. AIDS

Truvada kein Ersatz für Safer Sex

Kurz vor Beginn der Welt AIDS Konferenz in Washington wurde in den USA das AIDS-Medikament Truvada zur Prävention von AIDS zugelassen. Deutsche Experten reagieren zurückhaltend.
Soll AIDS vorbeugen: Truvada

Soll AIDS vorbeugen: Truvada

Als Kombinationsmedikament zur Aids-Therapie ist Truvada schon seit mehr als zehn Jahren zugelassen, auch in Europa. Nun ist es im Juli in den USA auch als Mittel zur AIDS-Prophylaxe zugelassen worden. Truvada soll das Ansteckungsrisiko von gesunden Menschen mit hohem Infektionsrisiko - also beispielsweise mit einem HIV-positiven Partner - mindern. Wenn es täglich eingenommen wird, und zwar dauerhaft

Die Zulassung sei ein Meilenstein im Kampf gegen HIV", teilte Margaret Hamburg von der US-Arznei- und Lebensmittelaufsicht FDA am Montag, 23 Juli mit. Die FDA stützt sich bei der Zulassung vor allem auf zwei Studien, denen zufolge Truvada das Risiko der Ansteckung mit HIV sowohl bei heterosexuellen als auch bei homosexuellen Menschen um 45 bzw. 75 Prozent minderte. Weitere Studien mit Truvada laufen.

Konsequente Einnahme von Truvada ist notwendig

In Deutschland wird die Zulassung eher kritisch gesehen. Sprecher des Nationalen AIDS-Beirats und des Kompetenznetzes HIV/AIDS betonten, dass Truvada kein Ersatz für Safer Sex sei. Das AIDS-Medikament schütze weder absolut vor dem HI-Virus noch vor anderen Krankheiten, mit denen man sich beim Geschlechtsverkehr anstecken kann. Zudem müsse die Tablette täglich eingenommen werden, da eine sporadische Einnahme die Entstehung von Resistenzen begünstige. Und die Tablette sei teuer: Eine prophylaktische Theorie mit Truvada kostet rund 14.000 Dollar im Jahr.

"Die Zulassung dieses Medikaments als Schutzmassnahme läutet keine sexuelle Revolution ein, könnte aber als solche missverstanden werden", sagte Professor Norbert Brockmeyer, Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die AIDS-Epidemie lass sich mit Truvada nicht beenden.

 

Teures Medikament für Gesunde

In den Studien wurden weitere Schwächen von "Truvada" als Prophylaxe sichtbar. Truvada schütze etwa Männer besser vor einer Ansteckung mit HIV als Frauen, erläuterte der Bonner Infektionsmediziner Jürgen Rockstroh, der dem Nationalen AIDS-Beirat des Bundesgesundheitsministeriums angehört. Gerade bei Tests in Afrika hätten sich viele nicht immer an die vorgeschriebene Einnahme der Pillen gehalten. Aber genau das sei eine wichtige Voraussetzung für die Wirkung.

Der Mediziner verweist auch auf Nebenwirkungen durch Truvada. Zum Beispiel könne die Knochendichte abnehmen oder die Nierenwerte könnten schlechter werden. Dass an sich gesunde Menschen unter Nebenwirkungen von Medikamenten leiden, die sie vorbeugend einnehmen, darin sehen gerade deutsche Experten ein gewichtiges Argument gegen die Zulassung von Truvada als HIV-Vorbeugungs-Pille. Noch hat der Hersteller Gilead bei der europäischen Zulassungsbehörde EMEA keinen entsprechenden Antrag gestellt.  

Foto: Gilead

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: AIDS , HIV
 

Weitere Nachrichten zum Thema AIDS

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Inkontinenz ist bei älteren und pflegebedürftigen Menschen ein häufiges Problem. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich der Umgang damit jedoch erheblich erleichtern. Ein neuer Ratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege gibt Praxistipps für pflegende Angehörige.
Wer täglich weniger als sechs Stunden schläft oder öfter in der Nacht aufwacht, hat ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose und ein metabolisches Syndrom. Das stellten Forscher in einer Studie mit fast 4.000 Teilnehmern fest.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.