. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

ADHS: Medikamente verhindern Autounfälle

Erwachsene mit ADHS sind überdurchschnittlich oft in schwere Verkehrsunfälle verwickelt. Einer schwedischen Studie zufolge ließe sich jeder fünfte dieser Unfälle verhindern, wenn die Patienten regelmäßig ihre Medikamente einnehmen würden.
ADHS und Unfälle

Wer unter ADHS leidet, ist öfter in Verkehrsunfälle verwickelt

ADHS-Patienten haben oft Probleme mit ihrer Konzentration und neigen nicht selten zur Impulsivität. Dass sich das auch beim Autofahren niederschlagen könnte, ist eine naheliegende These. Und tatsächlich konnten schon mehrere Studien zeigen, dass Erwachsene, die unter ADHS leiden, deutlich häufiger in schwere Verkehrsunfälle verwickelt sind als Gleichaltrige ohne ADHS. Eine schwedische Studie konnte zudem belegen, dass Betroffene seltener Verkehrsunfälle verursachen, wenn sie ihre Medikamente einnehmen; vor allem bei Männern erwies sich dieser Zusammenhang als deutlich. Nun wollten die Wissenschaftler überprüfen, ob sich ähnliche Zusammenhänge auch in einer größeren Analyse mit Hilfe von Daten US-amerikanischer Patienten auffinden lassen.  

ADHS-Patienten häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt

Für ihre Studie werteten die Forscher um Dr. Zheng Chang vom Karolinska-Institut in Stockholm die Daten von rund 2,3 Millionen erwachsenen Amerikanern aus, die entweder eine ADHS-Diagnose hatten oder Medikamente gegen ADHS bekamen. Dabei verglichen sie die Angaben, wann die Patienten Medikamente erhielten, mit den Zeiten, in denen sie aufgrund eines Verkehrsunfalls, bei dem sie selbst am Steuer eines Fahrzeugs saßen, in einer Klinik aufgenommen wurden.

Im Vergleich mit einer gleichaltrigen Kontrollgruppe zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit für schwere Verkehrsunfälle bei Männern mit ADHS um 49 Prozent und bei Frauen um 44 Prozent erhöht war. Nahmen die Patienten jedoch Medikamente gegen ihre Erkrankung ein, war das Risiko im Vergleich zu denjenigen, die keine Medikation erhielten, bei Männern um 12 Prozent und bei Frauen um 14 Prozent niedriger.

 

Medikamente stärken Konzentration und Aufmerksamkeit

Noch aussagekräftiger waren die Zahlen jedoch, wenn man das Risiko für Verkehrsunfälle bei jedem einzelnen Patienten ermittelte. Demnach war die Gefahr für einen Verkehrsunfall bei Männern in Monaten ohne ADHS-Medikation um 38 Prozent, bei Frauen um 42 Prozent höher als in den Zeiten, in denen sie Medikamente erhielten. Den Berechnungen der Forscher zufolge ließen sich 22 Prozent der schweren Verkehrsunfälle dadurch erklären, dass die Patienten keine Arzneimittel gegen ihre Erkrankung einnahmen.

Eine klare kausale Beziehung kann die Studie zwar nicht beweisen. Doch da Medikamente gegen ADHS direkt in neurobiologische Prozesse eingreifen und Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeit verbessern können, ist ein Zusammenhang durchaus wahrscheinlich. Allerdings gilt dies offenbar nicht für alle Medikamente. So konnten die Forscher bei Amphetamin-Präparaten sogar einen Rebound-Effekt feststellen, nämlich immer dann, wenn der Wirkspiegel sank. Die Studienautoren plädieren dafür, dass solche Effekte von den behandelnden Ärzten stärker berücksichtigt werden.  

Foto: © nandyphotos - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: ADHS
 

Weitere Nachrichten zum Thema ADHS

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die Regierungen der Welt sollten sich ernsthaft auf eine globale Pandemie vorbereiten, die zig Millionen Todesopfer fordern könnte. Das ist die Kernaussage eines Berichts von WHO und Weltbank. Doch offenbar sind die Vorsichtsmaßnahmen aktuell völlig unzureichend.
Alzheimer ist eine Erkrankung, die auch bei den Mitmenschen viele Unsicherheiten hervorruft. Oft wissen Angehörige oder Bekannte nicht, wie sie mit den Betroffenen umgehen sollen. Am Weltalzheimertag rufen Experten daher zu Verständnis und Toleranz gegenüber Alzheimer-Erkrankten auf.
Wenn Kinder unter Diabetes leiden, handelt es sich in der Regel um einen Diabetes Typ 1, obwohl auch der Typ 2 immer häufiger auftritt. Ein großes Problem ist, dass die ersten Symptome eines Diabetes Typ 1 oft nicht erkannt werden. Diabetologen fordern daher mehr Aufklärung bei den Eltern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.