. Krebstherapie

Krebs und Corona: Strahlentherapie nach Möglichkeit nicht verschieben

Eine Strahlentherapie sollte nach Möglichkeit auch während der COVID-19-Pandemie nicht aufgeschoben oder unterbrochen werden. Darauf weisen Fachgesellschaften in einer aktuellen Stellungnahme hin.
Covid-19, Corona-Pandemie, Coronavirus, Krebs, Strahlentherapie

Die Corona-Pandemie bedeutet für Krebspatienten einen zusätzliche Versunsicherung

Die Corona-Pandemie wird noch lange anhalten – darin sind sich die Experten einig. Doch was bedeutet das beispielsweise für Krebspatienten? Können Sie ihre Therapien fortsetzen? Experten weisen darauf hin, dass diese Frage nicht pauschal beantwortet werden kann. Vielmehr kommt es auf unterschiedliche Faktoren an, wie die Gefahr durch die Krebserkrankung selbst, die Art des Tumors, aber auch das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf, beispielsweise weil weitere Vorerkrankungen bestehen.

Bei der Chemotherapie ist zudem zu beachten, wie stark immunsuppressiv das Zytostatikum wirkt, denn hier gibt es durchaus große Unterschiede. Bei einer anstehenden Strahlentherapie kommt es vor allem auf die Stärke an. Denn eine umfangreiche Bestrahlung, die sich auch auf das blutbildende Knochenmark erstreckt, kann ebenfalls die körpereigene Abwehr schwächen und somit unter Umständen das Risiko für eine schwere Corona-Infektion erhöhen. Dennoch raten Fachgesellschaften nun dazu, eine Strahlentherapie nicht vorzeitig abzusetzen.

Kurative Therapien möglichst nicht unterbrechen

Bei Erkrankungen wie Brustkrebs setzen Ärzte die Strahlentherapie oft in heilender Absicht ein – man spricht dann von einer sogenannten kurativen Therapie. Diese Behandlungen sollten auch während der Corona-Pandemie möglichst ohne Unterbrechung und komplett durchgeführt werden. Darauf weisen die Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie (ARO) und die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) in einer aktuellen Stellungnahme hin – auch in Übereinstimmung mit Notfallkonzepten der Strahlenschutzkommission.

Patienten sollten „nicht das Kind mit dem Bade ausschütten“, erklärt Professor Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der DEGRO. „Bei allem Verständnis für die Sorge vor Ansteckung muss eine kühle Risikoabwägung zusammen mit dem behandelnden Radioonkologen erfolgen. Die onkologische Versorgung hat eine hohe Priorität und zählt prinzipiell nicht zu den elektiven Eingriffen. Eine auf Heilung ausgerichtete onkologische Therapie lässt sich bis auf wenige Ausnahmen nicht um mehrere Wochen oder gar Monate verschieben“, so die Expertin.

 

Strahlentherapie trotz Corona-Infektion möglich

Dennoch kann überlegt werden, ob das Therapieregime umgestellt und andere Behandlungen vor einer Strahlentherapie zeitlich vorgezogen werden können. Auch eine andere Fraktionierung ist denkbar, also die Möglichkeit, weniger Sitzungen mit höheren Dosen durchzuführen. Kommen diese Alternativen nicht in Frage, rät die DEGRO dazu, die Strahlentherapie zwar weiter fortzusetzen, aber erhöhte Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Auch wenn ein Patient positiv auf das Coronavirus getestet wurde, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Therapie sofort abgebrochen werden muss, so die DEGRO. Risiko und Nutzen müssten dann patientenindividuell abgewogen werden. Fragen, die in die Risikobewertung eingehen, sind, ob der Patient Covid-19-Symptome hat, wie lange er schon infiziert ist oder ob er am Anfang oder Ende der Strahlentherapie steht – oder ob die Krebstherapie das Ziel der Heilung oder Symptomlinderung verfolgt.

Covid- und Tumorpatienten nicht gegeneinander ausspielen

„Die notwendige Behandlung von Tumorpatienten sollte auch in den schweren Zeiten der Covid-19-Pandemie solange wie möglich aufrechterhalten werden“, erklärt DEGRO-Präsident Professor Rainer Fietkau. Dabei stünden der Schutz des Patienten sowie der Mitarbeiter vor Ansteckung im Vordergrund. Ressourcensparendes Vorgehen sei angezeigt, damit die freigesetzten Kräfte zur Behandlung von COVID-19-Patienten zur Verfügung stehen. Fietkau betont: „Die lebensnotwendige Behandlung von COVID- und Tumorpatienten sollte nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

Foto: Pixabay

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Strahlentherapie , Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Corona-Pandemie

| Viele Krebspatienten sind durch die Corona-Pandemie noch stärker verunsichert als zuvor: Sind sie durch das neue Virus SARS-CoV-2 besonders gefährdet? Und können Chemo- und Strahlentherapie überhaupt noch durchgeführt werden? Experten geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Gäbe es bereits ausgereifte Robotersysteme in Medizin und Pflege, würde das Corona-Infektionsrisiko für Ärzte und Pfleger sinken. Über den Stand der Entwicklung intelligenter Roboterwerkzeuge, den Schub für Digitalisierung und Robotik durch den EU-Aufbaufonds nach der Coronakrise und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei intelligenten und sichereren Assistenzrobotern hat Gesundheitsstadt Berlin mit Prof. Dr. Sami Haddadin, Direktor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence an der TU München, einen Podcast durchgeführt.
Rund 60.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland vorzeitig aufgrund hoher Feinstaubbelastung der Luft. Gegen die Luftverschmutzung auf der Straße kann der Einzelne wenig ausrichten. Gegen Ultrafeinstaub in der Wohnung aber offensichtlich schon. Nach einer Studie des Leibniz-Instituts sind die Luftschadstoffe zu Hause vor allem eines: hausgemacht.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.