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Isolierte systolische Hypertonie gefährlich, aber behandelbar

Sonntag, 7. Februar 2021 – Autor: Anne Volkmann
Die isolierte systolische Hypertonie ist eine weithin unbekannte, jedoch gefährliche Erkrankung. Häufig wird sie als "Altershochdruck" bezeichnet, obwohl sie auch in jüngeren Jahren auftreten kann. Behandelt werden sollte sie in jedem Alter.
Junge Frau misst Blutdruck

Auch junge Menschen können an isolierter systolischer Hypertonie erkranken – Foto: Adobe Stock / LIGHTFIELD STUDIOS

Die isolierte systolische Hypertonie (ISH) ist gekennzeichnet durch einen erhöhten systolischen Blutdruck mit normalen oder sogar niedrigen diastolischen Werten, also beispielsweise, wenn ein Blutdruck von 160/70 mm Hg vorliegt. Häufig tritt die ISH im Alter auf, doch auch eine systolische Blutdruckerhöhung im Jugendalter ist möglich.

Experten vermuten, dass sich die isolierte systolische Hypertonie in den nächsten Jahren zur häufigsten Bluthochdruckform entwickeln wird. Mit dem Alter steigt der systolische Blutdruck kontinuierlich an, während der diastolische zwischen dem 55. und dem 60. Lebensjahr sein Maximum erreicht und danach oft abfällt. Diese Form des Bluthochdrucks ist jedoch keineswegs harmlos, denn mit der zunehmenden Differenz zwischen systolischem und diastolischem Wert steigt die Zahl der kardiovaskulären Komplikationen.

Isolierte systolische Hypertonie unbedingt behandeln

Wird eine isolierte systolische Hypertonie festgestellt, sollte der Blutdruck unbedingt gesenkt werden. Dabei sollte vor allem bei jüngeren, aber auch bei älteren Patienten zunächst versucht werden, den Blutdruck durch nicht-medikamentöse Maßnahmen zu normalisieren. Dazu gehören ausreichend Bewegung, die Einschränkung des Alkoholkonsums und eventuell eine Korrektur des Salzkonsums.

Ob sich eine Gewichtsreduktion bei älteren Hypertonikern positiv auswirkt, ist noch nicht erwiesen. Bei manchen Patienten ist hier sogar Vorsicht geboten - besonders bei denjenigen, die unter chronischen Erkrankungen wie Herz- oder Niereninsuffizienz leiden.

 

Kombinationstherapie kann helfen

Eine isolierte systolische Hypertonie nur mit Hilfe nicht-medikamentöser Therapien in den Griff zu bekommen, ist allerdings nur selten möglich. Meist muss zusätzlich noch eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden.

Empfohlene Medikamente sind Kalziumkanalblocker wie Nifedipin oder Nitrendipin, Amlodipin bzw. thiazidartige Diuretika. Nicht empfohlen werden Betablocker. Einen geringen Effekt sollen ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorblocker haben.

Da die isolierte systolische Hypertonie meist nur schwer einstellbar ist, wird häufig eine zwei- bis dreifache Kombinationstherapie angewendet. Dabei hat sich besonders die kombinierte Gabe von einem RAS-Hemmer mit einem Kalziumantagonisten oder einem Diuretikum als sinnvoll erwiesen.

ISH im Jugendalter: Andere Entstehungsmechanismen, andere Behandlung

Häufig wird die ISH als „Altershochdruck“ bezeichnet. Die Bedeutung der systolischen Blutdruckerhöhung bei juveniler Hypertonie hat dagegen erst in letzter Zeit Aufmerksamkeit bekommen. Bei beiden Erscheinungsformen handelt es sich um unterschiedliche Erkrankungen.

Zur typischen altersbedingten isolierten systolischen Hypertonie kommt es, weil der diastolische Blutdruck in der fünften Lebensdekade absinkt und der systolische BD ansteigt. Bei arterieller Gefäßsteifigkeit entsteht sie als Folge der erhöhten Reflektion der Druckwelle mit einer pathologischen Erhöhung des systolischen Blutdrucks. Hier ist eine blutdrucksende Therapie notwendig und erfolgreich.

Bei jungen Menschen ist die systolische Blutdruckerhöhung dagegen bedingt durch eine starke Amplifikation (physiologische Erhöhung) der Druckwelle von der Brustaorta zum Messpunkt in der Brachialarterie. Betroffen sind meist große, schlanke sportliche Jugendliche und junge Männer. Die erhöhte Amplifikation ist Ausdruck einer besonderen Gefäßelastizität beziehungsweise eines erhöhten Herzschlag­volumens. Eine blutdrucksenkende Therapie ist in diesen Fällen in der Regel nicht notwendig.

Hauptkategorie: Medizin
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