. Tabakkonsum

Rauchverbote: Gesundheit von Nichtrauchern hat sich verbessert

Seit 2008 gelten bundesweit Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden, Gaststätten, Discotheken und Kneipen. Eine Langzeitstudie zeigt nun, dass sich seitdem vor allem die Gesundheit von Nichtrauchern verbessert hat. Besonders junge Menschen haben offenbar von den Rauchverboten profitiert.
Rauchverbote schützen Nichtraucher

Rauchverbote schützen vor allem Nichtraucher

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sterben jedes Jahr rund 600.000 Menschen weltweit an den Folgen des Passivrauchens. Rauchverbote sollen dazu beitragen, Nichtraucher vor diesen Gefahren zu schützen, aber auch die Raucher selbst motivieren, auf den Konsum von Tabak zu verzichten. In Deutschland gelten Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden seit 2008 in allen Bundesländern. Nun haben Forscher in einer Langzeitstudie untersucht, ob sich dies tatsächlich positiv auf die Gesundheit von Rauchern und Nichtrauchern ausgewirkt hat. Die Daten für die Analyse wurden im Rahmen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erhoben und die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Health Economics“ veröffentlicht.

Junge Menschen profitieren von Rauchverboten

Das Ergebnis der Analyse: Durch das Rauchverbot hat sich vor allem die Gesundheit der Passivraucher, also derjenigen Menschen, die mit mindestens einem Raucher in einem Haushalt leben, signifikant verbessert. „Vor allem junge Nichtraucherinnen und Nichtraucher unter 30 Jahren schätzen ihre Gesundheit seit Einführung der Rauchverbote positiver ein als zuvor“, erklärt Daniel Kühnle von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, einer der Studienautoren. Der vermutliche Grund: Junge Männer und Frauen gehen viel aus und tun das seit Einführung des Rauchverbots vorwiegend in qualmfreien Clubs.

Bei jungen Menschen, die rauchten, zeigten sich hingegen nach der Einführung des Rauchverbots keine positiven Gesundheitseffekte. Die rauchenden jungen Männer gaben im Durchschnitt sogar an, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hätte. „Vermutlich führte der zeitweilige Nikotinentzug bei ihnen zu Stress, der sich auf das Gesundheitsempfinden auswirkte“, so Christoph Wunder von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Co-Autor der Studie. Auch bei älteren Menschen waren die positiven Wirkungen der Rauchverbote geringer ausgeprägt; bei Männern und Frauen ab 50 Jahren hatten sie tendenziell keine Effekte mehr auf die Gesundheit. Insgesamt waren die positiven Wirkungen der Rauchverbote bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.

 

Rauchverbote verändern soziale Norm

Um herauszufinden, wie sich das Rauchverbot auf die Gesundheit der Menschen hierzulande ausgewirkt hat, hatten die Ökonomen die Angaben von 28.000 Menschen analysiert, die kurz vor und kurz nach Einführung des Rauchverbots im Rahmen der Langzeitstudie SOEP befragt worden waren. Die Befragten hatten unter anderem auf einer 5-Punkte-Skala angegeben, wie sie ihre Gesundheit selbst einschätzten. Die Antworten auf diese Frage dienten den Forschern als Indikator für den Gesundheitszustand der Befragten.

In einigen Bundesländern wurde das Rauchverbot zunächst eingeführt, ohne dass Bußgelder bei Nichteinhaltung damit verbunden waren. Aber auch in diesen Ländern wurde das Verbot offenbar eingehalten, denn die Autoren der Studie konnten auch hier entsprechende Gesundheitseffekte messen. Daniel Kühnle und Christoph Wunder führen das im Wesentlichen darauf zurück, dass sich durch das Rauchverbot eine soziale Norm durchgesetzt habe, die bereits vorher für viele galt.

Foto: © Jürgen Hüls - Fotolia.com

Autor: red
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sucht , Rauchen , Rauchausstieg
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rauchstopp

| In Schottland ist das Rauchen im Auto, wenn Kinder mitfahren, seit kurzem verboten. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Deutschland fordert ein Rauchverbot im Auto bei Anwesenheit von Kindern.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.