. Gehirnentwicklung von Ungeborenen

Schwangerschaft: Entzündungen können Risiko für psychiatrische Erkrankungen erhöhen

Weisen Schwangere eine Erhöhung bestimmter Entzündungsparameter auf, kann dies bei den Ungeborenen zu Veränderungen in der Gehirnentwicklung führen, die später die Entstehung psychiatrischer Erkrankungen begünstigen. Das haben Wissenschaftler der Charité in einer aktuellen Studie gezeigt.
Entzündungen in der Schwangerschaft

Stress und Infektionen in der Schwangerschaft können das Ungeborene beeinträchtigen

Veränderungen der Entzündungsparameter während einer Schwangerschaft können mit einer Infektion in Zusammenhang stehen, aber auch in anderen Situationen auftreten, beispielsweise bei Übergewicht oder psychischem Stress. Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten nun zeigen, dass aufgrund erhöhter Entzündungswerte während der Schwangerschaft Veränderungen im Gehirn des Ungeborenen entstehen können. Diese wiederum können das Risiko der Ausprägung von psychiatrischen Erkrankungen steigern. Die Ergebnisse decken sich mit früheren Erkenntnissen aus Tiermodellen sowie aus epidemiologischen Studien.

Amygdala bei Ungeborenen vergrößert

In Zusammenarbeit mit Kollegen der University of California Irvine untersuchte das Forscherteam um Professor Buß von der Charité knapp 90 schwangere Frauen und ihre Ungeborenen. Zudem wurden die Gehirne der Kinder innerhalb des ersten Monats nach der Geburt während des natürlichen Schlafes mittels Magnetresonanztomographie analysiert. Im Alter von 24 Monaten folgte anhand spielerischer Übungen eine Ermittlung der Impulskontrolle der Kinder.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft erhöhte Entzündungsparameter aufwiesen, eine vergrößerte Amygdala hatten. Das ist eine Region im Gehirn, die bei emotionalen Bewertungen und dem Wiedererkennen von Situationen eine wichtige Rolle spielt. Eine veränderte Vernetzung der Amygdala mit anderen Hirnregionen wurde ebenfalls beobachtet. „Wir haben festgestellt, dass bei erhöhten Interleukin-6-Konzentrationen nicht nur neonatale Veränderungen der Amygdala auftraten. Im weiteren Verlauf hat sich gezeigt, dass diese Veränderungen mit einer geringeren Fähigkeit zur Impulskontrolle der jeweiligen Kinder im Alter von zwei Jahren verbunden waren“, so Buß.

Erhöhte Entzündungswerte mit eingeschränkter Impulskontrolle assoziiert

Die Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass es einen Zusammenhang zwischen erhöhten mütterlichen Entzündungswerten und einem vergrößterten Risiko für psychiatrische Erkrankungen gibt. Insbesondere das Kardinalsymptom dieser Erkrankungen, eine eingeschränkte Impulskontrolle, scheint sich zu häufen, wenn mütterliche Entzündungswerte während der Schwangerschaft erhöht sind. Auch in Tierversuchen konnte gezeigte werden, dass Infektionen und Entzündungen bei trächtigen Tieren zu Veränderungen der Gehirnentwicklung ihrer Nachkommen sowie zu Verhaltensänderungen führen.

Ebenfalls untermauert werden die Ergebnisse von epidemiologischen Studien. Sie weisen darauf hin, dass mütterliche Infektionen und andere klinische Phänotypen, die mit erhöhten Interleukin-6-Konzentrationen einhergehen, wie beispielsweise Übergewicht, das Risiko für psychiatrische Krankheiten wie Schizophrenie und Autismus erhöhen können. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden im Fachmagazin Biological Psychiatry veröffentlicht.

Foto © jovannig - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Stress , Psychische Krankheiten , Schwangerschaft

Weitere Nachrichten zum Thema Schwangerschaft

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.