. Arzneimittelversorgung

Pharmaindustrie meldet Lieferenpässe bei Heparin

Aufgrund der Schweinepest gibt es derzeit Lieferengpässe bei Heparin. Besonders in China stockt die Produktion. Das hat nach Angaben des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie auch Auswirkungen auf Deutschland.
Heparine sind aktuell von Lieferengpässen betroffen

Heparine sind aktuell von Lieferengpässen betroffen

Der Blutgerinnungshemmer Heparin ist derzeit von einem Lieferengpass betroffen. Grund ist die Schweinepest: Die Wirkstoffe werden nämlich biologisch aus Schweinen gewonnen. „Dass die Heparinproduktion insbesondere in China stockt, hat auch Auswirkungen auf die Situation in Deutschland und Europa“, sagt Dr. Kai Joachimsen vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). Die europäischen Quellen könnten den Engpass nur schwerlich abfedern. „Wenn Hersteller ausfallen, lässt sich die komplexe Produktion nicht einfach über Nacht hochfahren“, so Jochimsen.

Heparin beugt Thrombosen und Schlaganfällen vor

Niedermolekulare Heparine sind Blutgerinnungshemmer, die zum Beispiel vor und nach Operationen oder bettlägerigen Patienten gegeben werden, um Thrombosen und Embolien zu verhindern. Jeder, der einmal operiert worden ist, kennt die kleinen Spritzen in den Bauch. Außerdem werden kardio-vaskuläre Erkrankungen damit behandelt. Der Stellenwert von Heparinen in der Medizin ist nach wie vor hoch. Umso härter können Lieferengpässe die Versorgung treffen.

Steigende Produktionskosten und staatliche Belastungen gefährdeten zusätzlich die Versorgungssicherheit, kritisiert Joachimsen mit Blick auf die geplante Absenkung der Festbeträge im Heparinsegment durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). „Solche ordnungspolitischen Fehlregulierungen sind kontraproduktiv und vergrößern das Ausmaß der Lieferschwierigkeiten ohne Not“, sagte er. Nicht jeder Anbieter könne die Aufzahlungen über Festbeträge verkraften. Mögliche Folge sei eine Reduzierung der Anbietervielfalt zulasten der Versorgung mit Heparinen.

 

Lieferengpässe ein wachsendes Problem

Lieferengpässe von Arzneimitteln sind ein wachsendes Problem. Seit dem Jahr 2014 hat sich die Zahl der gemeldeten Arzneimittel-Lieferengpässe verneunfacht – von damals 30 auf 268 in 2018. Mehr als die Hälfte der fehlenden Wirkstoffe gelten als versorgungsrelevant.

Gründe für die Lieferengpässe sind Konzentration auf wenige Wirkstoffhersteller, die oft in China sitzen, wie der aktuelle Lieferengpass bei Heparinen zeigt. Manchmal kommt es auch zu Qualitätsmängeln bei der Herstellung, Produktions- und Lieferverzögerungen bei Rohstoffen oder etwas Produktionseinstellungen.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Heparin , Blutgerinnungshemmer
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lieferengpässe

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Kopflausbefall ist europaweit die häufigste Parasiten-Erkrankung im Kindesalter. Fälschlicherweise wird der Befall oft auf mangelnde Hygiene zurückgeführt. Betroffene schämen sich und schweigen. Dabei ist es wichtig, über das Tabuthema offen zu sprechen und die Parasiten so schnell es geht zu behandeln. Sonst können sie weitere Familienmitglieder, Mitschüler oder Freunde befallen.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.