. Deutsche Gesellschaft für Geriatrie

Fahrtauglichkeit: Gesundheitschecks für Senioren?

Ob Senioren zu Gesundheitschecks verpflichtet werden sollen, um ihre Fahrtauglichkeit zu überprüfen, ist umstritten. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DDG) spricht sich gegen verpflichtende Untersuchungen aus, plädiert jedoch für freiwillige Gesundheitschecks.
Fahrauglichkeit-Checks?

Verpflichtende Tests auf Fahrtauglichkeit von Senioren sind umstritten

Sollten ältere Autofahrer generell ihre Fahrtauglichkeit prüfen lassen? Viele Experten sind dafür, doch einige Gesellschaften wie der ADAC stellen sich dagegen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) erteilt Forderungen, wonach das Autofahren ab einem bestimmten Alter nur noch mit einem Leistungszertifikat oder verpflichtenden Gesundheitschecks erlaubt sein soll, eine Absage. „Dieses pauschale Vorgehen ist aus medizinischer Sicht grundsätzlich abzulehnen“, sagt Professor Jürgen M. Bauer, DGG-Präsident und Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg sowie Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg. Freiwillige Gesundheitschecks ab einem bestimmten Alter hält die DGG jedoch für sinnvoll.

Schwere Unfälle werden öfter von jungen Autofahrern verursacht

Zahlen des ADAC belegen: Menschen ab dem 65. Lebensjahr sind eher selbst gefährdet, als dass von ihnen eine Gefahr ausgeht. Nur 15 Prozent der Pkw-Fahrer ab 65 Jahre sind Hauptverursacher eines Unfalls mit Personenschaden. In 172 Fällen waren 65- bis 74-Jährige schuld an Unfällen mit Todesopfern. Zum Vergleich: Mehr als doppelt so oft, insgesamt 379 Mal, waren 18- bis 24-Jährige Hauptverursacher solcher Unfälle.

Um wirklich einen Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr zu leisten, seien gerade im Alter regelmäßige und vor allem individuelle Gesundheitschecks sinnvoll, so der DGG-Fahrtauglichkeitsexperte Dr. Dirk Wolter, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie an der LVR-Klinik Bonn. „Denn nimmt das Hör- oder Sehvermögen ab und ist die Reaktionsgeschwindigkeit eingeschränkt, kann ein älterer Fahrer tatsächlich zur Gefährdung im Straßenverkehr werden. Auch Herz, Leber und Nervensystem sollten regelmäßig gecheckt werden“, so der Mediziner. Gerade chronische Erkrankungen, Demenz und Einschränkungen des Bewegungsapparates könnten zur Gefahr werden.

 

Freiwillige Gesundheitschecks für Senioren sinnvoll

Die meisten älteren Kraftfahrer kompensieren ihre Einschränkungen erfolgreich durch taktische oder strategische Anpassungen, erklärt die DDG. „Senioren können auf Automatik-Getriebe umsteigen, um so ihre volle Aufmerksamkeit dem Straßenverkehr zu widmen. Außerdem sollten Stoßzeiten vermieden werden, ebenso das Autofahren bei schlechten Wetterbedingungen oder in der Dunkelheit“, so Wolter. Er rät zu regelmäßigen Gesundheitschecks unter geriatrischen Gesichtspunkten statt zu einem pauschalen Fahrverbot für Ältere.

Für regelmäßige Gesundheitschecks könne beispielsweise der Hausarzt herangezogen werden. „Hausärzte könnten umfassend beraten und intensiv aufklären, wenn es Probleme gibt“, erklärt Wolter. Das gelte vor allem für die Medikamentenversorgung. Zahlreiche Autofahrer über 65 Jahre nehmen Medikamente ein, die müde machen oder den Blutdruck senken können – und somit die Fahrtüchtigkeit einschränken. Wolter rät allen älteren Autofahrern: „Sprechen Sie das Thema der Fahrtauglichkeit bei Ihrem Arzt unbedingt an!“ Dennoch unterstützt der DGG-Experte eine verpflichtende Einführung von Gesundheitschecks nicht: „Das muss von Fall zu Fall individuell betrachtet werden.“

Wichtig ist regelmäßige Fahrpraxis

Nur in Ausnahmefällen sollten die Behörden älteren Fahrern den Führerschein dauerhaft entziehen können.“ Es sei auch wichtig, im Training zu bleiben. „Wer keine Fahrpraxis mehr hat, baut auch mehr Unfälle. Wenn man sich beim Autofahren sehr unwohl und unsicher fühlt, sollte man ganz aufhören. Als Kompensation einfach nur weniger zu fahren, ist keine Lösung“, so der Experte. Wolter weist auf eine Reihe von Arbeitsmaterialien hin, die Medizinern beim Abklären der Fahreignung im höheren Lebensalter helfen soll. Diese stehen zum kostenlosen Download auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie zur Verfügung.

„Die Mobilität älterer Menschen und somit auch deren Fahrtauglichkeit sei eine Aufgabe, der sich Mediziner stellen müssen“, sagt Dirk Wolter. „Für diese speziellen Fälle sind Geriater ausgebildet und kennen die Bedürfnisse älterer, oft mehrfach erkrankter Patienten ganz genau.“ Das Ziel aller beteiligen Mediziner müsse es sein, die Mobilität der Älteren so lange wie möglich zu erhalten. „Andernfalls verlieren viele Menschen zu früh an Autonomie und Selbstbewusstsein, was im Alter schwerwiegende Gesundheitsfolgen haben kann", so der Experte.

Foto: © Budimir Jevtic - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Demografischer Wandel
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