Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
10.05.2020

COVID-19: Übergewicht erhöht Risiko für schweren Verlauf

Nicht nur das Alter, auch starkes Übergewicht scheint ein wichtiger Risikofaktor für einen schweren Verlauf von Covid-19 zu sein. Das zeigen neuere Studien. Demnach könnte es sich sogar um den „gewichtigsten“ Faktor handeln.
Übergewicht, Adipositas, Covid-19

Starkes Übergewicht scheint der größte Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf zu sein

Höheres Alter, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes galten bisher als wichtigste Risikofaktoren für eine COVID-19-Erkrankung beziehungsweise einen schweren Verlauf derselben. Nun mehren sich aber die Hinweise auf einen anderen, offenbar besonders ausschlaggebenden Faktor: Übergewicht. Eine in New York durchgeführte Fallstudie konnte zeigen, dass jüngere Patienten, die einen schweren Krankheitsverlauf hatten, fast ausschließlich starkes Übergewicht aufwiesen.

Großteil der Intensivpatienten übergewichtig

Die Studie der Forscher um Christopher Petrilli bestätigt damit frühere Beobachtungen. So konnten französische Forscher zeigen, dass drei Viertel der COVID-19-Intensivpatienten stark übergewichtig waren. Und im chinesischen Wuhan kamen Forscher sogar zu dem Ergebnis, dass 88 Prozent der COVID-19-Todesopfer Übergewicht oder sogar Adipositas aufwiesen.

Eine Erklärung für diesen Zusammenhang gibt es auch. Schon länger ist bekannt, dass ein hoher Körperfettanteil die Immunreaktion des Körpers beeinflusst und das Risiko für Lungenentzündungen fördern kann. Denn vor allem das Fettgewebe im Bauchraum setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei. Außerdem kann das Bauchfett die Atemtätigkeit der Lunge stören.

 

Fettzellen könnten Andockstellen für SARS-CoV-2 sein

Doch nicht nur das: Forscher um Xiaodong Jia vom Generalkrankenhaus Peking fanden erste Belege dafür, dass Fettgewebe dem Coronavirus potenzielle Andockstellen bietet. Offenbar kommen die ACE2-Rezeptoren, die das Virus zum Befall der Zellen benötigt, auch auf Fettzellen und deren Vorläuferzellen vor. „Die ACE2-Expression war im Fettgewebe höher als im Lungengewebe“, berichten die Wissenschaftler. Und weil Menschen mit starkem Übergewicht und Adipositas mehr Fettgewebe besitzen, könnte sie dadurch anfälliger für das Virus sein.

Forscher: Übergewicht wahrscheinlich größter Risikofaktor

Die Autoren der New Yorker Studie nehmen an, dass starkes Übergewicht sogar einen stärkeren Einfluss auf den Verlauf von COVID-19 hat als Vorerkrankungen wie Asthma oder COPD. In der Studie heißt es: „Die chronische Erkrankung, die am stärksten mit einer schweren COVID-Infektion im Zusammenhang steht, ist Adipositas – und zwar in einem substanziell höheren Risikoverhältnis als jede Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankung.“

Dennoch ist nicht jeder Übergewichtige besonders gefährdet, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und einen schweren COVID-19-Verlauf zu haben. Zudem ist die genaue Rolle des Körperfetts für den Verlauf der Infektion noch nicht entschlüsselt. Dennoch ist es für Menschen mit Übergewicht oder Adipositas ratsam, in diesen Zeiten besonders vorsichtig zu sein. Und abzunehmen lohnt sich auf jeden Fall.

Foto: Adobe.stock / sunabesyou

Autor:
Hauptkategorien: Medizin , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Übergewicht
 

Weitere Nachrichten zum Thema Übergewicht

05.07.2019

Intervallfasten werden viele positive gesundheitliche Effekte nachgesagt. Jetzt haben Forscher vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung einen weiteren Mechanismus entdeckt. Demnach soll das intermittierendes Fasten vor Diabetes Typ 2 schützen, weil Fett in der Bauchspeicheldrüse abgebaut wird.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin