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03.08.2018

Darmkrebs-Screening in Zukunft für Männer schon ab 50

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Altersgrenze beim Darmkrebs-Screening für Männer auf 50 Jahre herabgesetzt. Der Forderung verschiedener Fachgesellschaften und Patientenvertretungen, das Alter auf 45 zu senken, entsprach der Beschluss damit nicht.
Darmkrebs, Screening, G-BA

Die Früherkennung verbessert die Prognose bei Darmkrebs

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Mehr als 33.000 Männer und mehr als 26.000 Frauen erkranken hierzulande jedes Jahr daran; deutlich mehr als 20.000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen. Bei Frauen handelt es sich um die zweithäufigste Tumorerkrankung nach Brustkrebs, bei Männern um die dritthäufigste nach Lungen- und Prostatakrebs. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat nun die Altersgrenze für das Darmkrebs-Screening bei Männern von 55 auf 50 Jahre herabgesetzt. Für Frauen bleibt es bei der bisherigen Altersgrenze von 55 Jahren. Das organisierte Einladungsverfahren zur Früherkennung soll im Juli 2019 starten.

Damit lehnte der Ausschuss den Antrag der Patientenvertretung ab, die Grenze auf 45 Jahre für Männer und 50 Jahre für Frauen herabzusetzen. Die Patientenvertretung im G-BA, die nur antrags-, aber nicht stimmberechtigt ist, reagiert auf den Beschluss verärgert. Man habe sich bei der mittlerweile fünf Jahre dauernden Beratung vehement für eine Senkung des Anspruchsalters auf 45 Jahre für Männer und 50 Jahre für Frauen eingesetzt, weil „alle aktuellen Veröffentlichungen darauf hinweisen, dass Darmkrebs häufiger auch bei jüngeren Menschen auftritt“.

Felix Burda Stiftung kritisiert Beschluss

Die Felix Burda Stiftung erklärte indessen, sie freue sich, dass der G-BA endlich eine Entscheidung zur Einführung des organisierten Darmkrebs-Screenings getroffen hat. Dass es nun Fortschritte für die Darmkrebsvorsorge in Deutschland geben soll, sei aus Sicht der Versicherten zu begrüßen. Dennoch kritisierte die Vorsitzende der Felix Burda Stiftung, Dr. Christa Maar, dass Empfehlungen der Fachgesellschaften zu wenig berücksichtigt worden seien und man mit der verabschiedeten Richtlinie hinter dem zurückbleibe, was in anderen Ländern bereits üblich sei.

Maar ärgert sich demnach besonders darüber, dass der Einladung zum Screening kein zertifizierter iFOBT-Test inklusive eines frankierten Rückumschlages beigelegt werden soll. Die Stiftung fordert zudem – ähnlich wie viele Fachgesellschaften –, dass Versicherte eine Liste der in der Region zur Vorsorgekoloskopie zugelassenen Ärzte erhalten und sechs Wochen nach jeder Einladung noch einmal erinnert werden. Auf diese Weise könnte die Akzeptanz des Darmkrebs-Screenings erhöht werden, wie eine Studie aus den Niederlanden gezeigt habe. Dort wurden durch dieses Verfahren Teilnahmeraten von bis zu 70 Prozent erreicht; in Deutschland liegen sie zwischen 12 und 15 Prozent.

 

Darmkrebsvorsorge wird zu wenig genutzt

Der Gemeinsame Bundesausschuss habe jedoch „aus welchen Gründen auch immer“ entschieden, diese Forderungen nicht zu berücksichtigen, so Maar. „Mein Eindruck: Die Fachgesellschaften werden zwar zur Stellungnahme aufgefordert, doch was sie zu sagen haben, interessiert nicht. Nicht einmal dann, wenn alle Fachgesellschaften sich, was selten genug vorkommt, auf ein gemeinsames Konzept geeinigt haben, wie man der Darmkrebsvorsorge zum Erfolg verhelfen könnte.“

„Ich muss sagen, dass ich für dieses Vorgehen des Gemeinsamen Bundesausschusses kein Verständnis habe“, so Maar weiter. „Seit Jahren werden die zu geringen Teilnahmeraten an der Darmkrebsvorsorge beklagt. Jetzt gäbe es die Möglichkeit, ein wirklich fortschrittliches Konzept umzusetzen, das höhere Teilnahmeraten verspricht. Doch der Wille, möglichst viele Mitbürger vor der Diagnose Darmkrebs zu bewahren, ist im G-BA offensichtlich nicht besonders ausgeprägt.“

Die Patientenvertreter im G-BA kritisieren zudem, dass sich im Einladungsschreiben kein Hinweis auf familiäre Darmkrebserkrankungen finden soll. „Hiermit könnten die Anspruchsberechtigten und deren Familien für diese besondere, oft unerkannte tödliche Gefahr sensibilisiert werden“, so die Vertreter.

Foto: Felix Burda Stiftung

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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