Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
16.04.2020

SARS-CoV2 kann Hirnhautentzündungen hervorrufen

Covid-19, die durch SARS-Cov2 ausgelöste Erkrankung, scheint sich nicht nur auf die Lungen zu beziehen. Auch neurologische Symptome sind möglich, wie neuere Untersuchungen zeigen. Nun konnte bei einem jungen Mann aus Japan eine durch das Coronavirus verursachte Hirnhautentzündung nachgewiesen werden.
Coronavirus, Hirnhautentzündung

Eine Infektion mit SARS-Cov2 kann sich auch in einer Hirnhautentzündung äußern

Neue Untersuchungen zeigen, dass auch neurologische Symptome mögliche Folgen einer Covid-19-Erkrankung sein können. Zu den möglichen Erscheinungen gehören demnach Kopfschmerzen, Schwindel, Geruchs- und Geschmacksstörungen. Bei den schon früher bekannten Coronaviren SARS und MERS konnte gezeigt werden, dass die Viren in das Gehirn eindringen können, insbesondere in den Hirnstamm. Nun erregte ein Fallbeispiel aus Japan Aufsehen, bei dem das Virus SARS-CoV2 bei einem jungen Mann eine Hirnhautentzündung (Meningitis) ausgelöst hat.

Virusinfektionen können Meningitis auslösen

„Wie nach den Erfahrungen bei SARS und MERS zu erwarten war, zeigt diese Kasuistik eindrucksvoll, dass das Nervensystem bei COVID-19-Erkrankungen befallen sein kann, und zwar auch bei sehr jungen Patienten“, erklärt Professor Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Grundsätzlich sind Virusinfektionen als Auslöser einer Hirnhautentzündung nicht selten. Der vorliegende Fallbericht zeigt, dass es auch eine durch SARS-CoV2 ausgelöste Meningitis gibt.

Der betroffene 24-jährige Mann hatte in den ersten acht Tagen seiner Erkrankung wegen Müdigkeit, Kopfschmerz, Übelkeit und Fieber zweimal einen Arzt aufgesucht. Dieser hatte eine Grippe vermutet und ihm ein Influenzamedikament (Laninamivir) und fiebersenkende Medikamente verordnet. Eine Lungenröntgenuntersuchung war unauffällig gewesen.

 

Coronavirus im Nervenwasser vorhanden

Am neunten Tag der Erkrankung wurde der junge Mann von der Familie bewusstlos aufgefunden. Während des Krankentransports kam es zu mehreren epileptischen Anfällen, so dass er intubiert und beatmet werden musste. In der Klinik wurde eine ausgeprägte Nackensteifigkeit diagnostiziert, ein Hauptsymptom der Meningitis.

Die bildgebende Untersuchung mit MRT zeigte den Befund einer Meningoenzephalitis (Hirnhaut- und Hirnentzündung). Zwar war der Nasen-Rachen-Abstrich auf SARS-CoV-2-negativ, im Nervenwasser konnte jedoch spezifische SARS-CoV-2-RNA nachgewiesen werden. Andere Meningitis-auslösende Viren konnten ausgeschlossen werden.

Neuraler Infektionsweg nachgewiesen

„Das Besondere an diesem Fall ist, dass der Virusnachweis im Nervenwasser positiv war, aber nicht im Nasenrachenabstrich. Das weist darauf hin, dass das neuartige Coronavirus sich hier offensichtlich über den neuralen Infektionsweg ausgebreit hat“, so Berlit. In Tierexperimenten konnte der neurale Infektionsweg bei anderen Coronaviren bereits nachgewiesen werden.

„Durch die neue Datenlage verdichten sich die Hinweise, dass Covid-19 kein rein pneumologisches, Krankheitsbild ist“, so Berlit. Auch bei neurologischen Leitsymptomen sollte also an das neue Coronavirus gedacht werden.

Foto: © Adobe Stock/Halfpoint

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Covid-19

12.04.2020

Niesen, Husten, Gliederschmerzen: Bei den unspezifischen Symptomen, die wir von Erkältungen, Infekten oder eine Grippe her kennen, denken viele jetzt gleich an eine Infektion mit dem Coronavirus – obwohl das in den allermeisten Fällen unbegründet ist. Nach den bisherigen Erkenntnissen ist ein Symptom bei Corona aber besonders typisch: Fieber.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.


Wer spät am Abend viel und Schweres isst, schläft schlecht – und umgekehrt. Das ist bekannt. Eine Studie aus den USA an über 400 Frauen zeigt jetzt: Nicht nur der Zeitpunkt des Essens ist entscheidend, sondern auch die grundsätzliche Auswahl. Wer sich also konsequent gesund ernährt, kann dauerhaft leichter ein- und besser durchschlafen.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin