. Krebsvorsorge

Immer mehr junge Menschen erkranken an Darmkrebs

Eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs wird in Deutschland im Regelfall erst ab dem 56. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Experten empfehlen jedoch, das Darmkrebs-Screening schon in einem deutlich früheren Lebensalter anzusetzen.
Immer mehr junge Menschen haben Darmkrebs

Bei Darmkrebs ist eine frühe Diagnose besonders wichtig

Viele Menschen glauben, an Darmkrebs erkranken nur ältere Personen. Doch Krebsregisterdaten aus Frankreich und Amerika zeigen, dass die Zahl der Darmkrebserkrankungen bei unter 50-Jährigen seit Anfang der 1990er Jahre jährlich um etwa 1,5 Prozent zunimmt. Vor allem die Altersgruppe der 20 bis 29-Jährigen ist betroffen. „Das Beunruhigende an diesen Zahlen ist die Tatsache, dass diese Patienten oft erst sehr spät entdeckt werden“, erläutert Dr. Aschenbeck, Darmkrebs-Experte des Berufsverbands Niedergelassener Gastroenterologen (bng). Denn eine Darmspiegelung wird in Deutschland im Regelfall erst ab dem 56. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten. Der bng fordert hingegen die Vorsorgekoloskopie schon in jüngeren Jahren.

Frühe Diagnose rettet Menschenleben

„Darmkrebs entwickelt sich schleichend und bleibt deshalb in vielen Fällen lange Zeit unbemerkt", erklärt Aschenbeck. "Hinzu kommt eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer von Fehldiagnosen, weil bei den jungen Patienten häufig keine typischen Symptome zu verzeichnen sind. Dabei hängen die Heilungschancen allerdings sehr von einer frühzeitigen Diagnose ab.“ Denn Darmkrebs kann – anders als zum Beispiel Lungenkrebs – durch Früherkennung bei den meisten Menschen geheilt werden.

Das Risiko, schon in jungen Jahren an Darmkrebs zu erkranken, ist trotz der steigenden Zahlen insgesamt eher gering. Für Männer liegt das mittlere Erkrankungsalter bei 71, für Frauen bei 75 Jahren. Nur jeder zehnte Betroffene erkrankt vor dem 55. Lebensjahr. Tritt schon vor dem 35. Lebensjahr Darmkrebs auf, handelt es sich oft um eine erbliche Form. Warum die Zahlen jedoch ansteigen, ist nicht bekannt. Zur Diskussion stehen Aschenbeck zufolge Änderungen in der Lebensführung, veränderte Ernährungsgewohnheiten und die Zunahme von chronischen Stoffwechselerkrankungen bei jungen Menschen.

 

Darmkrebs zweithäufigste Todesursache durch Krebs

Darmkrebs ist mit über 73.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste bösartige Tumorerkrankung in Deutschland und die zweithäufigste Krebstodesursache. Jedes Jahr sterben fast 30.000 Menschen an der Erkrankung. Dabei könnten Schätzungen zufolge etwa 80 Prozent aller Darmkrebserkrankungen durch eine vorsorgliche Darmspiegelung vermieden werden. Doch schon die heute empfohlenen und von den Krankenkassen übernommenen Vorsorgeuntersuchungen werden nur von etwa 18 Prozent der Berechtigten wahrgenommen. Und nach Auffassung des bng müssten diese Untersuchungen noch viel früher als bisher empfohlen stattfinden.

Foto: psdesign1 – fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
 
. Weitere Nachrichten
Beim Leistungssport gilt die Regeneration als mindestens ebenso wichtig wie das Training selbst. Welche Methoden bei der Erholung am besten helfen, haben nun Forscher in einem Langzeitprojekt untersucht. Allgemeine Empfehlungen für eine aktive Regeneration konnten sie daraus jedoch nicht ableiten.
Karies tut nicht nur weh. Wenn Kinder Karies haben, kann das einen Schaden fürs ganze Leben bedeuten. Ein Drittel der Zwölfjährigen musste deshalb schon Erfahrung mit dem Zahnarztbohrer machen – wegen Schäden im bleibenden Gebiss. In einer Stadt ist das Karies-Problem besonders groß.
 
 
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.