Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
18.08.2020

Wegen Corona-Pandemie: Patienten schieben Früherkennung und Check-ups auf

Schlechte Nachrichten für die Gesundheitsversorgung in Deutschland: Aufgrund der Corona-Pandemie haben 11 Prozent der Patienten eine notwendige Krebsvorsorgeuntersuchung, 16 Prozent einen Gesundheits-Check-up und 22 Prozent einen Zahnarzttermin aufgeschoben. Langsam scheint sich die Situation allerdings wieder zu verbessern.
Corona, Vorsorge, Check-ups

Auch während der Corona-Pandemie muss Patienten der Zugang zu Ärzten und wichtigen Untersuchungen ermöglicht werden

Die COVID-19-Pandemie beeinflusst die medizinische Versorgung anderer Erkrankungen sowie die Bereitschaft der Patienten, wichtige Vorsorge-Untersuchungen wahrzunehmen. Das ist eines der Ergebnisse der aktuellen Befragung des COVID-19 Snapshot Monitorings (COSMO) der Universität Erfurt, an dem auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als Partnerin beteiligt ist.

Der Umfrage zufolge haben viele Menschen aus Sorge vor einer Ansteckung mit SARS-CoV2 Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, Gesundheits-Check-Ups und Zahnarztbesuche aufgeschoben. Für das Monitoring werden in regelmäßigen Abständen jeweils rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger repräsentativ zu ihren Wahrnehmungen, Einstellungen, ihrem Wissen und Verhalten zu COVID-19 befragt.

Früherkennung kann Leben retten

„Die COSMO-Daten zeigen, dass Menschen wegen der Corona-Situation weniger Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen“, erklärt Prof. Dr. med. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA.  „Diese Untersuchungen können jedoch helfen, eine Erkrankung frühzeitig zu entdecken.“

So diene der Gesundheits-Check-up ab 35 Jahren der Früherkennung insbesondere von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel von Bluthochdruck, von Diabetes und Nierenerkrankungen. „Früh diagnostiziert, haben auch Krebserkrankungen eine deutlich bessere Prognose“, so Thaiss. „Deshalb sollten Früherkennungsuntersuchungen auch in Zeiten der Pandemie konsequent wahrgenommen werden.“

 

Situation verbessert sich langsam

Seit März 2020 haben 22 Prozent der Befragten den Besuch beim Zahnarzt und 16 Prozent den Gesundheits-Check-Up aufgeschoben. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Vorsorge- oder Kontrolltermine.

11 Prozent der Befragten gaben an, eine Krebsfrüherkennung aufgrund der Angst vor Ansteckung aufgeschoben zu haben. Vor allem Teilnehmer im Alter zwischen 30 bis 49 Jahren neigten dazu, Vorsorge-Untersuchungen zu verschieben.

Für die Initiatoren der Umfrage ist klar: Die Corona-Pandemie beeinflusst die medizinische Versorgung und Vorsorge. Eine gute Nachrichte gibt es dennoch, denn im Vergleich zu Anfang April hat sich aus Sicht der Befragten die Möglichkeit für Arztbesuche wieder erhöht.

Risiken gegeneinander abwägen

Für problematisch halten die Experten, dass die fehlende Vorsorge aufgrund der Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus das Risiko für andere, negative gesundheitliche Entwicklungen erhöht. Hier könnte es helfen, Ansteckungsrisiken während der Vorsorgeuntersuchung mit den Risiken nicht entdeckter anderer Erkrankungen gegeneinander abzuwägen, so die Autoren.

Foto: Adobe Stock / Maksim Toome

Autor: anvo
Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Medizinische Versorgung während der Coronakrise

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Long-Covid stellt Ärzte vor ein Rätsel. Wegen der enormen Krankheitslast –- etwa jeder zehnte Covid-Patient ist betroffen – wird immerhin intensiv daran geforscht. Was Ärzte inzwischen über das komplexe Krankheitsbild wissen, hat Gesundheitsstadt Berlin Experten gefragt. Eine Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse.

Patienten mit Immunerkrankungen: Bildet ihr Immunsystem nach einer Corona-Impfung überhaupt genügend Antikörper? Und falls nein: Was kann man tun? Diese Fragen haben Wissenschaftler des „Deutschen Zentrums Immuntherapie“ untersucht. Ein überraschendes Ergebnis: Viele Immunkranke vertragen die Impfung offenbar besser als mancher Gesunde.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin