. Genetik

Psychische Erkrankungen haben gemeinsamen genetischen Ursprung

Mehrere psychische Erkrankungen weisen gemeinsame genetische Risikofaktoren auf. Dies zeigt eine Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht wurde. Demnach spielen bestimmte Gene bei der Entstehung von fünf verschiedenen psychischen Erkrankungen eine Rolle.
Psychische Erkrankungen - genetische Ursachen

Auch bei psychischen Erkrankungen spielen die Gene eine Rolle

Schon länger ist bekannt, dass eine bestimmte genetische Disposition die Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen erhöht. Zwillingsstudien haben nachgewiesen, dass es für fast alle psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Schizophrenie genetische Ursachen gibt. Vor allem affektive und schizophrene Erkrankungen sind psychische Störungen, zu deren Entwicklung genetische Faktoren maßgeblich beitragen.

Eine aktuelle Studie hat nun nachgewiesen, dass fünf häufige psychische Erkrankungen gemeinsame genetische Risikofaktoren aufweisen. In einer groß angelegten Untersuchung fand das Forscherteam um Jordan Smoller vom Massachusetts General Hospital in Boston heraus, dass Depression, Schizophrenie, bipolare Störung, Autismus und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eine gemeinsame genetische Auffälligkeit zeigen, obwohl die Erkrankungen in der Diagnose und Behandlung klar voneinander abgegrenzt sind.

Kalziumkanäle an Entstehung psychischer Erkrankungen beteiligt

Die betreffenden Genmarker befinden sich auf den Chromosomen 3p21 und 10q24. Zwei der Gene sind für einen spannungsabhängigen Kalziumkanal zuständig, der von Hirnzellen gebildet wird. Schon länger wird die Bedeutung der Kalziumkanäle für die Entstehung psychischer Erkrankungen diskutiert. Biologisch ist dies auch plausibel, da Kalzium eine wichtige Signalsubstanz für den Aufbau von Nervenzellen ist.

Die neuen Erkenntnisse können einen wichtigen Schritt für die Entwicklung besserer Behandlungsmethoden psychischer Erkrankungen darstellen. Sie „könnten zur Entwicklung eines neuen Klassifikationssystems für psychiatrische Erkrankungen beitragen, das nicht mehr nur auf klinischen Symptomen basiert, sondern auch biologische Faktoren berücksichtigt“, erklären die Wissenschaftler Allessandro Serreti und Chiara Fabbri von der Universität Bologna in einem Kommentar. Zudem könnte die Studie zur Entwicklung neuer Arzneimittel beitragen.

 

Kein Medikament für alle psychischen Erkrankungen

Dass es allerdings irgendwann ein einziges Medikament für alle psychischen Erkrankungen gibt, erscheint unwahrscheinlich. Auch wenn bestimmte Gene an der Entstehung verschiedener Erkrankungen beteiligt sind, ist es immer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, welche die Krankheit auslösen. So haben Studien gezeigt, dass bei eineiigen Zwillingen nicht einmal bei 50 Prozent der Zwillinge die gleiche psychische Erkrankung entsteht. Und obwohl gerade die Schizophrenie als in besonderem Maße genetisch bestimmt gilt, entwickeln etwa 80 Prozent der schizophrenen Patienten die Krankheit, ohne dass einer ihrer Vorfahren davon betroffen gewesen wäre.

Es gibt also noch viele weitere Faktoren, die an der Entstehung psychischer Erkrankungen beteiligt sind. Neben biologischen Schädigungen haben Umweltfaktoren eine große Bedeutung. Prägungen in der Kindheit, traumatische Erlebnisse, aber auch aktuelle Ereignisse oder Alltagsstress tragen nachweislich zur Entstehung psychischer Erkrankungen bei.

Foto: Alexandr Mitiuc, Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psychische Erkankungen

| Selbstverletzungen, häufig in der Form des sogenannten „Ritzens“, werden vor allem mit jungen Menschen und Borderline-Patienten assoziiert. Doch auch andere Personenkreise sind betroffen. Daher eröffnet das Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) nun den ersten Schwerpunkt in Deutschland speziell für Erwachsene zur Behandlung und Erforschung von selbstverletzendem Verhalten.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Rosacea. Die chronische Hautkrankheit belastet das Privat- wie das Berufsleben der Betroffenen viel stärker als bisher angenommen. Eine weltweite Umfrage unter Ärzten und Patienten bringt jetzt Licht in den Alltag mit Rosacea.
Digitale Innovationen ans Krankenbett bringen: Alexander Meyer vom Deutschen Herzzentrum Berlin ist das gelungen - dank des BIH Digital Health Accelerator-Programms. Am Dienstag ging die „Talentshow“ für digitale Ideen in die zweite Runde.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.