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22.12.2017

Neues Programm zur Früherkennung von Essstörungen bei Jugendlichen

Ist das Kind deutlich zu dick? Oder viel zu dünn? Immer mehr Jugendliche leiden an Essstörungen, wie Magersucht, Bulimie oder Binge Eating (Esssucht). Die AOK Nordost setzt nun auf die Früherkennung von Essstörungen.
Krankenkasse setzt auf Früherkennung von Essstörungen

Zwanghaftes Wiegen oder gesunde Gewichtskontrolle? Bei der Beurteilung können Eltern Hilfe bekommen.

Immer häufiger treten Essstörungen bei Jugendlichen nach den Beobachtungen der Krankenkasse für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf. Von 2010 bis 2016 stieg die Zahl der Diagnosen von sogenannten psychogenen Essstörungen bei Versicherten zwischen sechs und 24 Jahren demnach um fast ein Drittel auf 1800 Betroffene. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (GeWINO) der AOK Nordost. Unter den 1800 Betroffenen befanden sich den Angaben zufolge mehr als 1000 Kinder und Jugendliche, die nicht älter als 17 Jahre waren.

„Es ist Tatsache, dass sich schon Achtjährige nach Mahlzeiten zum Erbrechen bringen oder sich beim Anblick ihres abgemagerten Körpers im Spiegel zu dick finden. Es gibt auch Kinder, die ihre Ängste und Sorgen buchstäblich in sich hinein fressen. Und ihre Zahl nimmt rasant zu. Diesem Trend wollen wir gezielt entgegensteuern“, sagt Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost.

Früherkennung von Essstörungen mittels Screening und App

Daher bietet die Krankenkasse nun ein digital unterstütztes Vorsorgeprogramm zur Früherkennung von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen an. Es startet ab Januar in Berlin und wendet sich vor allem an die Eltern betroffener Kinder und Jugendlicher oder an andere ihnen nahestehende Personen. Kinder- und Jugendärzte, die Beratungsstelle Dick & Dünn und das Berliner Startup Jourvie arbeiten dabei mit der Krankenkasse zusammen.

Das Früherkennungs-Programm setzt auf mehrere Elemente. Zum einen wird im erweiterten Vorsorgeprogramm der Krankenkasse (AOK Junior) ein Screening auf Essstörungen eingeführt. Wenn der Arzt dabei Hinweise auf eine drohende Essstörung findet, können Eltern eine speziell entwickelte App einsetzen. Die App Elamie soll ihnen helfen, Auffälligkeiten im Verhalten ihrer Kinder zu erkennen.

 

Kinderärzte finden frühes Handeln bei Essstörungen sehr wichtig

Stellt der Arzt im Austausch mit den Eltern eine konkrete Gefährdung fest, empfiehlt er den Eltern eine Beratung durch die spezialisierten Psychologen und Sozialpädagogen des Vereins Dick & Dünn. Die Kosten für diese Beratung übernimmt die AOK Nordost im Rahmen des Vorsorgeprogrammes.

Der Berufsverband des Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Berlin, der an dem Programm mitwirkt, begrüßt diese Möglichkeit der Früherkennung. „In dem Programm bekommen wir schon früh Hinweise auf ein riskantes Essverhalten bei Kindern und Jugendlichen und können entsprechend handeln“, so die Berliner Kinderärztin Dr. Sigrid Peter, Vizepräsidentin des BVKJ. „Wenn der Arzt erst einmal die gesicherte Diagnose Essstörung stellen muss, haben Eltern und Kinder einen sehr langen und harten Weg mit ungewissem Ausgang vor sich“, so Peter weiter.

Foto: bobo – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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