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Zu wenige Lehrstühle für Altersmedizin

Sonntag, 1. Dezember 2013 – Autor: Anne Volkmann
Der Anteil älterer Menschen in Deutschland wird immer größer, und ihre medizinische Versorgung erfordert spezifische Kenntnisse. Dennoch gibt es bisher an deutschen Universitäten nur wenige Lehrstühle für Altersmedizin.
Altersmedizin in Deutschland

Die Altersmedizin wird im akademischen Alltag noch vernachlässigt.

Viele ältere Menschen leiden unter mehreren Krankheiten gleichzeitig. Zudem sind die Erkrankungen oft nur schwer zu diagnostizieren, und ältere Patienten sprechen häufig langsamer auf Therapien an. Hinzu kommt die Notwendigkeit von sozialen Unterstützungsangeboten oder Hilfen im Haushalt. Aufgrund dieser besonderen Schwierigkeiten erfordert die Versorgung älterer Patienten ganz spezifische, und vor allem fachübergreifende Kenntnisse, die bereits an den Universitäten gelehrt werden müssten. Dennoch ist die Geriatrie im akademischen Alltag bisher kaum angelangt.

An den meisten deutschen Universitäten gibt es keinen eigenen Lehrstuhl für Altersmedizin. Zwar gehören Inhalte der Geriatrie mittlerweile zum Pflichtstoff des Medizinstudiums, doch häufig wird das Fach von medizinischen Lehrbeauftragten behandelt, die keine zusätzliche Qualifikation im Bereich der Altersmedizin haben. Ganz anders sieht es im europäischen Ausland aus, wo die Geriatrie sehr viel stärker im akademischen Alltag vertreten ist. So gibt es in Italien über 60 Lehrstühle für Altersmedizin, in Deutschland sind es nicht einmal zehn.

Neue Lehrstühle für Altersmedizin

Experten wollen dies nun ändern. In Jahr 2014 sollen daher neue Lehrstühle für Altersmedizin in Deutschland entstehen, unter anderem mit der Unterstützung von Stiftungen. So hat sich beispielsweise die Robert-Bosch-Stiftung zum Ziel gesetzt, die Altersmedizin fester in der akademischen Lehre zu verankern, als es bisher der Fall ist. Nach Ansicht von Vertretern der Stiftung ist die Geriatrie an den Universitäten in Deutschland bisher unzureichend vertreten.

In ihrem Forschungskolleg Geriatrie förderte die Robert-Bosch-Stiftung bisher Nachwuchsmediziner, die sich in der Altersmedizin habilitieren wollten. Nun unterstützt sie drei Universitäten bei der Errichtung eines Lehrstuhls für Altersmedizin. Der erste dieser Lehrstühle wird Anfang 2014 in Heidelberg eröffnet werden.

 

Selbständigkeit im Alter erhalten

Aufgrund der Komorbidität vieler Patienten ist die Altersmedizin grundsätzlich interdisziplinär angelegt. Ihre Inhalte reichen von der Frage, wie sich Stürze im Alter vermeiden lassen, bis hin zu spezifischen medizinischen Themen wie beispielsweise der Erholungsfähigkeit des Gehirns nach einem Schlaganfall. Das wichtigste Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten oder zu verbessern. Weitere wichtige Inhalte der Geriatrie sind Mobilität und die Möglichkeit zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Medizinisch liegen die Schwerpunkte bei der Therapie von Schlaganfällen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck und Infektionskrankheiten. Neben den organmedizinisch orientierten Leistungen geht es aber auch um sektorenübergreifende Präventions-, Beratungs- und Unterstützungsangebote.

Foto: Peter-Atkins, Fotolia.com

 

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