Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt

Intersexualität: Betroffene protestieren gegen Operationen an Kindern

Samstag, 26. Oktober 2019 – Autor: Anne Volkmann
„Geschlechtsangleichende“ Operationen im Kindesalter sind oft medizinisch nicht notwendig. Stattdessen können sie viel Leid mit sich bringen. Anlässlich des Intersex Awareness Days protestieren Betroffene daher gegen die immer noch gängige Praxis, Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen diesen Eingriffen zu unterziehen.
Intersex Awareness Day

Am Intersex Awareness Day 2019 wird gegen unnötige geschlechtsangleichende Operationen an Kindern protestiert – Foto: ©scoutori - stock.adobe.com

Als intersexuell werden Menschen bezeichnet, die im engen medizinischen Sinne nicht den Kategorien männlich oder weiblich zugeordnet werden können. Dies kann seinen Grund in den Chromosomen, den Hormonen und im äußeren Erscheinungsbild haben.

Intersex*-Menschen oder Inter*Personen sehen sich selbst in der Regel weder als krank noch als unnormal an. Dennoch wird ihre Variante der Geschlechtsentwicklung im medizinischen Bereich zu den Sexualdifferenzierungsstörungen (disorders of sex development, DSD) gerechnet.

Proteste gegen nicht einvernehmliche Operationen

Für Eltern, die sich meist vor der Geburt nicht mit dem Thema Intersexualität auseinandergesetzt haben, ist es in der Regel ein Schock, wenn sie erfahren, dass das Geschlecht ihres Kindes nicht eindeutig zu bestimmen ist. Nicht selten raten dann auch Ärzte dazu, eine operative, oft durch Medikamente unterstützte Geschlechtsangleichung vorzunehmen. Amnesty International zufolge handelt es sich dabei jedoch um eine Menschenrechtsverletzung.

Betroffene berichten zudem davon, dass die physischen und psychischen Folgen beträchtlich sind. Anlässlich des Intersex Awareness Days am 26. Oktober 2019 wird daher gegen die auch in Deutschland immer noch gängige Praxis protestiert, Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen unnötigen und nicht einvernehmlichen Operationen zu unterziehen.

Politik bisher nicht aktiv geworden

Einer Studie aus dem Jahr 2019 zufolge, nach der im Auftrag der Universität Bochum die Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes ausgewertet wurde, hat sich die Zahl der angleichenden Operationen an Säuglingen und Kindern in Deutschland nicht geändert. Und das, obwohl bereits seit dem Jahr 2005 die medizinischen Leitlinien etwas anderes vorgeben.

Da die Leitlinien rechtlich nicht bindend sind, fordern Betroffene und Verbände die Politik auf zu handeln. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD angegeben, gesetzlich regeln zu wollen, „dass geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe an Kindern nur in unaufschiebbaren Fällen und zur Abwendung von Lebensgefahr zulässig sind“. Ein Gesetzesentwurf gibt es dazu bisher jedoch nicht.

Foto: © scoutori - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Intersexualität

Aktuelle Nachrichten

Weitere Nachrichten


Interviews
Einen ambulanten Pflegedienst in Berlin zu finden, ist schwierig geworden. Personalmangel ist das Hauptproblem. Dabei gäbe es relativ einfache Lösungen, sagt Thomas Meißner vom AnbieterVerband qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen (AVG). Im Gespräch mit Gesundheitsstadt Berlin verrät der Pflegeexperte und Chef eines häuslichen Krankenpflegedienstes, wie man Menschen in den Pflegeberuf locken könnte und warum seine Branche noch ganz andere Sorgen hat als die Personalfrage.

Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.
Logo Gesundheitsstadt Berlin