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Was ist Sex? Das online-Portal „zanzu“ will Flüchtlinge und Migranten aufklären

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat für Flüchtlinge und Migranten ein Sexualkunde-Portal geschaffen. In 13 Sprachen gibt es auf „zanzu.de“ Informationen über Sex, Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft. Manches liest sich wie aus der Zeit gefallen.
Was ist Sex? Das online-Portal „zanzu“will Migranten aufklären

Let’s talk about Sex: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat mit zanzu.de ein gut gemeintes Angebot für Flüchtlinge und Migranten geschaffen. Manch einer könnte sich aber für dumm verkauft fühlen

Am 25. Februar ging zanzu.de online. Das Portal wurde von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Zusammenarbeit mit der belgischen Nichtregierungsorganisation Sensoa entwickelt. Zielgruppe: Flüchtlinge und Migranten, die noch nicht lange in Deutschland leben. In 13 Sprachen gibt es auf „zanzu.de“ Informationen zu sechs Themenblöcken: Körper, Sexualität, Familienplanung und Schwangerschaft, Beziehung und Gefühle, Infektionen sowie Rechte und Gesetze. Wem die ohnehin schon kurzen Sätze noch zu lang sind, kann das Menü „Leichte Sprache“ wählen. Und Analphabeten können sich die Texte praktischerweise vorlesen lassen. Zudem sind alle Menüpunkte mit Piktogrammen bebildert.

Gebrauchsanleitung für die Benutzung eines Kondoms

Sexuell übertragbare Krankheiten werden zum Beispiel unter dem Stichpunkt „Infektionen“ ausführlich abgehandelt. Für jede denkbare Infektionskrankheit von Krätze bis HIV/AIDS gibt es eine eigene Unterseite. Zum Schutz wird zu einem Kondom geraten, dessen Gebrauch auf der Seite „So verwenden Sie ein Kondom“ in sieben Schritten und mit Piktogrammen erklärt wird. Spätestens jetzt wirkt das gut gemeinte Angebot wie aus der Zeit gefallen. Wissen Männer aus Syrien, Afghanistan oder Marokko nicht wie man ein Kondom benutzt? Auch wenn Gründe aufgelistet werden, warum Menschen Sex haben, zum Beispiel aus Lust oder weil sie Kinder haben wollen, fragt man sich, wie ernst die Zielgruppe eigentlich genommen wird. Gleiches gilt für Sätze wie „Partnerinnen/Partner in einer Beziehung sind nicht zwei identische Personen.“ Dieses Fundstück findet sich in der Rubrik „Beziehungen und Gefühle“.

Der Satz „Sexuelle Gewalt ist in Deutschland verboten“ fehlt

Dabei enthält das online-Portal durchaus sinnvolle Informationen. Unter dem Punkt „Rechte und Gesetze“ finden sich Hinweise wie diese: „Niemand darf körperliche Gewalt, seelische Gewalt oder sexuelle Gewalt gegen die Partnerin/den Partner ausüben. Das heißt, es ist zum Beispiel verboten die Partnerin/den Partner zu schlagen, ihr/ihm zu drohen oder sie/ihn zu vergewaltigen. Es ist auch verboten, die Partnerin/den Partner einzusperren und gegen ihren/seinen Willen gefangen zu halten.“ Leider wird nirgendwo deutlich, dass dies auch gegenüber fremden Personen gilt. Offenbar scheuen sich die Autoren vor deutlichen Ansagen wie „Sexuelle Gewalt ist in Deutschland verboten“.

Sinnvoll sind sicher die Kontaktdaten von Notrufzentralen für Frauen oder die vielen Tipps zur Familienplanung und Verhütung. Über den Sinn oder Unsinn des Kapitels „Was ist Sex?“ kann man dagegen streiten. So lernt der Leser mit oder ohne Migrationshintergrund zum Beispiel, dass Sex eine „normale und positive Art ist, sich selbst auszudrücken.“ Ach so?

Unüberschaubare Anzahl von Unterkapiteln

Insgesamt krankt die Seite daran, dass sie zu viele Menüpunkte enthält. Unter dem Untermenüpunkt „Ihre Rechte“ finden sich zum Beispiel 19 weitere Unterkapitel. Das macht das Ganze unübersichtlich und erinnert an die Endlos-Warteschleifen, in denen man ständig neue Untermenüs zur Auswahl bekommt und irgendwann verzweifelt den Hörer auflegt. Die Frage muss erlaubt sein, wie Menschen, die angeblich so wenig über Sexualität wissen, mit einer so differenzierten Auswahl zu Recht kommen sollen?

Die Politik begründet den Start der Seite damit, dass in vielen Herkunftsländern der Zugang zu Wissen über die verschiedenen Aspekte der sexuellen Gesundheit eingeschränkt und meist nicht Gegenstand der Schulbildung seien. So lobte Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das mehrsprachige Angebot als diskreten und direkten Zugang zu Wissen in diesem „sensiblen Bereich.“ „Migrantinnen und Migranten brauchen verständliche und anschauliche Informationen zu allen Fragen sexueller und reproduktiver Gesundheit“, sagte sie. Laut BZgA-Direktorin Dr. Heidrun Thaiss richtet sich zanzu.de nicht nur an „in Deutschland Ankommende“, sondern sei auch für Beratungsstellen und für die ärztliche Behandlung von großem Wert. Was Sozialarbeiter und Ärzte auf zanzu.de lernen sollten, sagte sie allerdings nicht. 

Foto: © Jan Engel - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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