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HIV-Selbsttest könnte für viele Menschen sinnvoll sein

In Deutschland erfahren viele Menschen immer noch sehr spät, dass sie an HIV erkrankt sind. Für diese Personen könnte ein Selbsttest, wie er in mehreren Ländern bereits erhältlich ist, sinnvoll sein. Das betonen Experten der Gesellschaft für Virologie (GfV).
HIV-Test

Experten hoffen, mit einem HIV-Selbsttest für zu Hause die Dunkelziffer der Infektionen reduzieren zu können

Über 88.000 Menschen in Deutschland leben mit HIV. Viele von ihnen erfahren erst sehr spät, dass sie infiziert sind - oft sogar erst dann, wenn sie bereits schwer erkrankt sind. Das ist aus mehreren Gründen problematisch, wie Experten der Gesellschaft für Virologie (GfV) betonen: Zum einen sollte die Therapie möglichst frühzeitig nach der Infektion beginnen. Außerdem können diese Menschen unabsichtlich andere anstecken. Ein HIV-Selbsttest für zu Hause, vergleichbar mit einem Schwangerschaftstest, wäre nach Ansicht der Experten eine Möglichkeit, die Dunkelziffer zu verringern. In einer aktuellen Stellungnahme spricht sich die GfV daher grundsätzlich für die Zulassung solcher Tests aus – mahnt aber auch an, die mit den Selbsttests verbunden Risiken weitestmöglich zu minimieren.

Mit HIV-Selbsttest könnten mehr Betroffene erreicht werden

„Es ist auffällig, dass seit Jahren unverändert bei über einem Viertel der HIV-Neudiagnosen die Infektion erst dann festgestellt wird, wenn der Betroffene bereits erkrankt ist oder die Zahl der T-Helferzellen unter 350/µl liegt, was einer fortgeschrittenen HIV-Infektion entspricht“, erklärt Professor Josef Eberle vom Max von Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem nationalen Referenzzentrum für Retroviren. „Das bedeutet, dass wir trotz der vielen, auch anonymen und kostenlosen Angebote für einen HIV-Test nicht alle Infizierten erreichen.“ Für diese Menschen könnte ein Selbsttest, wie er in mehreren Ländern bereits erhältlich ist, eine Chance darstellen.

Allerdings darf ein HIV-Selbsttest in Deutschland bislang nicht an Privatpersonen abgegeben werden. Derzeit wird aber geprüft, ob die Medizinprodukte-Abgabeverordnung entsprechend verändert werden sollte. In England beispielsweise sind die Tests zugelassen, und erste Erfahrungen scheinen vielversprechend zu sein. So äußerten Personen, die den Test gemacht haben, dieser sei einfach zu handhaben. Von Panikreaktionen als Folge falsch-positiver Testergebnisse wurde kaum berichtet.

Risiken des Selbsttests beachten

Dennoch gibt es Risiken bei den Tests. So weist die GfV auf mögliche Probleme bei der Qualität hin: „HIV-Schnelltests mit CE-Prüfzeichen, die Blut aus der Fingerkuppe verwenden, sind zwar mit HIV-Labortests der vierten Generation durchaus zu vergleichen“, erklärt Eberle. „Unterlegen sind sie den Labortests jedoch in Bezug auf den Infektionsnachweis, wenn sie in einer sehr frühen Phase der Infektion durchgeführt werden. Ein Betroffener wiegt sich also womöglich in falscher Sicherheit, und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem das Übertragungsrisiko besonders hoch ist.“ Dies gelte umso mehr bei Selbsttests, die nicht Blut, sondern einen speziellen Mundabstrich (oral fluid) als Testmaterial nutzen.

Problematisch sei zudem eine mögliche Fehlinterpretation des Testergebnisses durch den Nutzer, so der Virologe. Denn erst drei Monate nach einer möglichen Ansteckung liefert ein Selbsttest ein sicheres Ergebnis. Tests, die davor durchgeführt werden, sind nur bedingt aussagekräftig. Zudem weisen Tests stets eine gewisse Fehlerquote auf – ein positives beziehungsweise negatives Ergebnis kann falsch sein. Bei einem Test im Fachlabor wird das Resultat dagegen mittels eines Bestätigungstestes überprüft, bevor der Betroffene informiert wird.

GfV plädiert für Abgabe an Privatpersonen

Trotz dieser Bedenken befürworten die GfV-Experten die Abgabe von Selbsttests an Privatpersonen, um die weitere Ausbreitung der HIV-Infektion zu verhindern und Infizierten einen frühzeitigen Therapiebeginn zu ermöglichen. „Es muss jedoch gewährleistet sein, dass die Tests klare Informationen zum Umgang mit den Ergebnissen enthalten“, betont Professor Eberle. „Dazu gehören der Hinweis auf die Drei-Monats-Frist und die mögliche Fehlerquote sowie die Empfehlung, im Falle eines positiven oder unklaren Befunds diesen noch einmal mit einem laborgestützten Verfahren überprüfen zu lassen und gegebenenfalls auch psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

Foto: © gamjai - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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