Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
22.06.2017

Cannabis auf Rezept: Patienten stoßen auf Hürden

Mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes am 10. März 2017 ist die medizinische Anwendung von Cannabis in Deutschland keine Ausnahmeregelung mehr. Dennoch stoßen viele Patienten bei Verordnung und Kostenübernahme auf Hürden.
Cannabis auf Rezept

Viele Schmerzpatienten erhoffen sich von Cannabis eine Linderung ihrer Beschwerden

Für nicht wenige Patienten ist es die letzte Rettung: Cannabis, das gegen unerträgliche chronische Schmerzen eingesetzt werden kann, wenn andere Therapien versagen oder zu viele Nebenwirkungen haben. So war die Hoffnung groß, als am 10. März 2017 das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ in Kraft getreten ist, das es Ärzten erlaubte, schwer kranken Patienten Cannabis-Arzneimittel zu verschreiben.

Doch nun sind viele Schmerzpatienten enttäuscht von der Umsetzung des Gesetzes. So ist Cannabis aus der Apotheke durch das Gesetz teurer geworden. Etwa 25 Euro kostet ein Gramm. Zwar können die Kosten theoretisch von den Krankenkassen übernommen werden – auch das ist Bestandteil des neuen Gesetzes –, doch diese verweigern die Übernahme oft.

Viele Ärzte verschreiben Cannabis nicht

Es gibt noch weitere Probleme: Patienten müssen überhaupt erst mal einen Kassenarzt finden, der ihnen Cannabis verschreibt, und das scheint nicht so einfach zu sein. Denn für die Ärzte bedeutet die Verschreibung von Cannabis auf Rezept einen hohen Verwaltungsaufwand, den viele scheuen. Auch droht ihnen wegen der hohen Kosten für Cannabis ein Regress wegen Überschreitung ihres Budgets, wie Franjo Grotenhermen, selbst Arzt und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, erklärt. „Da muss die Politik nachbessern“, fordert Grotenhermen.

Voraussetzung für eine Verschreibung von Cannabis ist eine schwerwiegende Erkrankung, für die entweder keine andere Therapie zur Verfügung steht oder diese mit nicht tolerierbaren Nachteilen einhergeht. Eingesetzt werden kann Cannabis unter anderem bei Schmerzen, Spastiken beispielsweise durch Nervenverletzungen oder Multiple Sklerose, Appetitlosigkeit und Abmagerung im Rahmen fortgeschrittener Aids- und Krebserkrankungen oder bei Nebenwirkungen einer Chemotherapie.

 

Kostenübernahme durch Kassen oft schwierig

Vor der Gesetzesänderung am 10. März mussten Patienten für ein Cannabis-Rezept eine Genehmigung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einholen. Zudem waren eine Verordnung sowie die Kostenübernahme durch die Krankenkassen nur als Ausnahmeregelung möglich. Dies hat sich nun geändert, und die gesetzlichen Krankenkassen müssen die Kosten für eine Therapie mit Medizinal-Hanf im Regelfall übernehmen - eigentlich. Doch offenbar geschieht dies in vielen Fällen nicht.

In jedem Fall müssen Patienten vor der Erstverordnung eine Genehmigung durch ihre Krankenkasse einholen. Diese muss die Entscheidung zur Kostenübernahme dann innerhalb von drei Wochen nach Antragstellung fällen, im Rahmen einer ambulanten Palliativversorgung innerhalb von drei Tagen. Wer sofort mit der Cannabis-Therapie beginnen möchte, muss sich ein Privatrezept ausstellen lassen und die Kosten selbst übernehmen.

Foto: © megaflopp - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schmerzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Cannabis

Alkohol am Steuer: Da ist klar definiert, was erlaubt ist und was nicht. Bei Medizinalhanf ist es diffiziler. Der ist zwar ein Medikament und seit 2017 legal – aber es fehlt der Beipackzettel mit klaren Instruktionen und Warnhinweisen. Für die Patienten, die ihn nutzen, heißt das: gute Selbsteinschätzung, hohes Verantwortungsbewusstsein.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
In Deutschland gibt es ein weltweit einmaliges System von mehr als 12.000 Betriebsärzten – eine Option, um die schleppend laufende Breitenimpfung gegen COVID-19 in Schwung zu bringen. Eine große Mehrheit der Beschäftigten würde ein Impfangebot ihres Arbeitgebers begrüßen. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV.


Alkohol kann im weiblichen Körper schneller Schäden anrichten als im männlichen. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hin. So kommt es bei Frauen leichter zu alkoholbedingten Leberschäden. Als besonders schädlich gilt auch das Trinken in der Schwangerschaft.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin