. Infektiöse Embryopathien

Zika-Virus im ersten Schwangerschaftsdrittel am gefährlichsten

Die Folgen einer Infektion mit dem Zika-Virus während der Schwangerschaft sind noch nicht völlig erforscht. Eine Übersicht zeigt nun, dass eine Infektion in der Frühschwangerschaft die schwersten Schäden hinterlässt.
Zika-Virus kann zu Fehlbildungen führen

Das Zika-Virus kann bei Embryos spezifische Gehirnveränderungen hervorrufen

Eine Infektion mit dem Zika-Virus nimmt bei Erwachsenen normalerweise einen milden Verlauf und ruft höchstens leichte Symptome wie Rötungen der Augenbindehaut, Kopfschmerzen und ein allgemeines Fieber- und Müdigkeitsgefühl hervor. Für Schwangere ist eine Infektion problematischer, da eine Infektion mit dem Zika-Virus zu Gehirnfehlbildungen bei Neugeborenen führt. Nun wurde die bisher umfangreichste Sammlung von radiologischen Befunden betroffener Säuglinge im Fachmagazin Radiology veröffentlicht.

Für die Publikation hat Fernanda Todar-Moll von der Universität Rio de Janeiro die Daten von 17 Kindern mit bestätigter oder vermuteter Infektion zusammengefasst. Die Kinder waren vor der Geburt mittels Ultraschall und Kernspintomographie untersucht worden, nachdem bei den Müttern aufgrund eines Hautausschlags eine Zika-Virusinfektion vermutet worden war. Bei den erkrankten Kindern wurde nach der Geburt zudem eine Computertomographie durchgeführt. Das Ergebnis: Je früher die Infektion in der Schwanger­schaft erfolgte, desto größer scheinen die Schäden beim Embryo zu sein.

Störungen im Ventrikelsystem könnten zur charakteristischen Kopfform beitragen

Bei den beobachteten Feten kam es schon sehr früh zu einer Vergrößerung des Ventrikelsystems, der mit Liquor gefüllten Hohlräume im Innern des Gehirns. Studienautorin Todar-Moll vermutet, dass die Infektion den Abfluss des Liquors behindert. Irgendwann, so die weitere Annahme, kommt es dann offenbar zu einem Kollaps der Ventrikel und zu einem Schrumpfungsprozess des Gehirns, was, so Todar-Moll, die charakteristische Kopfform erklären könnte. Dazu gehören neben einem zu kleinen Hirnschädel (Mikrozephalie) auch überlappende Schädelnähte und ein Überschuss an Hautfalten. Der Schädel sieht also insgesamt so aus, als wäre er für ein größeres Gehirn geplant gewesen.

Auch die kleinen Augen vieler Kinder und die Herniation von orbitalem Fettgewebe in die Schädelhöhle könnten auf die sich ändernden Druck­verhältnisse zurückzuführen sein, vermutet die Radiologin. Die Verkalkungen des Gehirns, die ein weiteres Kennzeichen einer Hirninfektion sind, wurden bei den Feten vor allem am Übergang von der grauen zur weißen Hirnsubstanz gefunden. Damit unterscheidet sich eine Zika-Infektion von anderen infektiösen Embryopathien. Weitere Besonderheiten sind Veränderungen im Corpus callosum, der die beiden Hirnhemisphären des Großhirns verbindet, sowie in den Basalganglien und im Thalamus. Todar-Moll vermutet zudem eine vaskuläre Komponente der Erkrankung.

Zika-Virus breitet sich weiter aus

Derweil ist das Zika-Virus längst nicht mehr auf Mittel- und Südamerika beschränkt, sondern breitet sich weiter aus. Fünf neue Zika-Fälle wurden in Miami Beach im US-Staat Florida gemeldet. Offenbar handelt es sich um eine lokale Ausbreitung auf dem US-Festland selbst, die nicht über Reisende, die infiziert aus Zika-Regionen zurückgekehrt sind, übertragen wurde. In Texas wurden bisher 99 Zika-Fälle gemeldet. Ein Neugeborenes ist hier an den Folgen einer Infektion mit dem Zika-Virus gestorben. Auch in anderen Ländern werden Infektionen gemeldet. So sollen sich in Singapur mittlerweile mindestens 41 Menschen angesteckt haben.

Foto: © VRD - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
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