. Rolle der ACE-Rezeptoren

COVID-19: Asthmapatienten doch keine Risikogruppe?

Anders als bislang vermutet, scheinen Asthma-Patienten doch nicht besonders durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 bedroht zu sein. Eine neue Studie kommt sogar zu dem Ergebnis, dass sie vor einem schweren COVID-19-Verlauf besser geschützt sein könnten.
Asthma-Patienten, Asthma, Kortison, SARS-CoV-2, COVID-19

Asthma-Patienten können etwas beruhigter sein: Offenbar sind sie vom neuen Coronavirus nicht stärker bedroht als andere.

Als sich SARS-CoV-2 zu verbreiten begann, hatte viele Asthma-Patienten Sorge, schwer an dem neuen Coronavirus zu erkranken. Insbesondere vor der Behandlung mit Kortison wurde gewarnt, auch von ausgewiesenen Virologen. Doch neuere Daten geben Entwarnung. Nun kamen Forscher sogar zu einem erstaunlichen Ergebnis. Demnach könnten Asthma-Patienten, die mit inhalativen Kortisonpräparaten behandelt werden, sogar von einem schweren Verlauf von COVID-19 besser geschützt sein. Der vermutete Grund: Menschen, die an Asthma leiden und kortisonhaltige Mittel inhalieren, weisen weniger ACE-Rezeptoren auf. Diese wiederum gelten als Angriffspunkt für SARS-CoV-2.

Weniger Andockstellen für SARS-CoV-2

In einer Zuschrift an das „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ hatten Forscher berichtet, dass Asthma-Patienten, die gleichzeitig unter Allergien litten, weniger anfällig für COVID-19 seine. Ein weiteres Forscherteam konnte in einer Studie zeigen, dass Patienten, die ihr Asthma mit inhalativen Kortisonpräparaten behandelten, weniger ACE-Rezeptoren aufwiesen. Die Ergebnisse wurde in Fachjournal „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ veröffentlicht.

Bereits während der SARS-Pandemie im Jahr 2003 wurde das Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE2) als Andockstelle der damals kursierenden Coronaviren identifiziert. Ebenso wie dieses dockt SARS-CoV-2 an ACE2 ein, schleust seine Erbsubstanz ein und unterwirft den Zellstoffwechsel der Virenproduktion.

 

Männer scheinen anfälliger für schweren COVID-19-Verlauf zu sein

In beiden Studien zeigten sich Asthma-Patienten, die gleichzeitig unter Allergien litten und Kortison zu sich nahmen, als besser geschützt gegen das neue Coronavirus. Interessanterweise fanden sich in den Studien aber auch Untergruppen, die besonders anfällig für eine Erkrankung waren. Sie wiesen spezifische Merkmale auf wie männliches Geschlecht, afrikanische Abstammung, Diabetes oder Bluthochdruck – Faktoren, die auch mit höheren ACE2-Werten einhergingen. Das könnte auch bisherige Erkenntnisse aus der Praxis erklären, nach denen eben diese Merkmale mit schweren COVID-19-Erkrankungen assoziiert sind.  

Asthma-Medikamente müssen nicht abgesetzt werden

Unerwartet war der gefundene Zusammenhang zwischen niedrigen Rezeptorspiegeln und dem Inhalieren von Kortisonsprays. „Unsere Ergebnisse beweisen zwar nicht, dass inhalative Kortikosteroide vor einer SARS-CoV-2-Infektion schützen, aber möglicherweise vor schweren Verläufen der Erkrankung“, so Michael Peters von der University of California in San Francisco, Autor der zweiten Studie.

Auch epidemiologische Studien in China und in Europa deuteten darauf hin, dass Asthmatiker wegen COVID-19 relativ selten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Ob sich daraus auch neue Therapieoptionen ergeben könnten, wird nun diskutiert. Zumindest gibt es jedoch offenbar keinen Grund dafür, aus Angst vor einer Corona-Infektion Asthma-Medikamente abzusetzen.

Foto: Adobe.stock / Pixel-Shot

Autor: anvo
Hauptkategorien: Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Allergie , Coronavirus , Kortison , Asthma
 

Weitere Nachrichten zum Thema COVID-19

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer mehrere Sprachen spricht, kann die Entstehung einer Demenz hinauszögern – das haben Studien bereits gezeigt. Nun haben Forscher nachgewiesen, dass auch das Erlernen einer Sprache im hohen Alter die Plastizität des Gehirns und damit die kognitive Leistungsfähigkeit fördert.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.