. Qualitätskongress Gesundheit

Sepsis als eigene Krankheit wahrnehmen

Sepsis ist eine häufige und potenziell tödliche Erkrankung. Dennoch wird nach Expertenmeinung viel zu wenig darüber gesprochen. Nach wie vor sterben viele Menschen an Sepsis, weil die Erkrankung zu spät erkannt oder nicht adäquat behandelt wird.
Zu viele Sepsis-Tote in Deutschland

Viele Todesfälle durch Sepsis wären vermeidbar

Die Zahl der Todesfälle durch Sepsis in Deutschland ist nach wie vor viel zu hoch. Darüber waren sich Experten auf dem Nationalen Qualitätskongress Gesundheit, der am 1. und 2. Dezember 2016 in Berlin stattfand, einig. Sie diskutierten unter anderem, wie die Zahl der Sepsis-Toten in Deutschland gesenkt werden könnte. Denn viele dieser Fälle wären durch eine schnellere Diagnose und adäquate Behandlung vermeidbar. Als eines der Hauptprobleme bezeichneten die Experten die Tatsache, dass Sepsis kaum als eigenständige Krankheit wahrgenommen und zu wenig darüber gesprochen wird.

Thema Sepsis verschwindet hinter anderen Krankheiten

„Sepsis hat keine Lobby“, fasste Professor Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Ulm, die Problematik zusammen. Damit ist gemeint, dass der Sepsis im Krankenhausalltag zu wenig Beachtung geschenkt wird. Da es für Sepsis kein eigenes Fachgebiet gibt, wird sie häufig nur als „Co-Krankheit“ anderer Erkrankungen wahrgenommen und erscheint nicht einmal immer in den Akten. So weiß beispielsweise bei Verlegungen das Personal oft gar nicht, dass der Patient an einer Sepsis leidet, wie Professor Konrad Reinhart, Vorsitzender der Global Sepsis Alliance (GSA) sowie ehemaliger Leiter der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Ulm, auf dem Kongress betonte.

Die Experten monierten auch, dass das Thema Sepsis zurzeit hinter den vieldiskutierten multiresistenten Keimen und Antibiotikaresistenzen verschwinde. Um letztere zu vermeiden, sei es wichtig, das richtige Antibiotikum in ausreichender Dosierung zu geben, erklärte Professor Kaisers.

 

Viele Todesfälle durch Sepsis vermeidbar

Über 50.000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr an der Sepsis, einer Disfunktion der Organe als Reaktion auf eine Infektion, die sich im Körper ausgebreitet hat. Die einzige mögliche Behandlung: eine schnelle, hochdosierte Antibiotikatherapie, die möglichst innerhalb von einer Stunde nach der Diagnose einsetzen sollte. Etwa 15.000 bis 20.000 Todesfälle pro Jahr wären nach Ansicht der Experten durch Impfungen im Vorfeld beziehungsweise die richtige Behandlung vermeidbar - zumal es eindeutige Warnsignale für eine Sepsis gibt. Insbesondere der Laktatwert kann einen relativ einfach festzustellenden Hinweis auf eine Gesamtinfektion des Körpers liefern. Wird eine Sepsis festgestellt, müsse sie immer als Notfall behandelt werden, betonten die Experten.

Mehr Aufklärung gefordert

Bisher wurden bei der Bekämpfung der Sepsis in Deutschland kaum Fortschritte gemacht, erklärte Professor Reinhart. Immerhin haben innerhalb des Qualitätsbündnisses Sepsis seit Februar 2016 Kliniken begonnen, gezielt Daten zu Sepsis-Fällen zu sammeln und zur Analyse weiterzugeben. Dennoch scheitern viele Bemühungen immer noch am mangelnden Willen von Politik und Krankenhausleitungen, wie Reinhart bemängelte. Um die Todesfälle durch Sepsis in Deutschland zu reduzieren, forderte er eine bessere Aufklärung der Öffentlichkeit, die Etablierung von Patientenprotokollen, die Entwicklung der Sepsisvermeidung zum Qualitätsindikator an Kliniken sowie die Erstellung eines Nationalen Aktionsplans gegen Sepsis.

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Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
 

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