. Lebererkrankungen

Neuer Therapieansatz gegen Hepatitis B und D

Hepatitis B und D sind bisher schwer zu behandeln. Nun haben Wissenschaftler einen neuen Virusblocker gefunden, der Hoffnung macht. In zwei Studien konnte der Wirkstoff bereits erfolgreich getestet werden.
Neuer Ansatz gegen Hepatitis B und D

Foscher haben einen neuen Wirkstoff gegen Hepatitis B und D entwickelt

Hepatitis D ist ein Virus, das, um sich vermehren zu können, die Hülle des Hepatitis-B-Virus braucht. Daher taucht eine Hepatitis-D-Infektion nur als sogenannte „Koinfektion“ mit Hepatitis B auf. Gleichzeitig kann eine zusätzliche Infektion mit Hepatitis D eine chronische Hepatitis B deutlich verschlechtern. Bisher sind beide Erkrankungen schwer zu behandeln. Bisherige Therapien für Hepatitis B führen in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht zur Ausheilung, und für Hepatitis D gibt es bisher überhaupt keine spezifische Therapie. Nun haben Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) einen Virusblocker gegen Hepatitis B und D entwickelt, der bereits in zwei Studien mit Erfolg getestet wurde.

Neuer Wirkstoff senkt Viruslast

Am Universitätsklinikum Heidelberg konnte das Team um DZIF-Professor Stephan Urban mit Myrcludex B einen Wirkstoff entwickeln, der in vitro und in Tierversuchen den Eintritt von Hepatitis B- und -D-Viren in die Leberzelle blockiert. In einer ersten Studie haben die Wissenschaftler nun gezeigt, dass der Wirkstoff vom Menschen sehr gut vertragen wird. In der noch laufenden zweiten Studie, die am Moscow Regional Research Clinical Institute in Russland durchgeführt wird, konnte die Annahme bestätigt werden, dass Myrcludex B tatsächlich einen Effekt auf Hepatitis D-Viren hat.

„Die Zwischenergebnisse dieser Studie zeigen, dass Myrcludex B nach einem halben Jahr die Last an Ribonukleinsäuren des Hepatitis-D-Virus in einem Teil der Patienten bei guter Verträglichkeit deutlich senkte und zu einer Normalisierung der Leberwerte führte“, fasst Urban die Ergebnisse zusammen. Da es für Hepatitis-D-Infektionen das erste spezifisch wirkende Mittel wäre, sehen die Forscher gute Chancen für eine schnelle Weiterentwicklung. „Myrcludex B ist der erste Vertreter einer neuen Therapieklasse für Hepatitis B und D“, erklärt auch Professor Walter E. Haefeli, der die Phase-I-Studie gemeinsam mit Dr. Antje Blank am Universitätsklinikum Heidelberg durchführte. Die Forscher hoffen, dass sich die positiven Effekte in größeren Therapiestudien, die gerade anlaufen, bestätigen.

 

Hepatitis D führt zu Leberzirrhose und Krebs

Eine akute Hepatitis B heilt in über 90 Prozent der Fälle innerhalb der ersten sechs Monate von alleine aus. Eine chronische Hepatitis B verläuft von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Zwar gibt es milde Verläufe, doch die Infektion kann auch nach einigen Jahren oder Jahrzehnten zu Zirrhose und/oder Leberkrebs führen. Bei einer chronischen Hepatitis-D-Infektion haben die meisten Betroffenen keine Symptome, bis sie Zirrhose oder Leberkrebs entwickeln. Hepatitis D gilt als gefährlichster Hepatitis-Virus. Das häufigste Symptom ist sowohl bei chronischer Hepatitis-B- als auch Hepatitis-D-Infektion Müdigkeit. Weltweit leiden etwa 350 Millionen Menschen an Hepatitis B und 25 Millionen Menschen an Hepatitis D.

Foto: © jarun011 - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Hepatitis , Hepatitis A , Hepatitis B , Hepatitis C , Leberkrebs , Leber
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hepatitis

| Chronisch gewordene Infektionen mit Hepatitis B und C können lange symptomfrei verlaufen. Ob ein Screening sinnvoll sein könnte, sollte nun das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersuchen. Das Ergebnis des Vorberichts: Ob der Nutzen den Schaden eines Screenings überwiegt, ist aufgrund fehlender Studien nicht zu sagen.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.