. Nierenerkrankungen

Genetische Veränderungen bei Zystennieren entschlüsselt

Zystennieren können zu Nierenversagen führen und sind bisher nur durch eine Nierentransplantation heilbar. Um neue Therapien zu entwickeln, ist es wichtig, die Ursachen der Erkrankung zu entschlüsseln. Forschern des Universitätsklinikums Freiburg ist hier nun ein wichtiger Schritt gelungen.
Nierenzysten

Bei Zystennieren droht ein Nierenversagen

Bei einer Nierenzyste bildet sich ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum in der Niere. Solche einzelnen Zysten an einer Niere kommen häufig vor und sind meist harmlos. Kommt es allerdings zu mehreren Zysten, spricht man von einem polyzystischen Nierenleiden, auch Zystennieren genannt. Fast immer sind diese Veränderungen genetisch bedingt und erste Symptome machen sich schon in der frühen Kindheit bemerkbar. Polyzistische Nierenerkrankungen führen bei den Betroffenen neben einer eingeschränkten Nierenfunktion häufig zu Bluthochdruck und Lebersymptomen; schließlich droht sogar ein Nierenversagen. Bei der Suche nach den Ursachen der Erkrankung haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg gemeinsam mit anderen deutschen und internationalen Kollegen nun bestimmte Mutationen gefunden, die der gestörten Nierenfunktion zugrunde liegen.

Mehr Gene an Erkrankung beteiligt als bisher angenommen

Die Autosomal Rezessive Polyzystische Nierenerkrankung (ARPKD) zeigt sich meist schon bei der Geburt oder im frühen Kindesalter und verläuft besonders schwer. Das internationale Forscherteam fand nun heraus, dass Veränderungen im Gen DZIP1L an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind. Die Mutationen führen offenbar zu einer fehlerhaften Zilienfunktion auf den Nierenzellen. Zilien sind antennenförmige Fortsätze, die für die Zellteilung und -kommunikation wichtige Prozesse regulieren. Störungen der Zilien gelten schon länger als mögliche Ursache von Zystennieren.

„Bei unseren Untersuchungen hat sich gezeigt, dass an dieser eher seltenen Form der Zystennieren mehr Gene beteiligt sind als ursprünglich angenommen“, erklärt Studienleiter Professor Carsten Bergmann, Wissenschaftler an der Klinik für Innere Medizin IV des Universitätsklinikums Freiburg und Leiter des Zentrums für Humangenetik beim Labordienstleister Bioscientia. „Darum sollten Patienten mit Zystennieren zukünftig auch auf Veränderungen im Gen DZIP1L untersucht werden, wenn die bisherigen Genanalysen keine Auffälligkeiten zeigen“, so Bergmann.

 

Hoffnung auf neue Therapieoptionen bei Zystennieren

Mit Hilfe neuer Sequenziertechniken fanden die Wissenschaftler in Blut- und Gewebeproben von betroffenen Patienten die Veränderungen im Gen DZIP1L. Bei Versuchen an Zebrafischen schalteten sie das Gen gezielt aus; daraufhin war die Nierenfunktion beeinträchtigt. In weiteren Zellanalysen zeigte sich, dass die antennenförmigen Zilien auf den Nierenzellen nicht mehr richtig funktionierten. Zudem fanden die Forscher heraus, dass DZIP1L auch bei der wesentlich häufigeren Autosomal Dominanten Polyzistischen Nierenerkrankungen (ADPKD) eine wichtige Rolle spielt. Von ihr sind etwa ein bis zwei von tausend Personen in Deutschland betroffen. Schätzungen zufolge leiden etwa zehn Prozent aller Patienten, die wegen Nierenversagens regelmäßig eine Blutwäsche benötigen, an ADPKD. Die Forscher hoffen nun, dass ihre Erkenntnisse Ansatzpunkte für neue Therapien bei Zystennieren ergeben.

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