. Sturzprophylaxe

Die Angst vor dem Sturz macht alles schlimmer

Mit dem ersten Sturz beginnt für viele ältere Menschen ein Teufelskreis: Die Angst vor dem nächsten Sturz macht sie unsicher – und erhöht das Sturzrisiko.
Die Angst vor dem Sturz macht alles schlimmer

Wer einmal gestürzt ist, traut sich vieles nicht mehr zu

Nach dem Sturz ist vor dem Sturz. So in etwa könnte man das Dilemma vieler älterer Menschen bezeichnen. Denn oftmals sind es gar nicht die körperlichen Defizite, sondern das „Kopfkino“, das Menschen wieder stürzen lässt. Aus Angst, noch einmal zu stürzen, gehen viele dann nicht mehr so gerne raus und bewegen sich weniger. Dadurch kommt es zu einem allmählichen Muskelabbau, die Koordination wird schlechter. „Das Schlimmste ist, dass die Menschen ihr Selbstvertrauen verlieren“, sagt die Ergotherapeutin Bettina Kuhnert aus Karlsbad. Viele seien nach einem Sturz sogar regelrecht traumatisiert.

Sturzprophylaxe: Ängste abbauen

Zu einer effektiven Sturzprophylaxe gehöre daher auch immer die Sturz-Nachbehandlung, meint die Ergotherapeutin. „Wenn Patienten nach einem Sturz zu mir in die Behandlung kommen, finde ich genau heraus, welche Schwachstellen zu behandeln sind", erläutert Kuhnert. Sie fragt nach allen Einzelheiten: Wie und wo ist derjenige gestürzt? Wie sieht das Umfeld aus, was tut er oder sie im Haushalt, im Beruf, als Hobby und vor allem: welche Fähigkeiten bringt dieser Mensch mit, über- oder unterschätzt er sich? Nach einem nächsten Blick auf Motorik, Sensorik und die geistigen Fähigkeiten weiß Kuhnert dann genau, wo sie ansetzen muss, um ihre Patienten wieder fit für den Alltag zu machen. „Beratung steht an vorderster Stelle bei der Ergotherapie, denn wir wollen die Patienten körperlich und mental stärken und vor allem Ängste abbauen“, so Kuhnert.

 

Jeder zweite Unfall bei den über 60-Jährigen ein Sturz

Stürze im Alter können vielfältige Ursachen haben. Die Liste reicht vom Stolpern über den dicken Teppich, den Schwindelanfall wegen Blutdruck- oder Durchblutungsproblemen bis hin zu Sichtproblemen. Wer schlecht sieht fällt leichter über ein Hindernis – und zieht sich nicht selten Knochenbrüche oder andere Verletzungen zu, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigen, dass Stürze zu den häufigsten Unfallursachen in Deutschland zählen. Nahezu jeder dritte Unfall ist demnach ein Sturz; mit steigendem Alter nimmt das Sturzrisiko zu. So ist in der Gruppe der über 60jährigen bereits mehr als jeder zweite Unfall durch einen Sturz bedingt. Stürze verursachen auch einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden. Jedes Jahr werden immerhin 6,2 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland wegen eines Sturzes arbeitsunfähig geschrieben.

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demografie , Alter , Sturzprävention , Sturzprophylaxe , Oberschenkelhalsbruch
 

Weitere Nachrichten zum Thema Stürze

| Regelmäßige Tai-Chi-Übungen können bei älteren Menschen das Risiko für Stürze signifikant reduzieren. Das haben Forscher aus Taiwan nun in einer Vergleichsstudie gezeigt und damit frühere Untersuchungen bestätigt.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Laut ARD-Deutschland-Trend wollen in der Corona-Krise doppelt so viele Deutsche während ihres Sommerurlaubs im Inland verrreisen wie im Ausland. Aber anders als Italien, Spanien oder Griechenland ist vor allem Süddeutschland mit der beliebten Alpenregion ein FSME-Risikogebiet. Jetzt sich schnell noch impfen lassen – geht das?
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.