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25.12.2020

Fibromyalgie – Tai Chi kann Schmerzen reduzieren

Bei Fibromyalgie wird regelmäßige sportliche Betätigung empfohlen. Dabei hat sich Tai Chi als besonders wirksam erwiesen. Die fernöstliche Bewegungsform scheint sogar erfolgreicher zu sein als klassische Physiotherapie.
Tai Chi

Tai Chi kann eine heilsame Wirkung entfalten

Patienten mit dem Fibromyalgiesyndrom leiden unter chronischen Muskel- und Gelenkschmerzen und schneller Erschöpfbarkeit. Auch schlechter Schlaf und depressive Störungen treten auf. Bis heute gibt es keine speziellen Medikamente zur Behandlung der Fibromyalgie. Ärzte verschreiben daher häufig Schmerzmittel, Schlafmittel und/oder Antidepressiva. Inwieweit diese Medikamente bei Fibromyalgie nutzen, ist jedoch weitgehend unklar.

Experten raten daher, die Beschwerden in erster Linie nichtpharmakologisch zu behandeln. Das Ziel der Behandlung ist dabei vor allem eine deutliche Symptomlinderung. Sinnvoll seien Sport, Physiotherapie, Chirotherapie und Entspannungsverfahren. Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide sollten hingegen zurückhaltend eingesetzt werden. Das entspricht auch den aktuellen Leitlinien.

Tai Chi kann Fibromyalgie-Symptome lindern

Eine klinische Studie, die im Britischen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, konnte zeigen, dass dass Tai Chi zu den besoners wirksamen Bewegungsformen bei Fibromyalgie gehört. Den Autoren zufolge kann sie die Symptome sogar stärker lindern als klassisches Ausdauertraining und Physiotherapie.

Für die Studie wurden die Patienten in fünf Gruppen eingeteilt. Vier Gruppen nahmen ein oder zwei Stunden pro Woche an einem Tai Chi-Unterricht im Yang-Stil Teil. Das Training wurde entweder über einen Zeitraum von 12 oder 24 Wochen durchgeführt. Die fünfte Gruppe nahm über 24 Wochen zweimal pro Woche an einem Ausdauertraining teil. Dabei sollten sie sich nach einer Aufwärmphase von 20 Minuten so belasten, dass ihre Herzfrequenz auf 50 bis 60 Prozent ihrer maximalen Belastbarkeit anstieg.

 

Stärkere Wirksamkeit als Ausdauertraining

Wie sich zeigte, verbesserte sich die Symptomatik in allen fünf Gruppen, in den Tai-Chi-Gruppen jedoch signifikant stärker als bei denjenigen, die das Ausdauertraining betrieben. Das Forscherteam um Chenchen Wang vom Tufts Medical Center in Boston stellt zudem fest, dass die Wirkung dosisabhängig war. Je öfter also trainiert wurde, desto größer war die Verbesserung.

Das Tai-Chi-Training erzielte auch in den meisten sekundären Endpunkten die besseren Ergebnisse: Die Patienten hatten am Ende der Therapie weniger Angstzustände, sie verfügten über bessere Bewältigungsstrategien und gaben weniger Gelenkbeschwerden an. Zudem hatten sich bei denjenigen, die zweimal wöchentlich trainierten, auch die Depressionen gebessert. Insgesamt waren die Patienten zufriedener als mit der Physiotherapie.

Bereits in zwei früheren randomisierten Studien hatte sich das Konzept als effektiv erwiesen. Allerdings war Tai Chi dort nur mit wenig effektiven Interventionsformen wie Gesundheitserziehung oder Streckübungen verglichen worden.

Fibromyalgie noch kaum erforscht

Eines der größten Probleme bei der Fibromyalgie liegt allerdings nach wie vor darin, die Erkrankung überhaupt zu diagnostizieren, da die Symptome oft nicht eindeutig sind. Auch die Ursachen der Fibromyalgie sind bislang nicht geklärt. Allerdings gehen Forscher heute davon aus, dass es bei der Erkrankung zu einer Fehlfunktion im schmerzverarbeitenden System kommt. So konnten kürzlich bei Fibromyalgie-Patienten Schädigungen an den kleinen schmerzleitenden Nervenfasern (small fibers) nachgewiesen werden.

Foto: Adobe Stock / ulza

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Hauptkategorie: Medizin
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