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01.06.2020

COVID-19: Interleukin-6 als Biomarker für schweren Verlauf?

Bei Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen ist der Botenstoff Interleukin-6 im Blut erhöht. Das haben Ärzte des LMU Klinikums in einer Pilotstudie herausgefunden. Demnach könnte der Interleukin-6-Spiegel als Biomarker fungieren und auf die Notwendigkeit einer Intensivbetreuung hinweisen.
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Forscher suchen unter Hochdruck nach Biomarkern, die den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung vorhersagen können

Mittlerweile ist bekannt, wie unterschiedlich eine COVID-19-Erkrankung verlaufen kann. Möglichst früh zu erkennen, wie schwer der Verlauf ist und ob ein Lungenversagen droht, ist daher besonders wichtig. Nun haben Mediziner der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München herausgefunden, dass ein bestimmter Biomarker frühe Hinweise auf die Schwere des Verlaufs geben könnte. Die Ergebnisse wurden jetzt im „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht.

Vorhersage des Verlaufs für Ärzte und Patienten wichtig

Die meisten Menschen erkranken nach einer Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 nur leicht und erholen sich rasch. Bei etwa fünf Prozent der Patienten kommt es aber zu einem schweren Erkrankungsverlauf mit Atemnot. Einige dieser Patienten müssen auf der Intensivstation künstlich beatmet werden. Bei einer schnell steigenden Zahl an Infektionen könnten so die Kapazitäten der Intensivstationen überlastet werden.

„Wir sahen im März und April viele Patienten mit COVID-19 in unserer Notaufnahme und mussten entscheiden, bei welchen der Patienten mit einem schweren Verlauf der Erkrankung zu rechnen ist“, erklären PD Dr. Tobias Herold und Dr. Tobias Weinberger, Oberärzte der Zentralen Notaufnahme am Campus Großhadern des LMU Klinikums. Biomarker zur Vorhersage des wahrscheinlichen Verlaufs sind daher sehr wichtig, um diejenigen Patienten zu erkennen, denen eine Verschlechterung des Zustandes droht.

 

Bei schweren Verläufen war Interleukin-6 erhöht

Gemeinsam mit weiteren Kollegen haben die Forscher nun in einer Pilotstudie den klinischen Verlauf und die Laborparameter von 89 Patienten mit COVID-19 untersucht, die aufgrund der Schwere der Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten. Von dieser Gruppe mussten 32 Patienten – größtenteils Männer – künstlich beatmet werden.

Wie sich herausstellte, wiesen alle Patienten erhöhte Werte eines Markers für Entzündungen auf, nämlich Interleukin-6 (IL-6). Mehr noch: „Ein IL-6-Wert von über 80 Pikogramm/Milliliter sowie ein CRP-Wert über 9,7 Milligramm/Deziliter während der Erkrankung sagte das spätere Lungenversagen mit hoher Genauigkeit voraus“, so Herold. Das Risiko für ein Lungenversagen war für Patienten mit erhöhten Werten um ein Vielfaches gesteigert.

Weitere Studien notwendig

Unklar bleibt jedoch, ob Interleukin-6 ein zentraler Faktor des ausufernden Krankheitsgeschehens bei COVID-19 ist oder lediglich einen Marker der Krankheitsaktivität darstellt. Falls ersteres zutrifft, könnten Medikamente, die in diesen Entzündungsprozess eingreifen, den Erkrankungsverlauf positiv beeinflussen. Um dieser Frage nachzugehen, wird aktuell ebenfalls am LMU Klinikum die COVACTA Studie durchgeführt. Hierbei wird versucht, den Entzündungsprozess zu bremsen.

Foto: Adobe.stock / Markus Mainka

Autor: anvo
Hauptkategorie: Corona
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