. Sturzprophylaxe

Motorische Planungsfähigkeit sinkt im Alter

Im Alter lässt die motorische Planungsfähigkeit drastisch nach. Das haben Forscher der Universitäten Rostock, Freiburg und Paderborn nachgewiesen. Die Studie zeigt damit auch die Notwendigkeit eines frühzeitigen Trainings.
Motorische Fähigkeiten im Alter

Kleine Ungeschicklichkeiten können drastische Folgen haben

Motorisches Planen ist die Fähigkeit, sich noch unbekannte Handlungen vorzustellen und die dazu benötigten Bewegungen auszuführen. Ist eine Bewegung hingegen bereits automatisiert, wird sie unbewusst ausgeführt und geschieht schneller. Doch auch bei Alltagstätigkeiten kann die motorische Planungsfähigkeit immer wieder gefragt sein – nämlich immer dann, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert und wir darauf reagieren müssen. Das kann beim Treppensteigen, Autofahren oder Kochen sein: Jede Verzögerung und jeder Fehler kann dann durchaus dramatische Folgen haben.

Motorische Planungsfähigkeit auf dem Niveau von Kindern

Im Alter lässt die motorische Planungsfähigkeit nach – und zwar drastisch, wie Forscher der Universitäten Rostock, Freiburg und Paderborn nun in einer gemeinsamen Studie herausgefunden haben. Demnach kann die Fähigkeit ab einem Alter von etwa 70 Jahren sogar auf das Niveau von unter 10-jährigen Kindern sinken. Als mögliche Ursache führt Dr. Tino Stöckel vom Institut für Sportwissenschaften an der Universität Rostock den Rückgang kognitiver Kapazitäten an. „Aber auch die geringere Beweglichkeit könnte eine Rolle spielen“, so Stöckel.

Die motorische Planungsfähigkeit kommt nicht nur zum Tragen, wenn Handlungen neu sind. Auch bereits bekannte Handlungsabläufe müssen wieder eingeübt werden, wenn es zu Störungen kommt – beispielsweise bei der Bewegungsfähigkeit oder der Aufmerksamkeit. Eigentlich automatisierte Handlungen erscheinen dann unbeholfen und verlangsamt, und es kommt leicht zum Danebengreifen, Stolpern oder sogar zu Stürzen.

Frühzeitiges Training kann die Planungsfähigkeit erhalten

Da der Rückgang der Planungsfähigkeit drastische Folgen haben kann, ist es wichtig, hier rechtzeitig entgegenzuwirken - insbesondere im Hinblick auf die allgemein steigende Lebenserwartung, wie die Forscher betonen. So können ein frühzeitiges motorisches und/oder kognitives Training dazu beitragen, die motorische Planungsfähigkeit möglichst langfristig zu erhalten oder wenigstens auf einem Niveau zu bewahren, das ein selbständiges Leben ermöglicht.

Die Wissenschaftler machen auch darauf aufmerksam, dass eine schlechte motorische Planungsfähigkeit besonders im Straßenverkehr gefährlich sein kann - für die Betroffenen selbst, aber auch für andere Verkehrsteilnehmer. Aufgrund der Ergebnisse ihrer Studie sei es daher durchaus sinnvoll, Tauglichkeitsprüfungen für Senioren in Bezug auf die Teilnahme am Straßenverkehr zu erwägen.

Foto: © cunaplus - Fotolia.com

Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sturzprophylaxe , Alter , Demografischer Wandel

Weitere Nachrichten zum Thema Sturzprophylaxe

| Regelmäßige Tai-Chi-Übungen können bei älteren Menschen das Risiko für Stürze signifikant reduzieren. Das haben Forscher aus Taiwan nun in einer Vergleichsstudie gezeigt und damit frühere Untersuchungen bestätigt.
| Jeder vierte Oberschenkelhalsbruch passiert in einem Alters- oder Pflegeheim. Durch eine geeignete Sturzprophylaxe könnte dort fast jeder fünfte Oberschenkelhalsbruch verhindert - und Millionen Euro eingespart werden. Das belegt eine vom BMBF geförderte Studie.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.