie war zwar klein, dennoch konnten die Forscher zeigen, dass die Hälfte der Patienten auch ohne Therapie so stabil war, dass sie keine erneute Behandlung benötigten. Bei rund 20 Prozent der Patienten war die Erkrankung nach zwei Jahren sogar ausgeheilt. Weitere Studien sollen nun die Patientengruppen genauer definieren, die für diese Form der Therapie in Frage kommen.

Hepatitis B kann zu Leberkrebs führen

Eine akute Hepatitis B heilt in über 90 Prozent der Fälle innerhalb der ersten sechs Monate von alleine aus. Eine chronische Hepatitis B verläuft von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Zwar gibt es milde Verläufe, doch die Infektion kann auch nach einigen Jahren oder Jahrzehnten zu Zirrhose und/oder Leberkrebs führen. In Deutschland und anderen Industrieländern wird Hepatitis B in den meisten Fällen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Auch durch Blut oder Blutprodukte ist eine Übertragung von Hepatitis-B-Viren möglich. Dies passiert in Ländern mit hohem medizinischem Standard allerdings noch nur selten. Verunreinigtes Spritzbesteck von Drogenkonsumenten kann ebenfalls zu einer Infektion führen.

Foto: © adragan - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Hepatitis B , Hepatitis , Leber , Impfen

Weitere Nachrichten zum Thema Hepatitis

| Chronisch gewordene Infektionen mit Hepatitis B und C können lange symptomfrei verlaufen. Ob ein Screening sinnvoll sein könnte, sollte nun das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersuchen. Das Ergebnis des Vorberichts: Ob der Nutzen den Schaden eines Screenings überwiegt, ist aufgrund fehlender Studien nicht zu sagen.
| Rund 15 Prozent aller Krebserkrankungen werden durch Viren und Bakterien ausgelöst. Ganz machtlos dagegen ist der Mensch aber nicht. Es gibt Medikamente und gegen zwei Übeltäter sogar eine vorbeugende Impfung.
| Noch ist das Ziel weit entfernt: die weltweite Elimination von Hepatitis. Dennoch glaubt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass dies eines Tages Realität werden kann. Das meldet die Organisation anlässlich des diesjährigen Welt-Hepatitis-Gipfels in Sao Paolo.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Patienten liegen sich wund, werden mit Medikamenten ruhiggestellt oder viel zu oft ins Krankenhaus eingewiesen: Der neue Pflegereport der AOK hat gravierende Mängel in deutschen Pflegeheimen aufgedeckt. Doch es gibt auch gute Heime.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.