. Knochenbrüche im Alter

Osteoporose-Prävention mehr Beachtung schenken

Osteoporose wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den zehn bedeutendsten Krankheiten unserer Zeit gezählt. Daher ist ihre Prophylaxe besonders wichtig. Dennoch wird der Osteoporose-Prävention nach Meinung von Experten immer noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Osteoporose-Prävention unterschätzt

Kalzium und Vitamin D sind wichtig für die Osteoporose-Prävention

Viele Menschen halten Osteoporose für eine unumgängliche Alterserscheinung, die man nicht allzu ernst nehmen muss. Doch das ist ein Irrtum. Osteoporose zählt zu den Hauptgründen für Immobilität im Alter – nämlich dann, wenn es aufgrund der geringeren Knochendichte schon durch kleine Anlässe zu Knochenbrüchen kommt. Denn nicht selten ist das der Beginn einer Pflegebedürftigkeit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die Osteoporose daher auch zu den zehn bedeutendsten Krankheiten unserer Zeit. Dennoch wird ihrer Prävention zu wenig Beachtung geschenkt. Das haben nun Wissenschaftler um Dr. Vanadin Seifert-Klauss vom Osteoporose-Zentrum des "Klinikums rechts der Isar" der Technischen Universität München betont.

Als die drei wichtigsten Säulen der Osteoporose-Prävention bezeichnen Seifert-Klauss und Kolleginnen sportliche Betätigung, die Überprüfung auf „Knochenräuber“, wie beispielsweise bestimmte Medikamente, sowie eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D. Letztere sollten durch Tabletten substituiert werden, wenn die Ernährung nicht zu einer ausreichenden Aufnahme führt.

Auf „Kalziumräuber“ achten

Eine ausreichende Kalziumzufuhr als Osteoporose-Prophylaxe ist über das ganze Leben hinweg wichtig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 800 Milligramm Kalzium am Tag. Das entspricht zum Beispiel einem Liter Milch oder 100 Gramm Hartkäse. Wer keine Milchprodukte mag oder verträgt, kann auf andere Kalziumlieferanten wie Grünkohl, Broccoli, Spinat, Mandeln, Haselnüsse und Feigen zurückgreifen. Als „Kalziumräuber“ gelten Phosphate, wie sie zum Beispiel in Wurst oder Limonade vorkommen, Koffein, Nikotin, zuviel Salz, Zucker und Nahrungsfette. Ab den Wechseljahren benötigen Frauen besonders viel Kalzium, da der Körper das Mineral aus der Nahrung nicht mehr so gut verwerten kann.

Bestimmte Medikamente können ebenfalls bei der Entwicklung der Osteoporose eine große Rolle spielen. Vor allem Patienten, die regelmäßig Glukokortikoide einnehmen müssen, sind gefährdet. Daher sollten sie ganz besonders darauf achten, weitere schädigende Verhaltensweisen wie falsche Ernährung oder Rauchen zu vermeiden. Auch Schilddrüsenhormone, Antikoagulantien und Antikonvulsiva können zu Störungen bei der Kalziumverwertung führen. Als knochenschädigende Krankheiten gelten unter anderem chronische Polyarthritis, Autoimmunerkrankungen, Asthma, Schilddrüsenüberfunktion, Leberzirrhose und Niereninsuffizienz. Entzündliche Darmerkrankungen führen ebenfalls häufig zu einer verminderten Aufnahme von Kalzium.

 

Bewegung wichtige Säule der Osteoporose-Prävention

Damit der Körper das Kalzium überhaupt in die Knochen einbauen kann, benötigt er Vitamin D. Dies wird vom Körper unter dem Einfluss von Sonnenlicht gebildet. Schon ein täglicher halbstündiger Spaziergang reicht aus, um genug von dem Vitamin zu bilden – auch wenn die Sonne nicht scheint. Für den Erhalt der Knochenmasse ist zudem regelmäßige körperliche Belastung besonders wichtig. Empfohlen werden Laufen, Radfahren, aber auch gezieltes Krafttraining. Die dabei entstehenden Druck- und Zugkräfte führen zum Aufbau der Knochensubstanz.

Osteoporose-Prävention beginnt aber nicht erst im Alter. Denn auch bei optimaler Lebensweise nimmt die Knochendichte im Laufe des Alters automatisch ab. Deshalb sollten Kinder und Jugendliche schon in der Wachstumsphase durch gesunde Ernährung und regelmäßigen Sport einen ausreichenden Pool an Knochendichte aufbauen, von dem sie dann später noch profitieren können.

Foto: © jd-photodesign - Fotolia.com

Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Knochen , Knochenbrüche , Osteoporose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Osteoporose

| Osteoporose ist eine Volkskrankheit. Um die Folgen der Erkrankung einzudämmen, ist eine rechtzeitige Diagnose und Therapie wichtig. Mit Medikamenten und anderen Maßnahmen kann das Risiko für Knochenbrüche reduziert werden.
| Mit einem gezielten, ausgewogenen und regelmäßigen Bewegungstraining lässt sich Knochenschwund im Alter verlangsamen oder stoppen. Besonders zwei Sportarten trauen Experten es zu, dass sie die Knochendichte erhöhen – und sich der Trend zum Substanzverlust im Skelett damit sogar wieder umkehren lässt.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Es ist offenbar nicht nur gut für die Verdauung, sondern kann auch das Immunsystem unseres Mundes stärken: gründliches Kauen. Forscher konnten jetzt zeigen, dass durch das Kauen eine bestimmte Art von Immunzellen stimuliert wird, die Krankheitserreger in der Mundhöhle bekämpfen.
Neben Umwelt- und Ernährungseinflüssen ist offenbar auch die menschliche Genetik ein zentraler Faktor für die Besiedlung des Körpers mit Bakterien. Kieler Wissenschaftler konnten jetzt einen Zusammenhang nachweisen zwischen der genetischen Veranlagung für bestimmte Blutgruppen und der Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms. Das kann bestimmte Krankheiten verhindern helfen oder begünstigen.
 
 
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.