. Hygiene im Krankenhaus

Neues Raumluftsystem könnte Keimbelastung in Krankenhäusern reduzieren

Krankenhauskeime sind nach wie ein großes Problem im Gesundheitssystem. An neuen technischen Lösungen zur Verbesserung der Raumluft in hochsensiblen Klinikbereichen wird seit Jahren gearbeitet. Forscher haben nun ein innovative Raumluftsystem entwickelt, dass die Keimbelastung reduzieren soll.
Krankenhauskeime, Raumluftsystem

Forscher arbeiten unter Hochdruck an Systemen, die das Risiko für Krankenhausinfektionen reduzieren sollen

Keime, die normalerweise harmlos für den Körper sind, können für geschwächte Menschen ein hohes Risiko darstellen – das gilt insbesondere für Patienten in Krankenhäusern. Allein in Deutschland sollen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene etwa 30.000 bis 40.000 Menschen an solchen Krankenhauskeimen versterben.

Am häufigsten treten bei den Betroffenen Atemwegs- und Harnwegsinfekte, aber auch Wundinfektionen oder Sepsis auf. Auslöser sind nicht immer mangelhafte Hygieneprozesse in Kliniken, häufig werden die Keime auch von Patienten oder Besuchern eingeschleppt. Nun haben Forscher eine innovative Plasmareinigungsstufe entwickelt, die modular eingebaut werden kann und eine deutliche Keimreduktion mit sich bringt. Das teilt das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) in Greifswald mit.

Deutlich weniger Mikroorganismen in der Luft

Die Wissenschaftler vom INP haben gemeinsam mit dem Medizintechnikunternehmen Pneumatik Berlin sowie der Haustechnik Bachmann aus Steinberg in Sachsen innerhalb des Verbundprojektes „PlasClean“ ein intelligentes, modular aufgebautes Raumluftsystem für OP-Säle entwickelt, dessen Herzstück eine spezielle Plasmastufe darstellt. Dabei konnte in Laborexperimenten, aber auch in einer Pilotanlage unter Realbedingungen die Wirksamkeit dieses bereits patentierten Dekontaminationsverfahrens nachgewiesen werden. Das zweieinhalbjährige Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziell gefördert.

Durch modifizierte Elektrodenplatten, zwischen denen dielektrisch behinderte Entladungen (siehe Bild) erzeugt werden, gelang es den Forschern, die Belastung der Raumluft mit Mikroorganismen deutlich zu senken. Ebenso können chemische Stoffe auf diese Weise abgebaut werden. Bei sämtlichen Tests wurden die DIN-Anforderungen für intensivmedizinische Bereiche berücksichtigt: Das Plasma reinigte die Abluft auch bei den vorgeschriebenen hohen Luftumsätzen.

 

Keimbelastung lässt sich auch in anderen Bereichen reduzieren

„Unser Konzept ist auch für andere Anwendungsbereiche zukunftsweisend und lässt sich auf Reinräume, Labore, Tierställe oder die Lebensmittellogistik übertragen“, sagt Dr. Manfred Kettlitz, Projektleiter im INP. Die Plasmastufe sei skalierbar, wodurch eine noch höhere Reduktion der Mikroorganismen erreicht werden könne. „Die technische Umsetzbarkeit muss jedoch im Rahmen weiterer Projekte erforscht werden“, betont er. Der Projektverantwortliche bei Pneumatik Berlin, Oliver Siegel, zieht folgendes Fazit: „Durch die Integration dieser neuen Systemlösung könnten keimbelastete Lufteinströmungen in Räumen mit hohen Anforderungen an die Keimarmut wie etwa ein Operationsraum zuverlässig unterbunden werden. Hiermit wird ein wertvoller Beitrag für das Hygienemanagement in Krankenhäusern geleistet.“

Foto: © upixa - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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