. Überforderte Eltern

200 Babys erleiden jedes Jahr in Deutschland ein Schütteltrauma

Bis zu 200-mal passiert es jedes Jahr in Deutschland. Weil Eltern oder andere Bezugspersonen das Schreien des Babys nicht mehr aushalten können, schütteln sie es so stark, dass ein Hirnschaden eintritt. Eine Aufklärungskampagne soll nun dazu beitragen, das zu verhindern.
Schreibabys

Schreit ein Baby unaufhörlich, ist das für Eltern eine große Belastung

Wenn ein Baby nicht aufhört zu schreien, kann das Eltern schon mal an den Rand der Verzweiflung bringen. Doch egal, wie unerträglich die Situation zu sein scheint: Das Baby darf niemals geschüttelt werden. Denn Hirnblutungen, Epilepsie, lebenslange schwere Behinderungen und sogar der Tod können die Folgen des Schüttelns sein. Und doch passiert es immer wieder. Bis zu 200 Babys in Deutschland erleiden Jahr für Jahr Hirnschäden durch ein Schütteltrauma. In drei von vier Fällen sind es Männer, welche die Beherrschung verlieren.

Das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart (LGA) und die Techniker Krankenkasse (TK) haben nun eine Informationskampagne gestartet, um Wissenslücken bei den Eltern zu schließen und Babys vor dem lebensgefährlichen Schütteltrauma zu schützen. Ein Flyer der TK mit dem Titel „Schütteln ist lebensgefährlich“ steht in deutscher, englischer, türkischer und russischer Sprache zur Verfügung und kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden.

Schütteltrauma führt zu lebenslangen Schäden beim Säugling

Werden Babys heftig geschüttelt, können Nervenfasern und Blutgefäße reißen, und das kann sogar zum Tod führen. Das Schütteltrauma ist sogar die häufigste nichtnatürliche Todesursache im ersten Lebensjahr. Und von den Babys, die überleben, tragen Schätzungen zufolge rund 70 Prozent schwere neurologische Schäden davon, unter denen sie ein Leben lang leiden. Doch was rät man Eltern, wenn sich das Wunschkind als Schreikind entpuppt und die Nerven jeden Tag blank liegen? Der TK-Flyer gibt Betroffenen Tipps.

Wichtig, so wird in dem Flyer betont, sei es zunächst, sich klarzumachen, dass Babys nun mal schreien und dass das ganz normal ist. Gesunde Säuglinge schreien durchschnittlich zwei bis drei Stunden am Tag – manchmal aber auch viel länger. In Ausnahmefällen kann dies auch mal (mit nur kurzen Unterbrechungen) den ganzen Tag dauern. Die besten Maßnahmen gegen das Schreien sind das sanfte Schaukeln und Wiegen des Babys auf dem Arm. Die TK rät: Gehen Sie langsam mit ihm herum oder spazieren! Sprechen Sie zu dem Baby oder singen Sie leise! Streicheln oder massieren Sie sanft den Bauch oder Rücken des Babys! Und: Wechseln Sie sich in der Betreuung ab!

 

In Extremsituationen Hilfe holen

Manchmal hilft dies alles aber nicht. Vater oder Mutter haben alles versucht, doch das Baby schreit weiter. Die Eltern befinden sich langsam am Ende ihrer Kräfte und ihrer Geduld. Sie wollen nur noch ihre Ruhe haben und selbst schlafen. Doch auch dann sollten die Eltern immer daran denken: Schütteln ist lebensgefährlich und darf niemals eine Option sein!

Die Experten der TK raten, in solchen Ausnahmesituationen etwas Distanz zu schaffen, indem man beispielsweise das Kind kurz an einem sicheren Ort ablegt und den Raum verlässt. Ein Telefongespräch mit einer Vertrauensperson kann ebenfalls helfen. Und Rat und Hilfe bieten auch verschiedene Kontaktstellen, die auf dem Flyer „Schütteln ist lebensgefährlich“ der TK aufgeführt sind.

Wichtig ist es auch, auf Veränderungen des Schreiens des Säuglings zu achten. Wenn das Baby länger und lauter als sonst schreit und / oder einen kranken Eindruck macht, sollte Kontakt zu einem Kinderarzt oder einer Mütterberatung aufgenommen werden.

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Hauptkategorie: Medizin
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