Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
13.05.2020

Krebs und Corona: Strahlentherapie nach Möglichkeit nicht verschieben

Eine Strahlentherapie sollte nach Möglichkeit auch während der COVID-19-Pandemie nicht aufgeschoben oder unterbrochen werden. Darauf weisen Fachgesellschaften in einer aktuellen Stellungnahme hin.
Covid-19, Corona-Pandemie, Coronavirus, Krebs, Strahlentherapie

Die Corona-Pandemie bedeutet für Krebspatienten einen zusätzliche Versunsicherung

Die Corona-Pandemie wird noch lange anhalten – darin sind sich die Experten einig. Doch was bedeutet das beispielsweise für Krebspatienten? Können Sie ihre Therapien fortsetzen? Experten weisen darauf hin, dass diese Frage nicht pauschal beantwortet werden kann. Vielmehr kommt es auf unterschiedliche Faktoren an, wie die Gefahr durch die Krebserkrankung selbst, die Art des Tumors, aber auch das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf, beispielsweise weil weitere Vorerkrankungen bestehen.

Bei der Chemotherapie ist zudem zu beachten, wie stark immunsuppressiv das Zytostatikum wirkt, denn hier gibt es durchaus große Unterschiede. Bei einer anstehenden Strahlentherapie kommt es vor allem auf die Stärke an. Denn eine umfangreiche Bestrahlung, die sich auch auf das blutbildende Knochenmark erstreckt, kann ebenfalls die körpereigene Abwehr schwächen und somit unter Umständen das Risiko für eine schwere Corona-Infektion erhöhen. Dennoch raten Fachgesellschaften nun dazu, eine Strahlentherapie nicht vorzeitig abzusetzen.

Kurative Therapien möglichst nicht unterbrechen

Bei Erkrankungen wie Brustkrebs setzen Ärzte die Strahlentherapie oft in heilender Absicht ein – man spricht dann von einer sogenannten kurativen Therapie. Diese Behandlungen sollten auch während der Corona-Pandemie möglichst ohne Unterbrechung und komplett durchgeführt werden. Darauf weisen die Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie (ARO) und die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) in einer aktuellen Stellungnahme hin – auch in Übereinstimmung mit Notfallkonzepten der Strahlenschutzkommission.

Patienten sollten „nicht das Kind mit dem Bade ausschütten“, erklärt Professor Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der DEGRO. „Bei allem Verständnis für die Sorge vor Ansteckung muss eine kühle Risikoabwägung zusammen mit dem behandelnden Radioonkologen erfolgen. Die onkologische Versorgung hat eine hohe Priorität und zählt prinzipiell nicht zu den elektiven Eingriffen. Eine auf Heilung ausgerichtete onkologische Therapie lässt sich bis auf wenige Ausnahmen nicht um mehrere Wochen oder gar Monate verschieben“, so die Expertin.

 

Strahlentherapie trotz Corona-Infektion möglich

Dennoch kann überlegt werden, ob das Therapieregime umgestellt und andere Behandlungen vor einer Strahlentherapie zeitlich vorgezogen werden können. Auch eine andere Fraktionierung ist denkbar, also die Möglichkeit, weniger Sitzungen mit höheren Dosen durchzuführen. Kommen diese Alternativen nicht in Frage, rät die DEGRO dazu, die Strahlentherapie zwar weiter fortzusetzen, aber erhöhte Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Auch wenn ein Patient positiv auf das Coronavirus getestet wurde, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Therapie sofort abgebrochen werden muss, so die DEGRO. Risiko und Nutzen müssten dann patientenindividuell abgewogen werden. Fragen, die in die Risikobewertung eingehen, sind, ob der Patient Covid-19-Symptome hat, wie lange er schon infiziert ist oder ob er am Anfang oder Ende der Strahlentherapie steht – oder ob die Krebstherapie das Ziel der Heilung oder Symptomlinderung verfolgt.

Covid- und Tumorpatienten nicht gegeneinander ausspielen

„Die notwendige Behandlung von Tumorpatienten sollte auch in den schweren Zeiten der Covid-19-Pandemie solange wie möglich aufrechterhalten werden“, erklärt DEGRO-Präsident Professor Rainer Fietkau. Dabei stünden der Schutz des Patienten sowie der Mitarbeiter vor Ansteckung im Vordergrund. Ressourcensparendes Vorgehen sei angezeigt, damit die freigesetzten Kräfte zur Behandlung von COVID-19-Patienten zur Verfügung stehen. Fietkau betont: „Die lebensnotwendige Behandlung von COVID- und Tumorpatienten sollte nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

Foto: Pixabay

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Strahlentherapie , Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Corona-Pandemie

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Nikotin ist eine psychotrope Substanz und macht abhängig. Der Organismus wird aber nicht vom Nikotin, sondern von anderen Schadstoffen im Zigarettenrauch geschädigt. Mediziner sehen darin ein gefährliches Gemisch und fordern eine neue Bewertung von verbrennungsfreien Alternativen.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin