. Welt-AIDS-Tag 2014

AIDS und HIV: Viele unterschätzten das Risiko

In Deutschland leben rund 14.000 Menschen mit einer HIV-Infektion, ohne es zu wissen. Die Deutsche AIDS-Hilfe rät schwulen Männern und Drogenabhängigen zu einem jährlichen HIV-Test. Dadurch könnten sie sich und andere besser vor AIDS schützen.
AIDS und HIV: Viele unterschätzten das Risiko

HIV: Hohe Zahl unerkannter Infektionen erhöht das Ansteckungsrisiko

Durch die hohe Zahl der unerkannten Infektionen ist die HIV-Ansteckungsgefahr weiterhin groß. Laut dem Robert Koch-Institut lebten Ende 2013 etwa 14.000 Menschen in Deutschland mit einer HIV-Infektion, ohne es zu wissen. Das waren rund 1.000 mehr als im Jahr zuvor. Ein Grund, warum viele von einer Infektion nichts wissen, ist, dass es bis zu zehn Jahre dauern kann, bis die Krankheit AIDS ausbricht. Rund die Hälfte der 14.000 Infizierten ist laut Deutscher AIDS-Hilfe schon länger als drei Jahre infiziert. Bei 7,2 Prozent besteht die Infektion sogar schon zehn Jahre oder länger. „Für die Betroffenen führt dies zu einem hohen Risiko schwerer Gesundheitsschäden, die heute vermeidbar sind“, sagt Manuel Izdebski vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe. „Aber auch das Risiko beim Sex ohne Kondom auf einen Partner mit hoher Viruslast zu treffen und sich zu infizieren, ist in den letzten Jahren gestiegen.“ Dies gelte vor allem für die besonders stark betroffenen Gruppen wie schwule Männer und Menschen, die intravenös Drogen konsumierten.

HIV-Test ermöglicht frühen Therapiebeginn

Aus Sicht der AIDS-Hilfe besteht die vordringlichste Aufgabe der Prävention heute darin, Menschen zum Test zu motivieren, wenn sie ein Risiko haben. So könne zum optimalen Zeitpunkt mit der Therapie begonnen werden. Einmal im Jahr ein HIV-Test wäre optimal. Allerdings müssten hierfür besser Voraussetzungen geschaffen werden und zum Beispiel in Aidshilfen, schwulen Zentren und Einrichtungen der Drogenhilfe an anonyme und vertrauenswürdige Testangebote geschaffen werden.

Bislang scheuen sich viele Menschen vor einem HIV-Test oder sie schätzen ihr Risiko falsch ein. Andererseits denken auch viele Ärzte sogar bei HIV-typischen Symptomen nicht daran, einen HIV-Test anzubieten. „Wenn sich mehr Menschen auf HIV testen lassen würden, könnte es bei uns noch deutlich weniger Infektionen geben“, so Manuel Izdebski.

Kondome geraten in Vergessenheit

Die Barmer Krankenkasse erinnert zum Welt-AIDS-Tag unterdessen an Kondome. „Vielen Menschen ist nicht mehr präsent, dass die Krankheit Aids immer noch am häufigsten durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen wird. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte daher immer ein Kondom benutzen“, rät Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER GEK. Das gelte etwa für Menschen die häufig wechselnde Partner haben. So sei auch ein Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten gewährleistet. Unabhängig davon müsse weiterhin darüber aufgeklärt werden, dass AIDS immer noch nicht heilbar ist. Aufgrund der besseren Therapien werde die Erkrankung heute von vielen Menschen unterschätzt.

Foto: © beermedia.de - Fotolia.com

Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
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