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04.04.2017

Deutsche Babys schreien weniger

Deutsche Babys schreien weniger als ihre Altersgenossen in anderen Ländern. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der University of Warwick.
Neugeborenes

Babys in Deutschland brüllen weniger als in anderen Industrieländern

Psychologie-Professor Dieter Wolke und sein Team werteten in einer Metaanalyse Daten aus bereits vorliegenden Studien aus, in denen fast 8.700 Säuglinge erfasst wurden. Eltern hatten das Schreiverhalten ihrer Kinder schriftlich dokumentiert. Daraus berechnete er, wie lange die Kinder in Deutschland, Dänemark, Japan, Kanada, Italien, den Niederlanden und Großbritannien in den ersten Lebensmonaten üblicherweise weinen oder schreien.

Ergebnis: Im Durchschnitt weinen die neuen Erdenbürger in den ersten zwei Wochen etwa zwei Stunden pro Tag. Das Weinen weitet sich nach sechs Wochen in der Regel auf etwa zwei Stunden und 15 Minuten pro Tag aus und geht dann nach zwölf Wochen auf durchschnittlich 1 Stunde und 10 Minuten pro Tag zurück.

Deutsche Babys schreien weniger

Dabei gab es große individuelle Unterschiede im Brüll-Verhalten: Einige Säuglingen schrien innerhalb von 24 Stunden nur 30 Minuten, andere weinten im selben Zeitraum über 5 Stunden. Exzessives Schreien - definiert als Schreien mehr als 3 Stunden pro Tag an mindestens 3 Tagen pro Woche - trat vor allem in Großbritannien auf.

Hier betraf das 28 Prozent der 1-2 Wochen alten Kinder, in Kanada 34,1 Prozent der 3-4 Wochen alten Säuglinge und Italien 20,9 Prozent der 8-9 Wochen alten Babys. Im Gegensatz dazu schreien deutsche Babys weniger. In Deutschland fand sich ein so hoher Schrei-Pegel nur bei 6,7 Prozent der  3-4 Wochen alten Kinder, in Dänemark sogar nur bei 5,5 Prozent der 3-4 Wochen alten Babys.

 

Ab wann ist das Kind ein Schrei-Baby?

Für das Weinen wurden bislang die so genannten Dreimonats-Koliken verantwortlich gemacht, schmerzliche Verdauungsstörungen, da sich der Verdauungsapparat der Neugeborenen erst einstellen müsse. Heute geht man eher davon aus, dass einige Neugeborene sich anfangs besonders schwer tun, die vielfältigen Reize ihrer neuen Umwelt zu verarbeiten.

Die aktuelle Definition, ob ein Baby zuviel weint, stammt aus dem Jahr 1954. Schreien Neugeborene an mindestens drei Tagen in der Woche länger als drei Stunden, spricht man von Schrei-Babys. Wolke wollte mit den neuen Zahlen Eltern und Gesundheitsexperten unterstützen, um besser abschätzen zu können, welche Schrei-Zeiten in den Industrieländern im Durchschnitt liegen und ab wann man von einem Schreibaby reden könnte, bei dem zusätzliche Unterstützung der Eltern erforderlich ist. In Deutschland gibt es dafür spezielle Schrei-Baby-Ambulanzen.

Körperlicher Kontakt und Ruhe bewahren

Hilfreich seien wohl körperlicher Kontakt sowie ein ruhiges Elternverhalten, bei dem nicht sofort eingegriffen, sondern zunächst kurz gewartet werde, ob der Säugling sich allein wieder beruhige, erklärte Wolke der Agentur dpa. Wichtig für Eltern zu wissen sei zudem: Etwa 40 Prozent des Schreiens in den ersten drei Lebensmonaten sei nicht beruhigbar. "Eltern denken oft, dass sie etwas falsch machen oder dass mit dem Baby etwas nicht in Ordnung ist, wenn sie es nicht gleich beruhigen können."

Für die eigene Psyche sei es für Eltern wichtig zu wissen, wie viel ein normales Baby schreit, erklärte Wolke. Das kann stressen und erschöpfen. "Eltern sind oft nicht darauf vorbereitet, wie viel Säuglinge in den ersten drei Monaten schreien oder wimmern", sagte Wolke der dpa. Für die Eltern gilt es Nerven zu bewahren. Nach etwa drei bis vier Monaten hat sich das Schlaf-Wach-Verhalten oft schon etwas eingependelt.

Ursache der Unterschiede im Schrei-Verhalten unklar

Die Studie erschien im Journal of Pediatrics. Was die Ursachen für das unterschiedliche Schrei-Intensität in den einzelnen Ländern ist, ist unklar. Das Forscherteam vermutet, dass der Umgang mit den Neugeborenen abhängig von den jeweiligen Erziehungsmethoden variiert. Auch kann es ökonomisch bedingte Unterschiede geben: Die Belastung der frischgebackenen Müter kann abhängig sein von Mutterschutzregelungen und sozialer Unterstützung, die sie erfahren.

Auch das Fütter-Verhalten spielt eine Rolle: Kinder, die mit der Flasche gefüttert werden, wachen nachts seltener auf als Kinder, die gestillt werde. Auch das hat Einfuss auf die Schreizeit. Das sollte jedoch keine Mutter davon abhalten davon, zu stillen, denn das hat nachweislich gesundheitsfördernde Effekte für das Kind. Muttermilch ist die beste Ernährung.

Manchmal sind Eltern schreiender Babys so überfordert, dass sie schwere Fehler begehen: Beim Schüttelsyndroms ist in den allermeisten Fällen exzessives Schreien der Auslöser für das Schütteln. Das kann zu Krankenhauseinlieferung, Behinderung oder Tod des Kindes führen.

Foto: S.Kobold/fotolia.com

Autor: bab
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