. Schimmelpilze

Kontaktlinsen: Hygieneregeln verhindern Pilzinfektionen

Pilzinfektionen am Auge können zu schwerwiegenden Folgen führen und sogar eine Hornhauttransplantation notwendig machen. Die häufigste Ursache für solche Infektionen ist die Nichteinhaltung von Hygieneregeln beim Tragen weicher Kontaktlinsen.
Infektionen am Auge

Pilzinfektionen können Augen schwer schädigen

Wer die Hygieneregeln im Umgang mit weichen Kontaktlinsen nicht beachtet, nimmt eine große Gefahr in Kauf: Schimmelpilze können die Linsen kontaminieren und die Hornhaut des Auges infizieren. Die Betroffenen bemerken das meist durch eine starke Rötung des Auges, teils erhebliche Schmerzen und eine Sehverschlechterung. „Anders als bei vielen anderen Pilzinfektionen sind hier oft junge, gesunde Patienten betroffen“, so Professor Oliver Kurzai, der an der Universität Würzburg den deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie innehat und das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen mit Sitz in Jena leitet. Der Experte macht daher darauf aufmerksam, dass Träger von weichen Kontaktlinsen unbedingt bestimmte Regeln einhalten sollten.

Kontaktlinsen und Flüssigkeit regelmäßig wechseln

Die Therapie einer Pilzinfektion am Auge gestaltet sich oft schwierig, da viele Pilze resistent gegen die verfügbaren Medikamente sind. Die Folgen können dann dramatisch sein: Sehr häufig sind Hornhaut-Transplantationen nötig, in schlimmen Fällen besteht der letzte Ausweg darin, das infizierte Auge operativ zu entfernen und durch ein Glasauge zu ersetzen. Um das zu verhindern, sollten Kontaktlinsenträger unbedingt auf die richtige Hygiene achten. Dazu gehört auch, die Aufbewahrungslösung niemals mehrfach zu verwenden. Auch sollten weiche Kontaktlinsen in ihrem Behälter nicht an einem sonnigen, warmen Platz aufgestellt werden. Ebenfalls sollte es unbedingt vermieden werden, Kontaktlinsen, die man nur für einen Tag oder eine Woche tragen soll, länger zu verwenden.

 

Pilzinfektion kann zum Verlust des Auges führen

Um die Häufigkeit von Pilzinfektionen am Auge und deren Ursachen zu untersuchen, hatte Kurzais Team gemeinsam mit Kollegen Daten zu solchen Infektionen gesammelt und die Ergebnisse kürzlich im „Journal of Clinical Microbiology“ veröffentlicht. Ein Fazit der Autoren: Das Tragen weicher Kontaktlinsen ist der wichtigste Risikofaktor für invasive Pilzinfektionen am Auge. Für die Studie wurden 22 Fälle analysiert, die von Augenärzten an das Nationale Register für Pilzkeratitiden gemeldet worden waren. Das Register gibt es erst seit Anfang 2016; eingerichtet wurde es vom Nationalen Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen und der Augenklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf.

Bei ihren Analysen hatten die Fachleute verschiedene Schimmelpilze der Gattung Fusarium als Verursacher der Infektionen identifiziert. „15 der 22 Fälle waren ganz klar Infektionen mit diesen Schimmelpilzen“, so Kurzai. Bei neun Patienten waren Hornhauttransplantationen nötig, bei drei Betroffenen musste das Auge operativ entfernt werden. Bei den übrigen sieben Patienten hatten die Beschwerden entweder bakterielle oder andere, harmlosere Ursachen.

Register soll ausgebaut werden

Aus statistischer Sicht sind 22 Fälle eine ungenügende Datenbasis. „Wir appellieren darum an alle Augenärzte, möglichst viele Proben von Verdachtsfällen ans Register für Pilzkeratitiden zu schicken, damit die Datenbasis immer besser wird“, so Kurzai. „Mit Hilfe des Registers wollen wir unter anderem analysieren, welche Therapien besonders erfolgreich sind und mit welchen Erregern wir es überhaupt zu tun haben.“

Den Appell an die Augenärzte lancieren die Mediziner anlässlich der erstmals ausgerufenen „Woche der Pilzerkrankungen“ vom 14. bis 18. August 2017. Mit dieser Woche möchten die Centers for Disease Control (CDC) mit Sitz in Atlanta (USA) die internationale Aufmerksamkeit für schwere Pilzinfektionen erhöhen. Die CDC weisen darauf hin, dass weltweit viele Pilzinfektionen zu spät oder gar nicht erkannt werden. Gleichzeitig verändern sich die Erreger der Infektionen, und die Entwicklung von Resistenzen erschwert zunehmend eine effiziente Behandlung.

Foto:  Universitätsklinikum Düsseldorf

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
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