Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
27.06.2019

Binge Eating: Neuer Therapieansatz gegen Essanfälle

Die Binge Eating-Störung ist weit verbreitet, dennoch kennen viele Menschen sie nicht. Eine Studie konnte nun zeigen, dass Patienten, die unter den Essanfällen leiden, durch ein spezielles Expositionstraining geholfen werden kann.
Binge Eating, Essanfälle

Die Binge Eating-Störung stellt die häufigste Essstörung in der Allgemeinbevölkerung dar

Die Binge Eating-Störung ist eine Essstörung, die erst seit einigen Jahren offiziell als Erkrankung anerkannt ist. Betroffene leiden unter regelmäßigen Essanfällen und in der Folge häufig unter Übergewicht und Adipositas. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die weltweite Zunahme der Adipositasprävalenz als eines der vordringlichen Gesundheitsprobleme identifiziert. Nun konnten Forscher Erfolge eines neuen Therapieansatzes, das ein Expositionstraining enthält, nachweisen. Die Vergleichsstudie IMPULS, die in der Fachzeitschrift „Psychotherapy and Psychosomatics“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass das Training auch drei Monate später noch zur besseren Selbstkontrolle in Bezug auf die Essanfälle führt.

Patienten werden mit ihrem Verlangen nach Essen konfrontiert

In der Therapiestudie unter Leitung von Dr. Kathrin Schag von der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Tübingen wurden Patienten mit Binge Eating-Störung behandelt. In acht 90-minütigen Sitzungen wurde zum einen ihre Selbstkontrollfähigkeiten gestärkt, zum anderen übten die Studienteilnehmer in sogenannten Expositionssitzungen, sich besonders schmackhafte Nahrungsmittel vorzusetzen, gleichzeitig aber dem Drang zu essen zu wiederstehen.

Dabei durften die Teilnehmer die Nahrungsmittel und Gerichte mitbringen, die bei ihnen am ehesten Essanfälle auslösen. Unter psychologischer Anleitung konfrontierten sich die Teilnehmer mit dem Verlangen zu essen und lernten, dieses zu beherrschen. Diese Erfahrung, das Essverhalten steuern zu können und zu erleben, wie sich das Verlangen während der Gruppensitzung verminderte, führte nach Angaben der Studienautoren zu einem Erfolgserlebnis und der Erkenntnis „Ich kann das“.

 

Reduzierung der Essanfälle erfolgreich

Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, in der die Studienteilnehmer nicht an dem speziellen Gruppenprogramm teilnahmen, zeigte sich, dass zunächst beide Gruppen ihre Essanfälle und weitere Essstörungssymptome reduzieren konnten. Allerdings hielt der Erfolg in der Behandlungsgruppe über drei Monate an und verstärkte sich weiter, während die Kontrollgruppe bezüglich der Essanfälle wieder auf das Ausgangsniveau zurückging.

Die vorläufige Verbesserung in der Kontrollgruppe wurde dahingehend interpretiert, dass das wöchentliche Ausfüllen von Selbstbeobachtungsprotokollen, ein klassisch verhaltenstherapeutisches Instrument, zu einer erhöhten Selbstachtsamkeit führte, die nach der Behandlungszeit allerdings schnell wieder zurückging. Die Forscher hoffen, mit ihrer Studie einen wichtigen Ansatz für die Behandlung von Essstörungen und Adipositas gefunden zu haben.

Foto: © lassedesignen - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Übergewicht , Essstörungen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Essstörungen

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.

Der Corona-Lockdown bremst uns bei sportlichen Aktivitäten aus und verändert unsere Ernährungsgewohnheiten. Das zeigt eine Umfrage unter Studenten in Bayern. Fast jeder Dritte aß mehr als in der Vor-Corona-Zeit – und viele aßen mehr „Ungesundes“. Die Zahl der Schritte, die man pro Tag geht, sank um eine Zahl in vierstelliger Größe.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin