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Ernährung und Gesundheit: Vieles ist noch unbewiesen

Wie eine optimale Ernährung für ein langes und gesundes Leben aussehen sollte, ist längst nicht geklärt. Das wurde auf dem Demografiekongress in Berlin deutlich. Doch eine Erkenntnis zeichnet sich immer deutlicher ab: Eine stark pflanzlich basierte Kost ist tierischen Lebensmitteln vorzuziehen – aus verschiedenen Gründen.
gesunde Ernährung

Was macht eine gesunde Ernährung aus? Darüber wurde auf dem diesjährigen Demografiekongress diskutiert.

Fragen der Ernährung werden oft besonders nachdrücklich, nicht selten aggressiv diskutiert. Die „richtige“ Ernährung wird dabei mittlerweile von vielen Menschen als eine Art Allheilmittel für verschiedenste Erkrankungen betrachtet. Dabei sind gerade hier viele Fragen noch offen, wie Experten auf dem diesjährigen Demografiekongress erklärten. Auch werde den individuellen Bedürfnissen oft nicht genug Beachtung geschenkt. Dennoch gibt es einige allgemeine Regeln, die als mehr oder weniger „gefestigt“ gelten. Und die neuere Forschung zeigt in eine klare Richtung: Eine Ernährung, die pflanzlichen Lebensmitteln vor tierischen den Vorzug gibt, hat viele gesundheitliche Vorteile.

Mehr Ballaststoffe, weniger Zucker – darin ist man sich einig

Als nahezu unbestritten gelten heute nur einige wenige Grundregeln, erklärte Prof. Dr. Tilman Grune vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke (DifE). Dazu gehöre, dass wir mehr Ballaststoffe und weniger Zucker zu uns nehmen sollten. Insbesondere den Ballaststoffen komme einigen Studien zufolge eine große Bedeutung bei der Prävention verschiedener Erkrankungen zu. Zudem sollte eine gesunde Ernährung abwechslungsreich und energiebewusst sein.

Geändert hat sich in den vergangenen Jahren die Einschätzung des gesundheitlichen Wertes von Fetten. Während früher eine fettarme Kost als gesundheitsfördernd angesehen wurde, werden Fette heute positiver gesehen. Allerdings wird dabei den ungesättigten Fettsäuren der klare Vorzug vor den gesättigten gegeben. Gleichzeitig wird häufiger dazu geraten, Kohlehydrate einzusparen.

Als problematisch bezeichnete Grune bestimmte Ernährungstrends wie den zur glutenarmen Ernährung. Diese liefere in der Regel zu wenig Ballaststoffe. Es gebe auch schon erste Hinweise darauf, dass sie die Sterblichkeit aufgrund von Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhe.

 

Ernährung längst nicht nur eine Frage der Gesundheit

Ob eine gesunde Ernährung überwiegend oder sogar ausschließlich auf pflanzlicher Basis beruhen sollte, darin waren sich die Experten auf dem Demografiekongress nicht ganz einig. Obwohl nach Angaben von Grune neue Untersuchungen des DifE zum Beispiel die krebsfördernde Wirkung von Fleischkonsum nicht bestätigen konnten, erweise sich eine Ernährung, die auf pflanzlichen Proteinen beruhe, immer mehr als positiv für die Gesundheit insgesamt.

Insbesondere die Frage des Fleischkonsums könne heute zudem nicht mehr unabhängig von ethischen und ökologischen Fragen diskutiert werden, betonte Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung für Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus in Berlin. Die Frage „Wie können wir uns ernähren, ohne unseren Planeten zu zerstören“ werde dabei immer dringlicher werden.

Ernährung doch wichtiger als Bewegung?

Auch wie hoch der Stellenwert der Ernährung für unsere Gesundheit und unsere Lebensdauer überhaupt ist, wird in Expertenkreisen heiß diskutiert. Den größten Einfluss habe die Ernährung vermutlich auf Diabetes mellitus, erklärte Michalsen. Aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen ließen sich durch eine entsprechende Ernährung beeinflussen – zum Teil so stark, dass auf Medikamente verzichtet werden könne.

Bei der Abwägung, ob Bewegung oder Ernährung die Gesundheit stärker beeinflusst, gebe es vielleicht einen Paradigmenwechsel, so der Experte für Naturheilkunde. Möglichweise, so Michalsen, sei die Ernährung für die Gesundheit wichtiger als Bewegung – allerdings sei die Studienlage hierzu noch nicht ganz eindeutig. Und Grune ergänzte: „Der gesundheitliche Effekt von Bewegung stellt sich schon auf einem sehr viel niedrigeren Niveau ein als viele denken. Eine moderate Bewegung reicht dafür aus. Dafür muss man nicht besonders sportlich sein.“

Foto: © Julián Rovagnati - Fotolia.com

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