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13.11.2017

Immer mehr Vergiftungen durch Shisha-Rauchen

Shisha-Rauchen ist nicht so ungefährlich, wie manche denken. Wie die Universitätsklinik Düsseldorf (UKD) nun meldet, müssen immer mehr Shisha-Raucher mit schweren Kohlenmonoxid-Vergiftungen behandelt werden.
Shishas

Shishas werden immer beliebter

Der Shisha-Boom ist ungebremst. Vor allem bei Jugendlichen sind die Wasserpfeifen mittlerweile beliebter als Zigaretten. Doch das Rauchen von Shisha-Pfeifen ist nicht ungefährlich, unter anderem, weil bei der Verbrennung der Wasserpfeifenkohle Kohlenmonoxid entsteht. Besonders beim schnellen Rauchen ohne Absetzen der Pfeife und in geschlossenen Räumen ohne ausreichende Luftzufuhr gelangt nicht mehr genug Sauerstoff in den Organismus. Ein weiteres Problem: Kohlenmonoxid kann man nicht riechen, sehen oder schmecken. Daher werden frühe Anzeichen einer Vergiftung wie beispielsweise Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen beim Shisha-Rauchen oft fälschlich auf den Tabak zurückgeführt. Weitere Symptome einer Vergiftung sind Müdigkeit, Benommenheit und grippeähnliche Beschwerden.

Beim Shisha-Rauchen droht Kohlenmonoxid-Vergiftung

Wie das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) jetzt meldet, haben Kohlenmonoxid-Vergiftungen durch Shisha-Rauchen stark zugenommen. Patienten werden im UKD in einer speziellen Druckkammer mit der Hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) behandelt. Dabei wird den Betroffenen unter Zuhilfenahme von Überdruck 100-prozentiger Sauerstoff verabreicht, um das Kohlenmonoxid aus dem roten Blutfarbstoff und lebenswichtigen Organgeweben zu verdrängen.

Die Klinik berichtet von einem sprunghaften Anstieg der Behandlungen in ihrer Druckkammer. In diesem Jahr wurden bereits rund 100 Fälle von Kohlenmonoxidvergiftungen in der speziellen Druckkammer des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) behandelt – etwa 40 davon gehen auf das Rauchen von Wasserpfeifen (Shishas) zurück. 2016 waren es noch fünf Fälle und 2015 nur ein Fall.

 

Auch Gastherme sind eine Gefahrenquelle

„Kohlenmonoxidvergiftungen sind lebensgefährlich“, warnt Sven Dreyer, leitender Druckkammerarzt der Uniklinik. Das unsichtbare Gas ist die Ursache für einen Großteil der tödlichen Vergiftungen weltweit. Hohe Dosen von Kohlenmonoxid wirken schwer toxisch und sorgen bereits nach wenigen Minuten der Einatmung für Bewusstlosigkeit und Erstickungen. Dennoch wird die Gefahr, die von dem Atemgift ausgeht, immer noch häufig unterschätzt.

Neben Shishas stellen vor allem defekte Gasthermen oder ein Holzkohlegrill in der Wohnung ein Risiko dar. Gastherme sind besonders dann eine Gefahrenquelle, wenn sie unvollständig verbrennen – etwa weil der Brenner verrußt ist. Ein Warnzeichen für die Entstehung von Kohlenmonoxid ist die Farbe der Flamme: Ist sie nicht mehr blau, sondern gelb, ist Vorsicht angezeigt. Professor Joachim Windolf, Direktor der Klinik für Hand- und Unfallchirurgie am UKD, warnt zudem davor, einen Holzkohlegrill oder ein offenes Feuer in geschlossenen Räumen aufzustellen. „Bei der Verbrennung von Kohlenstoffen, nämlich der Holzkohle, entsteht das Gas und kann in geschlossenen Räumen nicht abziehen“, erklärt der Leiter der Düsseldorfer Unfallmedizin, der auch die Düsseldorfer Druckkammer betreut.

UKD rät zu mehr Vorsicht vor Kohlenmonoxid

Im Verdachtsfall sollte man sofort alle Fenster öffnen, umgehend den Raum verlassen und die Feuerwehr verständigen, so das UKD in seiner Mitteilung. Für eine Vergiftung mit Kohlenmonoxid reichen nur wenige Atemzüge. Vorbeugend raten Experten zum Kauf von Kohlenmonoxidmeldern. Die kleinen Geräte werden an der Wand angebracht und sind in jedem Baumarkt zu bekommen. Wichtig: Rauchmelder, die seit Anfang des Jahres in Nordrhein-Westfahlen Pflicht sind, ersetzen keine Kohlenmonoxidmelder, da sie das Gas nicht erfassen.

Foto: © alexkich - Fotolia.com

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Hauptkategorie: Prävention und Reha
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