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26.03.2017

Zu wenig psychologische Hilfe für syrische Kriegskinder

Millionen syrischer Kinder leben unter ständiger Angst, müssen Gewalt erdulden oder erleben mit, wie Angehörige getötet werden. Viele von ihnen leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Gleichzeitig gibt es viel zu wenig psychologische Hilfe in der Krisenregion.
Krieg in Syrien

Viele Kinder in Syrien leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen

Sechs Jahre dauert der Krieg in Syrien nun schon an, und die psychische Belastung ist riesig. Ständige Bombardierungen und Beschüsse bilden dabei den Hauptstressfaktor. Insbesondere für Kinder ist die Situation unerträglich - immer öfter werden sie Zeugen oder Opfer direkter Gewalt; nicht selten werden sie sogar selbst für den Kriegsdienst rekrutiert. All das führt zu psychosomatischen Symptomen, die typisch sind für posttraumatische Belastungsstörungen. Gleichzeitig ist die psychologische Versorgung in Syrien mehr als mangelhaft: In manchen Regionen kommt auf eine Million Menschen nur ein ausgebildeter Psychologe. Das hat eine Studie der Kinderrechtsorganisation Save the Children ergeben, mit der die psychischen Auswirkungen des Krieges in Syrien untersucht wurden.

Viele syrische Kinder leiden unter Sprachstörungen

Für die Studie „Unsichtbare Wunden. Was sechs Jahre Krieg in der Psyche der syrischen Kinder anrichten“ befragte Save the Children zwischen Dezember 2016 und Februar 2017 mehr als 450 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Syrien zu ihrer Situation. Wie sich zeigte, reagieren viele Kinder auf den andauernden Stress mit großer Angst und gesteigerter Aggressivität. Viele Kinder leiden zudem unter psychosomatischen Sprachstörungen oder sprechen gar nicht mehr. Probleme wie Bettnässen oder unbeabsichtigtes Wasserlassen, die Symptome von posttraumatischen Belastungsstörungen sein können, treten gehäuft auf.

Etwa 50 Prozent der befragten Kinder erklärte, dass sie sich in der Schule selten oder nie sicher fühlen. 40 Prozent gaben an, beim Spielen vor ihrem Haus Angst zu haben. Aber die Folgen des Krieges reichen noch viel weiter. Da viele Schulen nicht mehr existieren und der ökonomische Druck wächst, müssen viele Kinder arbeiten gehen oder werden zwangsverheiratet. Das Risiko für Ausbeutung und Gewalt ist für sie seit Beginn des Krieges stark gestiegen.

 

Zu wenig Psychologen und Ärzte in Syrien

Um den Folgen dieser Entwicklungen entgegenzuwirken, ist psychologische Hilfe für die betroffenen Kinder dringend nötig. Doch da viele Ärzte aus Syrien geflohen sind und humanitäre Helfer oft nur sehr schwer oder gar nicht in die betroffenen Gebiete gelangen, erhalten die meisten Kinder nicht die notwendige Unterstützung – mit dramatischen Folgen. Denn die Erlebnisse lösen bei den Betroffenen chronischen Stress aus, was – wie man heute weiß – die Entwicklung des Gehirns und anderer Organe nachhaltig stört und das Risiko für spätere Herzerkrankungen, Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie psychische Erkrankungen steigert. „Kinder in Syrien haben Schreckliches erlebt und mussten zum Teil mit ansehen, wie ihre Eltern getötet wurden, bekommen aber nicht die nötige Hilfe, um ihre Traumata zu verarbeiten“, kommentiert Marcia Brophy, Spezialistin für psychische Gesundheit von Save the Children im Nahen Osten, die Situation.

Auch das UN-Kinderhilfswerk UNICEF macht auf die dramatische Situation syrischer Kinder aufmerksam. Das Jahr 2016 sei seit dem Ausbruch des Krieges das bislang schlimmste Jahr für die Kinder gewesen, heißt es in einem Bericht der Organisation. So hätten Tötung, Verstümmelung und Rekrutierung von Kindern drastisch zugenommen. Häufig müssen Kindern an der Front kämpfen, als Gefangenenaufseher arbeiten oder werden als Selbstmordattentäter in den Tod geschickt. Insgesamt 2500 Fälle von Gewalt oder schweren Kinderrechtsverstößen hat UNICEF dokumentiert – und die Dunkelziffer liegt noch weit höher.

Foto: © Roman Bodnarchuk - Fotolia.com

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Hauptkategorie: Medizin
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