. Psychische Gesundheit

Kleine „Erholungsinseln“ stärken die Widerstandskraft

Wer sich oft von der Arbeit gestresst fühlt, sollte nicht erst auf den nächsten Urlaub warten, um sich zu erholen. Vielmehr ist es wichtig, immer wieder kleine Erholungsinseln in den Alltag einzubauen. Dabei hilft eine aktive Freizeitgestaltung oft mehr als das Sitzen vor dem Fernseher oder Computer.
Abschalten, Ausruhen, Erholungsinseln

Kleine Inseln der Erholung verhindern, dass Belastungen des Alltags zu dauerhaften Problemen werden

Einfach mal abschalten – das ist oft einfacher gesagt und getan. Denn genau das gelingt vielen Arbeitnehmern nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht. Sie bringen ihre Arbeit, zumindest gedanklich oder seelisch, mit nach Hause und fühlen sich erschöpft und ausgelaugt. Eine Untersuchung von Forschern des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) hat gezeigt: Ein anstrengender Arbeitstag führt bereits am selben Tag zur Erschöpfung und beeinträchtigt das Wohlbefinden am Feierabend. Genauso kurzfristig wie die Erschöpfung kommt, sollte daher auch Zeit für die Erholung eingeräumt werden: Bewusstes Abschalten zu Hause fördert die Regeneration und verhindert, dass der Arbeitstag die anschließende Freizeit beeinflusst.

Anstrengender Arbeitstag beeinträchtigt Wohlbefinden direkt

Die IfADo-Arbeitspsychologen hatten untersucht, ob und wie sich verschiedene Anforderungen noch am selben Tag auf das Wohlbefinden von Arbeitnehmern auswirken – und ob eine kurzfristig erfolgende Erholung davor schützt. Die Forschenden führten dazu eine Online-Befragung mit insgesamt 86 und Probanden durch. An zehn aufeinanderfolgenden Arbeitstagen beantworteten diese zweimal pro Tag einen Fragebogen. Am Nachmittag wurde die gerade erlebte Arbeitsbelastung abgefragt, und am Abend bewerteten die Studienteilnehmer ihr Wohlbefinden. Zudem gaben sie an, wie gut es ihnen an diesem Abend gelang, von der Arbeit abzuschalten.

 

Hobbys tragen zur Erholung bei

„Auf Grundlage der Befragung konnten wir bestätigen, dass sich ein anstrengender Arbeitstag direkt auf das Wohlbefinden nach der Arbeit auswirkt. Man bringt die Last quasi mit nach Hause“, sagt IfADo-Studienautorin Lilian Gombert. „Zuhause angekommen fühlt man sich erschöpft und antriebslos, Verabredungen werden abgesagt, die Laune sinkt.“ Dabei sind es gerade Freizeitaktivitäten, die der Anspannung entgegenwirken können: „Wenn man am Feierabend einem Hobby nachgeht, Sport treibt oder Freunde trifft, rückt das bei der Arbeit Erlebte in den Hintergrund. Das schafft nach einem anstrengenden Arbeitstag die benötigten Freiräume für Erholung“, so Gombert weiter.

Wer sich also erholen will, sollte lieber versuchen, aktiv zu werden, als nur passiv vor dem Fernseher oder Computer zu sitzen. Auch wenn die Energie zunächst zu fehlen scheint: Eine aktive, aber nicht zu anstrengende Freizeitgestaltung fördert die Regeneration am besten. Ebenso wichtig ist es nach Angaben der IfADo-Psychologen, nach Feierabend möglichst nicht mehr beruflich erreichbar zu sein.

Foto: © weixx - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Stress , Seelische Gesundheit
 

Weitere Nachrichten zum Thema Erholung

| Die aktuelle Befragung „iga.Barometer“ zeigt: Die gestiegenen Anforderungen an Mitarbeiter, flexibel, mobil und ständig erreichbar zu sein, führen immer häufiger zu Konflikten zwischen Arbeits- und Berufsleben und zu Erschöfpungszuständen. Deutlich werde aber auch, so die Autoren der Studie, dass klare Absprachen und ausreichende Zeitpuffer Abhilfe schaffen können.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Kliniken
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.