. Sepsis

Neue Richtwerte erleichtern Diagnose von Blutvergiftungen

Eine Sepsis endet nicht selten tödlich. Wissenschaftler haben nun einen neuen Richtwert ermittelt, wie oft auf Intensivstationen eine Blutkulturdiagnostik durchzuführen ist. Das soll die Diagnose von Blutvergiftungen erleichtern.
Blutvergiftungen besser erkennen

Blutvergiftungen enden häufig tödlich.

MRSA sind mittlerweile in aller Munde. Die multiresistenten Keime führen insbesondere in Krankenhäusern immer wieder zu schweren Infektionen. Die Todesursache ist dann meist eine bakterielle Sepsis, also eine Entzündungsreaktion des Körpers auf eine Infektion, die sich über das Blut auf den ganzen Körper ausbreitet.

Trotz ständiger Verbesserung der medizinischen Versorgung stellen solche schweren Infektionen immer noch ein großes Problem dar. Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 150.000 Menschen an einer Sepsis, die umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt wird. In über 30 Prozent der Fälle endet sie sogar tödlich. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben nun untersucht, wie die diagnostischen Prozesse bei einer Blutvergiftung verbessert werden können. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich im „Journal of Clinical Microbiology“.

Blutkulturdiagnostik ermöglicht Bestimmung der Erreger

Um eine Sepsis festzustellen, setzen Ärzte die sogenannte Blutkulturdiagnostik ein. Dabei werden Blutkulturen angelegt, um unter anderem die Erregerstämme, die zur Blutvergiftung geführt haben, zu bestimmen und Resistenzmechanismen aufzudecken. Die Methode ist nach Expertenmeinung sehr sicher, doch sie wird nicht häufig genug angewendet, wie auch Professor Rafael Mikolajczyk, Leiter der Arbeitsgruppe „Epidemiologische und statistische Methoden“ am HZI bemängelt.

Forscher des HZI haben daher in Zusammenarbeit mit dem „Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen“ und dem „Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Sepsis und Sepsisfolgen“ einen Richtwert ermittelt, an dem Kliniken ablesen können, wie häufig sie eine Blutkulturdiagnostik durchführen sollten. Nur wenn die Kliniken diesen Richtwert erreichen, werden die meisten Sepsisfälle rechtzeitig und zuverlässig erkannt und die betroffenen Patienten können adäquat behandelt werden.

 

Todesfälle durch Blutvergiftungen reduzieren

„Zunächst beschränken wir uns auf Intensivstationen, da hier der größte Teil der Sepsisfälle auftritt“, erläutert Dr. André Karch, wissenschaftlicher Mitarbeiter am HZI und Erstautor der Studie. „In diesem Zusammenhang konnten wir auch zeigen, dass nur ein Drittel der in unserer Studie untersuchten Intensivstationen Blutkulturen in ausreichender Menge anlegt. Auf Intensivstationen, die nicht an der Studie teilgenommen haben, könnte dies sogar noch seltener passieren.“

Die Wissenschaftler am HZI möchten nun durch weitere Studien Richtwerte für andere Stationen in Krankenhäusern ermitteln. „Langfristig hoffen wir, den Krankenhäusern damit zu helfen, ihre Sepsisdiagnostik zu verbessern“, so Karch. Dies sei ein wichtiger Schritt, um die Zahl der Todesfälle durch Blutvergiftungen zu senken.

Foto: © DOC RABE Media - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sepsis

| Das Risiko für ein Toxisches Schocksyndrom (TSS) durch die Verwendung von Tampons ist äußerst gering. Frauenärzte raten grundsätzlich zu einer sorgfältigen Menstruationshygiene. Die lebensbedrohliche Infektionskrankheit kann auch andere Ursachen als die Tamponkrankheit haben.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
 
. Weitere Nachrichten
Bienen könnten die Polizeiarbeit unterstützen, so die Nachricht der Gewerkschaft Polizei (GdP). Die Insekten seien dank ihres außergewöhnlichen Geruchsinns hervorragend geeignet, Substanzen wie Drogen, aber auch Menschen aufzuspüren, teilte die Gewerkschaft in ihrer Mitgliederzeitschrift mit.
Künstliche Intelligenz in der Medizin nutzt digital vorliegende Informationen, um die Diagnose und Behandlung von Krankheiten zu erleichtern. Bereits heute trägt KI dazu bei, Krankheiten effizienter zu diagnostizieren, Medikamente zu entwickeln und Gene zu editieren.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.