. Krebsvorsorge

Darmspiegelung unbeliebt, aber sehr effektiv

Schon seit 15 Jahren haben alle gesetzlich Versicherten ab dem 55. Lebensjahr Anspruch auf eine Darmspiegelung. Da bei der Untersuchung schon Krebsvorstufen entdeckt werden können, kann Darmkrebs in vielen Fällen verhindert werden.
Die Darmspiegelung ist eine der wenigen Früherkennungsmethoden, die Krebs verhindern kann

Die Darmspiegelung ist eine der wenigen Früherkennungsmethoden, die Krebs verhindern kann

Anders als einige Medien derzeit berichten gehört die Darmspiegelung schon seit 2002 zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm. Anspruch darauf haben alle gesetzlich Versicherten ab dem 55. Lebensjahr. Die Untersuchung kann nach zehn Jahren wiederholt werden. Zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm gehören außerdem jährliche Tastuntersuchungen sowie Stuhluntersuchungen. Seit 1. April kann das neben dem Gujak-Test auch ein sogenannter quantitativer immunologischer Stuhltest (iFOBT) Tests sein. Diese Untersuchung steht den Versicherten schon ab dem 50. Lebensjahr zu und kann jedes Jahr wiederholt werden.

Darmspiegelung kann Darmkrebs verhindern

Bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) wird der Enddarm von innen angeschaut. Der große Vorteil: Entdeckt der Arzt Polypen können diese gleich mit einer Schlinge entfernt werden. Bei etwa 20 bis 50 Prozent der Patienten werden kleinere Polypen, also sehr frühe Fälle von Krebsvorstufen, entdeckt. Da sich diese Vorstufen zu Darmkrebs entwickeln können, ist die Darmspiegelung eine der wenigen Untersuchungen, mit der Krebs tatsächlich verhindert werden kann.

Etwa ein bis fünf Prozent der Patienten haben zum Zeitpunkt der Untersuchung einen großen Polypen oder ein frühes Karzinom, das aber in der Regel gut operabel und heilbar ist. Nur bei einem sehr kleinen Teil der Patienten werden Karzinome im fortgeschrittenen Stadium gefunden, die zum Teil schon metastasiert sind.  

Nur jeder fünfte macht mit

Laut der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) lässt sich mit der Teilnahme am Früherkennungsprogramm das individuelle Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, um bis zu 80 Prozent senken. Trotzdem erkranken in Deutschland jedes Jahr über 60.000 Menschen an Darmkrebs. Die DGVS führt das darauf zurück, dass noch zu wenig Menschen die Vorsorgeuntersuchungen nutzen: Seit Einführung des Screening hat nur jeder fünfte daran teilgenommen.

Vorbereitung wirkt abschreckend

Experten vermuten, dass es die aufwändige Vorbereitung ist, die viele vor einer Darmspiegelung abschreckt. Der Darm muss nämlich zuvor vollkommen entleert werden. Dazu muss ein Präparat am Tag und am Morgen vor der Untersuchung zusammen mit mehreren Litern Wasser getrunken werden. Da der Magen ebenfalls nüchtern sein muss, wird vielen Menschen übel. Zudem entwässern die Mittel stark, was Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme mit sich bringen kann.

Trotz dieser Nachteile: Daten vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zeigen, dass eine Darmspiegelung Leben retten kann. In Deutschland wurden zwischen 2003 und 2012 rund 180.000 Darmkrebsfälle verhindert und weitere 40.000 Fälle in einem sehr frühen Stadium entdeckt.

Foto: © Markus Mainka - Fotolia.com

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Darmkrebs , Darmspiegelung (Koloskopie) , Früherkennung

Weitere Nachrichten zum Thema Darmspiegelung

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.